Vorstandschefs: Jeder fünfte CEO wird vom Hof gejagt

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Vorstandschefs: Jeder fünfte CEO wird vom Hof gejagt

von Claudia Tödtmann

Schleudersitz Chefsessel: Eine Studie belegt, dass mindestens 22 Prozent aller CEOs unfreiwillig ihren Posten räumen. Und die Ex-Vorstandschefs sind jung wie nie: Sie verlieren ihren Chefsessel im Schnitt mit 56 Jahren.

Gut jeder fünfte Vorstandsvorsitzende musste im vergangenen Jahr – unfreiwillig oder ungeplant – seinen Posten räumen. 22 Prozent der Unternehmenslenker wurden gefeuert, wie die Unternehmensberatung Strategy& (ehemals Booz & Company) bei einer Analyse von 300 börsennotierten Unternehmen im deutschsprachigen Raum errechnete.

Demnach musste jeder zehnte Vorstands-Kapitän seinen Hut nehmen, weil er gescheitert war. Hierzu zählen Fälle mit schwierigen wirtschaftlichen Situationen, wie beispielsweise im Falle Roland Kochs bei Bilfinger. Nach mehreren Gewinnwarnungen musste der ehemalige hessische Ministerpräsident zurücktreten.

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Die erfolgreichsten CEOs börsennotierter Großunternehmen

  • DAX-Granden abgeschlagen

    Unternehmen mit mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz.

    * die Zahl zeigt an, wie viel Prozent seiner Wettbewerber das Unternehmen 2013 geschlagen hat.

  • 20

    CEO: Bill McDermott & Jim Hageman Snabe

    Unternehmen: SAP

    Gesamtwertung*: 52%

    Gewinnentwicklung*: 78%

    Aktienkursentwicklung*: 31%

    Umsatzentwicklung*: 49%

    (Hageman Snabe bis 31.12.2013)

  • 19

    CEO: René Obermann

    Unternehmen: Deutsche Telekom

    Gesamtwertung*: 53%

    Gewinnentwicklung*: 17%

    Aktienkursentwicklung*: 79%

    Umsatzentwicklung*: 63%

    (CEO bis Mai 2014)

  • 18

    CEO: Georg Müller

    Unternehmen: MVV Energie

    Gesamtwertung*: 55%

    Gewinnentwicklung*: 43%

    Aktienkursentwicklung*: 58%

    Umsatzentwicklung*: 63%

  • 17

    CEO: Frank Appel

    Unternehmen: Deutsche Post

    Gesamtwertung*: 57%

    Gewinnentwicklung*: 53%

    Aktienkursentwicklung*: 84%

    Umsatzentwicklung*: 33%

  • 16

    CEO: Elmar Degenhart

    Unternehmen: Continental

    Gesamtwertung*: 57%

    Gewinnentwicklung*: 40%

    Aktienkursentwicklung*: 88%

    Umsatzentwicklung*: 42%

  • 15

    CEO: Wolfgang Reitzle

    Unternehmen: Linde

    Gesamtwertung*: 57%

    Gewinnentwicklung*: 65%

    Aktienkursentwicklung*: 43%

    Umsatzentwicklung*: 64%

    (CEO bis 31.12.2013)

  • 14

    CEO: Bernd Scheifele

    Unternehmen: HeidelbergCement

    Gesamtwertung*: 58%

    Gewinnentwicklung*: 67%

    Aktienkursentwicklung*: 67%

    Umsatzentwicklung*: 40%

  • 13

    CEO: Dietmar Meister

    Unternehmen: Generali Deutschland

    Gesamtwertung*: 58%

    Gewinnentwicklung*: 63%

    Aktienkursentwicklung*: 76%

    Umsatzentwicklung*: 36%

  • 12

    CEO: Eckard Heidloff

    Unternehmen: Wincor Nixdorf

    Gesamtwertung*: 62%

    Gewinnentwicklung*: 59%

    Aktienkursentwicklung*: 75%

    Umsatzentwicklung*: 51%

  • 11

    CEO: Volker Kronseder

    Unternehmen: Krones

    Gesamtwertung*: 62%

    Gewinnentwicklung*: 79%

    Aktienkursentwicklung*: 48%

    Umsatzentwicklung*: 60%

  • 10

    CEO: Marcelino Fernández Verdes

    Unternehmen: Hochtief

    Gesamtwertung*: 63%

    Gewinnentwicklung*: 68%

    Aktienkursentwicklung*: 74%

    Umsatzentwicklung*: 47%

  • 9

    CEO: Ralf Dieter

    Unternehmen: Dürr

    Gesamtwertung*: 63%

    Gewinnentwicklung*: 56%

    Aktienkursentwicklung*: 89%

    Umsatzentwicklung*: 45%

  • 8

    CEO: Thomas Olemotz

    Unternehmen: Bechtle

    Gesamtwertung*: 64%

    Gewinnentwicklung*: 83%

    Aktienkursentwicklung*: 65%

    Umsatzentwicklung*: 44%

  • 7

    CEO: Jürg Oleas

    Unternehmen: GEA

    Gesamtwertung*: 64%

    Gewinnentwicklung*: 73%

    Aktienkursentwicklung*: 72%

    Umsatzentwicklung*: 48%

  • 6

    CEO: Claus-Dietrich Lahrs

    Unternehmen: Hugo Boss

    Gesamtwertung*: 67%

    Gewinnentwicklung*: 71%

    Aktienkursentwicklung*: 75%

    Umsatzentwicklung*: 54%

  • 5

    CEO: Gerold Linzbach

    Unternehmen: Heidelberger Druck

    Gesamtwertung*: 72%

    Gewinnentwicklung*: 65%

    Aktienkursentwicklung*: 76%

    Umsatzentwicklung*: 75%

  • 4

    CEO: Rüdiger Kapitza

    Unternehmen: DMG Mori Seiki

    Gesamtwertung*: 74%

    Gewinnentwicklung*: 86%

    Aktienkursentwicklung*: 76%

    Umsatzentwicklung*: 62%

  • 3

    CEO: Thomas Ebeling

    Unternehmen: ProSiebenSat.1

    Gesamtwertung*: 75%

    Gewinnentwicklung*: 57%

    Aktienkursentwicklung*: 90%

    Umsatzentwicklung*: 79%

  • 2

    CEO: Christoph Vilanek

    Unternehmen: Freenet

    Gesamtwertung*: 78%

    Gewinnentwicklung*: 70%

    Aktienkursentwicklung*: 80%

    Umsatzentwicklung*: 83%

  • 1

    CEO: Ralph Dommermuth

    Unternehmen: United Internet

    Gesamtwertung*: 89%

    Gewinnentwicklung*: 86%

    Aktienkursentwicklung*: 91%

    Umsatzentwicklung*: 89%

  • Quelle

    Quelle: Obermatt

In anderen Fällen traute das Unternehmen dem Vorstandschef den geplanten Kurswechsel nicht mehr zu. Auch wenn der Vorstandschef eine Strafanzeige wegen eines Vorfalls im Job oder einen Compliance-Fall am Hals hat, kann er oft nicht länger im Amt bleiben. In zwölf Prozent der Fälle müssen die Chefs gehen, weil ihr Unternehmen übernommen wurde oder fusioniert hatte.

Eine Übernahme ist kein geplanter Abschied

78 Prozent der Vorstandschefs verschwanden von der Bildfläche, weil sie entweder die Altersgrenze erreichten oder ihre Verträge ausliefen – das gilt in der Studie von Strategy& damit als geplanter Wechsel. Selbst wenn ein Top-Manager bei einer Fusion oder Übernahme eine Change-of-Control-Klausel – das ist eine Ausstiegsklausel mit einem Wahlrecht - nutzen kann wie René Obermann: Er war erst wenige Wochen beim niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo, als der US-Riese Liberty Global das Unternehmen übernahm. Der Ex-Telekom-Chef entschied sich, die vertraglich vereinbarte Abfindung zu wählen und war ruckzuck wieder draußen – aber eben nicht geplant.

Arbeitsrecht für Vorstände

  • Kosten kontrollieren

    Geldwerte Vorteile – wie Flüge im Firmenjet – immer vorab durch den Aufsichtsrat bestätigen lassen. Egal, wie niedrig die Summe ist. Ansonsten droht die Enthebung aus dem Vorstandsamt aus wichtigem Grund sowie die fristlose Kündigung des Arbeitsvertrags.

  • Karten offenlegen

    Vorstände sind zu unbedingter Offenheit gegenüber ihrem Aufsichtsrat verpflichtet und sollten stets jeder ihrer Informations- und Mitteilungspflichten nachkommen.

  • Geschäftsbereich eingrenzen

    Wer seinen Geschäftsbereich nicht genau definieren lässt, kann für Aufgaben herangezogen werden, die seiner Qualifikation nicht entsprechen. Folge: Das Scheitern wird provoziert. Ebenso wichtig ist, dass man innerhalb seiner eigenen Ressortzuständigkeit tätig bleibt und nicht in das Ressort von Vorstandskollegen eingreift oder dass man andere zuständige Gesellschaftsorgane einbindet. Sonst kann es zur fristlosen Kündigung kommen.

  • Kollegen kontrollieren

    Wer die wechselseitige Überwachungspflicht auf die leichte Schulter nimmt, dem droht Haftung auch für die Fehler der Vorstandskollegen und die fristlose Kündigung. Regelmäßige Jour-fixe-Termine schaffen Überblick.

  • Korrekt trennen

    Will man Vorstände ohne hohe Abfindungszahlungen loswerden, gibt es nur einen Hebel, der auch in jedem dritten Fall funktioniert: Weil jene viel länger und häufiger reisen, rund um die Uhr im Job sind und nur noch wenig Freizeit haben, wird’s mit der Grenzziehung zwischen Privatem und Job oft schwierig. Top-Manager denken irgendwann, sie sind die Firma und entwickeln ein gefährliches Selbstverständnis. Beim geringsten Zweifel: Lieber die Rechnung privat zahlen, gar nicht erst eine Angriffsfläche bieten.

  • Rechtlich absichern

    Weil die normale Berufsrechtsschutzversicherung nur den Arbeits-, nicht aber den Vorstandsvertrag abdeckt und in einem Rechtsstreit schnell mittlere fünfstellige Beträge zusammenkommen, bevor die Klage überhaupt zugestellt wird, sollten Vorstände eine Manager-Rechtschutzversicherung abschließen. Ebenfalls zu empfehlen: eine Vorstandsversicherung gegen Strafrechtsschäden.

  • Kontrollsystem einrichten

    Compliance-Regelungen machen immer ausgefeiltere Kontrollsysteme nötig, die regelmäßig weiterentwickelt und überwacht werden müssen. Sonst droht wegen einer Pflichtverletzung die außerordentliche Kündigung. Oder – wie im Falle des Ex-Siemens-Vorstands Neubürger – eine Millionen-Schadensersatzforderung, wenn kein Whistleblowing-System eingerichtet wird.

  • Geschäftsordnung befolgen

    Scheinbar kleine Verstöße – etwa keine ausreichende Zustimmung durch den Aufsichtsrat oder geringfügige Handlungen außerhalb der Geschäftsordnung einzuholen – können schwere Konsequenzen haben: sofortige Abberufung des Vorstands und fristlose Kündigung seines Anstellungsvertrags.

  • Präzise dokumentieren

    Nur wer jederzeit die nötigen Unterlagen zur Hand hat, kann den Vorwurf von Pflichtverletzungen rasch entkräften.

  • Netzwerk pflegen

    Betriebsrat und Sprecherausschuss können langfristig wichtige Verbündete zur Absicherung der eigenen Position sein.

Jedoch: Wenn ein Unternehmen den Vertrag mit seinem Vorstandschef nicht verlängert, bedeutet das ja noch lange nicht, dass der Kandidat nicht tatsächlich gerne auf seinem Posten geblieben und eine Verlängerung freudig unterschrieben hätte. Hierfür spricht insbesondere ihr Alter: Die Vorstandschefs waren laut Strategy&-Studie beim Ausscheiden aus ihrem Amt im Schnitt erst 56 Jahre alt und damit relativ jung.

Also keine Rede davon, dass die meisten wegen einer Altersgrenze aussteigen würden. Hinzukommt, dass die Vertragslaufzeiten von Vorständen in der Tendenz immer weiter gesunken sind und meist nur noch drei Jahre betragen – früher lag diese noch bei fünf Jahren.

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Im Schnitt ist ein Vorstandschef heute nur noch sechs Jahre auf seinem Posten, belegt die Strategy&-Studie. Eine Schätzung, wie viele von den relativ jungen Vorstandschefs, deren Verträge einfach ausliefen, lieber verlängert hätten, gibt die Strategy&-Studie leider nicht her.

Ein interessantes Randergebnis der Studie: Weltweit gibt es bei den 2500 größten börsennotierten Unternehmen nur fünf Prozent Vorstandschefinnen. „Eine ernüchternde Zahl“, wie Klaus-Peter Gushurst, Partner und Sprecher der Geschäftsführung bei Strategy& findet.

Obendrein verlieren Frauen auch öfter ihren CEO-Posten: sind es bei den Männern in den vergangenen elf Jahren 25 Prozent, so sind es bei den Frauen 32 Prozent – bei vergleichbaren Profilen.

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