Wahnsinn im Chefsessel: Wenn Manager unter Besserwisseritis leiden

Wahnsinn im Chefsessel: Wenn Manager unter Besserwisseritis leiden

von Lin Freitag

Jeder kennt sie: Chefs, die alles besser wissen oder sich selbst einen größeren Dienstwagen verordnen, wenn sparen angesagt ist. An welchen Krankheiten Manager leiden - und welche Therapien sinnvoll sind.

Der Ex-Bankmanager und Autor Klaus Schuster listet in seinem neuen Buch "Manager-Krankheiten" die häufigsten Spleens von Führungskräften auf. Er erklärt, auf welche Symptome Angestellte achten müssen und ob Hoffnung auf Heilung besteht.

Besserwisseritis

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Die Agentur stellt die neue Website der Firma als Betaversion online. Der Manager studiert sie übers Wochenende, ruft dann am Montagmorgen um halb acht den Agenturchef an und sagt: "Warum sind die Überschriften serifenfrei? Der Kontakt-Button ist zu klein, der Zeilenfall zu schmal..." Und so weiter: 47 Korrekturpunkte. Raten Sie mal: Welchen Job hat dieser Manager? Ist er der Marketing-Chef? Der Hausgrafiker? Nein. Er ist der Geschäftsführer. Ein Geschäftsführer, der einem Layouter Kommas korrigiert? Das ist ja krank!

Therapie Wer es ständig besser wissen muss, besorgt sich auf diese Weise seine Erfolgserlebnisse. Das ist für alle Gesunden unausstehlich. Aber ein Ansatzpunkt für die Guerilla-Therapie: Kurieren Sie Ihren Chef. Loben Sie ihn für echte Erfolge überschwänglich. Damit nehmen oder mildern Sie bei ihm das Gefühl, er litte an einem Mangel. Therapie-Anfänger verschätzen sich meist in der Dosis. Sie unterdosieren. Was ist die richtige Dosierung? Einfach: Saturation. Beim großen Blutbild muss der Anerkennungsspiegel im Blutserum des Vorgesetzten gesättigt sein, sodass Sie eine deutliche Reduktion seiner Ätscherei feststellen können.

„Manager-Krankheiten“ ist das fünfte Buch des ehemaligen Bank-Managers Klaus Schuster. Es erscheint in diesen Tagen im Redline Verlag. Quelle: Presse

„Manager-Krankheiten“ ist das fünfte Buch des ehemaligen Bank-Managers Klaus Schuster. Es erscheint in diesen Tagen im Redline Verlag.

Bild: Presse

Bürokratenwahn

Ein Manager soll binnen eines halben Jahres eine mobile Sales Force aufbauen. Er startet im August, klotzt richtig ran, opfert Abende und Wochenenden und kriegt tatsächlich bis Februar alles gebacken. Fast alles. Es fehlen noch Tablets für seine sechs Verkäufer. Er beauftragt den Einkauf. Tags darauf ruft der zuständige Einkäufer an:

"Wir haben ein Problem."
"Wegen sechs Tablets? Wie das?"
"Der Oberbuchhalter... Am besten, Sie rufen ihn an."
"Was will ich mit dem Oberbuchhalter? Ich will sechs Tablets! Und pronto! Sonst schaffe ich meinen Endtermin nicht! Und mein Bonus wäre futsch!"

Aber er redet mit dem Chefbuchhalter. Dieser erklärt ihm: "Tablets sind IT, und IT kaufen wir einmal im Jahr ein, und zwar im Januar. Jetzt ist Februar. Sie sind einen Monat zu spät. Sie müssen erst wieder elf Monate warten." Die folgenden Sekunden gehen ins Guinnessbuch der Rekorde ein als längster jemals ausgestoßener Fluch auf einer Teppichetage. Der Konzern soll ein Jahr lang auf einen siebenstelligen Umsatz verzichten, bloß damit der Oberbuchhalter keine Umstände hat? Das ist krank.

Test Arbeiten Sie für einen Psychopathen?

Bei der Antwort auf diese Frage sagt vermutlich gerade alles in Ihnen spontan ja. Es gibt einige ernst zu nehmende Eigenschaften und Verhaltensweisen, die auf diesen Typ Mensch hinweisen. Finden Sie es heraus!

Therapie Wer irgendeine halbgare Regularie hinter sich hat, hat – zumal in Deutschland – immer recht. Deshalb umgeht man Bürokraten am besten, indem man sie bei ihrem eigenen Spiel schlägt. Die Bürokratie in ihrem Regulierungskoller hat inzwischen die einfachste Bleistiftbestellung (sechs Ausführungen!) so verkompliziert, dass sie, wie alle überkomplexen Gebilde, automatisch auch Schlupfwege produziert. Manchmal muss man sie suchen – aber sie sind immer da.

Im vorliegenden Fall sucht besagter Manager so lange nach dem Bypass (nicht dem koronaren, sondern dem organisatorischen), bis er bei einer Tochtergesellschaft einen Buchhalter findet, der noch am Unternehmenserfolg interessiert ist. Hier bestellt er seine sechs Tablets. Die Tochter rechnet den Posten am Jahresende mit dem Head Office ab – und alle sind zufrieden. Keiner hat irgendwelche Kompetenzen überschritten, der Manager schafft sein Projektziel termingerecht, kriegt den verdienten Bonus und das Unternehmen den zusätzlichen Umsatz: Schon im ersten Jahr holen die sechs Verkäufer 1,4 Millionen Euro – im Gegensatz zu den null Euro, die der kollernde Oberbuchhalter billigend in Kauf genommen hätte.

Warum hat der Manager das gemacht? Warum hat er es nicht einfach bleiben lassen und die Schuld auf den Oberbuchhalter geschoben? Angesichts genauso megalomaner wie kleinkarierter Bürokratien ist es verständlich und vor allem bequemer, wenn man beim ersten Anzeichen von Bürokratenwahn die Segel streicht: "Was soll ich machen? Gegen die verdammten Bürokraten komme ich nicht an!" Das höre ich inzwischen oft aus dem Management. Das ist menschlich und verständlich. Den Bürokraten zu zeigen, was ’ne Harke ist, macht aber viel mehr Spaß. Da kommt Freude auf – und Erfolg.

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