Bild: REUTERSDer fränkische Gastronom Philip-Nicholas Blank will am Ende des Maya-Kalenders am 21. Dezember gleich zweimal verdienen: Er hat sich „Weltuntergang“ beim Deutschen Patentamt als Marke schützen lassen und bittet jetzt andere Veranstalter der unzähligen "Weltuntergangs-Partys“ zur Kasse. Medien berichten etwa vom Gastwirt Peter Knura aus Mönchengladbach, dem ein Anwaltsschreiben ins Haus flatterte. 1000 Euro Schadenersatz soll er zahlen, plus knapp 850 Euro Gerichtskosten, weil er die Wortmarke „Weltuntergang“ widerrechtlich benutzt habe. Kläger Blank betont: "Der Name "Weltuntergang" ist für meine Partys geschützt, wie "Coca Cola" für das Getränk", sagt er.
Wie viele Partyveranstalter er bislang zur Kasse gebeten hat, will er nicht sagen. In Brandenburg haben sich zwei Diskothekenbetreiber an die Öffentlichkeit gewandt, Knura will von 15 weiteren in NRW gehört haben. Wenn die beklagten Partyveranstalter nicht zahlen, muss ein Gericht klären, ob sie sich vorher über den Markenschutz hätten informieren müssen, sagt Christian Menzel, Anwalt für Markenrecht. Außerdem müsse ein Gericht dann klären, inwiefern Markeninhaber Blank durch all die anderen „Weltuntergangs“-Partys Schaden genommen hat. Peter Knura selbst will sich erst einmal von seinem Anwalt beraten lassen. „Aber ich glaube nicht, dass ich zahle. Und wenn die Welt untergeht.“
Bild: dapdLindt vs Haribo
Lindt wollte mit einem goldenen Schokobären das Herzen der Schokoladenliebhaber gewinnen. Doch die Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Spruengli zogen vor allem den Zorn des rheinischen Süßwarenherstellers Haribo an. Dieser verklagte die Schweizer auf Schadensersatz.
Das Landgericht Köln untersagte nun Lindt & Spruengli den Vertrieb des Schokobären. Der Verkauf des Produkts verstoße gegen die für Haribo eingetragene Wortmarke „Goldbären“, hieß es in der Urteilsbegründung. Beim Anblick eines solchen Goldbären mit roter Schleife im Süßwarensegment würde unweigerlich eine Verbindung zu Haribo hergestellt. Das Gericht ließ eine Berufung beim Oberlandesgericht Köln zu.
Bild: dapdDuff gegen Duff
Homer würde es freuen: Gleich zwei Firmen wollen Duff Beer verkaufen. Um das aus der amerikanischen Zeichentrickserie "Die Simpsons" bekannte fiktive Bier ist ein realer Rechtsstreit entstanden. Der Bundesgerichtshof (BGH) verhandelte deshalb über den Markenstreit (AZ: I ZR 135/11).
Zwar wurde die Marke bereits 1999 für den älteren Anbieter eingetragen. Ein Konkurrent beantragt aber deren Löschung. Weil der ursprüngliche Markeninhaber das Etikett seines "Duff Beers" grafisch verändert habe, sei sein Recht an der Marke erloschen.
Im Juristendeutsch klingt die Herkunftsgeschichte des Duff übrigens so: "In dieser Zeichentrickserie tritt ein Herr Homer Simpson auf, und dieser Herr trinkt." Der Vorsitzende Richter Joachim Bornkamm betonte allerdings, Duff sei wohl "ein eher billiges Bier".
Bild: REUTERSUnter den vielen Patentklagen ist dies eine der kurioseren: Eine kleine Firma will mindestens drei Millionen Dollar von Apple, weil es zum iPhone Ohrhörer mit Mikrofon gibt. Das Unternehmen Intelligent Smart Phone Concepts bezieht sich auf sein Patent für ein „Mobiltelefon mit Headset“ von 2008, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht.
Allerdings: Die Firma fiel bisher nicht mit weiterer geschäftlicher Aktivität auf. Sie dürfte also zu den sogenannten „Patent-Trollen“ gehören, deren einziges Geschäftsmodell es ist, große Anbieter mit Patentklagen unter Druck zu setzen. Vor allem das amerikanische Patentsystem wird oft dafür kritisiert, dass es zu abstrakte Erfindungen schützen lasse.
Bild: dpaDr. Oetker Paula vs. Aldi Flecki
Auf den ersten Blick ähneln sich Aldis Kinderpudding "Flecki" und Dr. Oetkers "Paula" natürlich. Doch sind die Gemeinsamkeiten ausreichend, um ein Verbot von "Flecki" zu rechtfertigen? Darüber hatte das OLG Düsseldorf zu befinden. Der Vorsitzende Richter referierte dazu über den „Kulminationspunkt des Puddings“ oder die Frage, ob Paula ein klassischer Kuhname sei, was das Gericht in einschlägigen Internetregistern prüfte. "An einer Nachahmung besteht kein Zweifel", erklärte das Gericht. Trotzdem unterscheide sich "Flecki" in vielen Details so sehr, dass Aldi den Pudding weiter verkaufen darf.
Bild: dpa/dpawebKloster Andechs vs. Molkerei Scheitz
Mit der klösterlichen Frieden ist es im oberbayerischen Andechs seit geraumer Zeit vorbei. Schuld ist ein Streit zwischen den Klosterbrüdern und der ortsansässigen Andechser Molkerei Scheitz. Sie wirbt mit dem Slogan "Andechser Natur - seit 1908". Die Mönche wiederrum werben für ihr Bier mit "Kloster Andechs - Genuss für Leib & Seele". Die Mönche sehen ihre Markenrechte verletzt. Der Streit tobt seit sieben Jahren.
Bild: dapdRitter Sport vs. Milka
Der Schokoladenfabrikant Ritter Sport scheiterte in diesem Jahr mit dem Versuch, der Konkurrenz die Herstellung von quadratischen Schokoladentafeln zu verbieten. Das OLG Köln sah keine Verwechslungsgefahr zwischen quadratischen Milka-Tafeln und den Ritter-Sport-Produkten. Dass Ritter Sport seit den Siebzigern mit dem Spruch "Quadratisch.Praktisch.Gut" wirbt, spielte bei der Entscheidung keine Rolle.
Bild: REUTERSAdidas versus Nike
Im Patentstreit um einen Laufschuh des Sportartikelherstellers Adidas hat Weltmarktführer Nike eine Niederlage erlitten. Das Adidas-Modell "adizero primeknit" verstoße nicht gegen ein Nike-Patent, urteilte das Landgericht Nürnberg-Fürth am Mittwoch. Nike war gegen die weltweite Nummer zwei vor Gericht gezogen, weil es in dem Schuh eine Kopie seines seit 2002 patentierten Herstellungsverfahrens "Flyknit" sah. Adidas hielt dagegen, dass ein derartiges Verschmelzungs-Verfahren für Fasern bereits seit 1940 bekannt und daher nicht schützenswert sei. Ein von Nike Ende August erwirktes Verkaufsverbot in Deutschland ist damit hinfällig.
Bild: dapdBudjovický Budvar vs. Anheuser-Busch
Der europäische Gerichtshof musste 2010 den Streit um die Marke Budweiser schlichten. Der US-Konzern Anheuser-Busch wollte sein "Budweiser" in Deutschland schützen lassen. Die kleine tschechische Brauerei Budjovický Budvar hatte ihr Budweiser jedoch schon viel früher in Deutschland und Österreich verkauft. Der EuGH entschied, dass die Brauerei aus dem böhmischen Budjovice (deutsch: Budweis) die älteren Rechte an der Marke habe - der US-Biergigant musste klein beigeben. Allerdings ist Budweiser nicht in der gesamten EU als tschechisches Bier geschützt. Außerhalb Deutschlands und Österreichs kann Anheuser-Busch sein amerikanisches Bier als "Budweiser" verkaufen.
Bild: ReutersHarry Potter vs. Hari Puttar
Die US-Studios Warner Brothers klagten 2008 gegen die Bollywood-Produktion "Hari Puttar". In der indischen Sprache der Region Punjab bedeutet der Titel soviel wie "Sohn Hari". Hari sei ein geläufiger indischen Name konterten die Produzenten von Mirchi Movies und der Film habe inhaltlich keine Ähnlichkeit zu Harry Potter. Tatsächlich handelte es sich eher um eine indische Version von "Kevin allein zu Haus". Die Klage lief ins Leere.
Der fränkische Gastronom Philip-Nicholas Blank will am Ende des Maya-Kalenders am 21. Dezember gleich zweimal verdienen: Er hat sich „Weltuntergang“ beim Deutschen Patentamt als Marke schützen lassen und bittet jetzt andere Veranstalter der unzähligen "Weltuntergangs-Partys“ zur Kasse. Medien berichten etwa vom Gastwirt Peter Knura aus Mönchengladbach, dem ein Anwaltsschreiben ins Haus flatterte. 1000 Euro Schadenersatz soll er zahlen, plus knapp 850 Euro Gerichtskosten, weil er die Wortmarke „Weltuntergang“ widerrechtlich benutzt habe. Kläger Blank betont: "Der Name "Weltuntergang" ist für meine Partys geschützt, wie "Coca Cola" für das Getränk", sagt er.
Wie viele Partyveranstalter er bislang zur Kasse gebeten hat, will er nicht sagen. In Brandenburg haben sich zwei Diskothekenbetreiber an die Öffentlichkeit gewandt, Knura will von 15 weiteren in NRW gehört haben. Wenn die beklagten Partyveranstalter nicht zahlen, muss ein Gericht klären, ob sie sich vorher über den Markenschutz hätten informieren müssen, sagt Christian Menzel, Anwalt für Markenrecht. Außerdem müsse ein Gericht dann klären, inwiefern Markeninhaber Blank durch all die anderen „Weltuntergangs“-Partys Schaden genommen hat. Peter Knura selbst will sich erst einmal von seinem Anwalt beraten lassen. „Aber ich glaube nicht, dass ich zahle. Und wenn die Welt untergeht.“
Manager handeln nach Auftrag, Plan, Strategie. Das hört sich solange gut an, bis man an Samsung, Microsoft, Nokia, Air Berlin oder den Flughafen Berlin denkt.
Erstens: Warum eigentlich ist Strategie so schwerfällig und so selten erfolgreich? Und zweitens: Wie können Unternehmen nachhaltig schneller, flexibler, und damit erfolgreicher werden?
A. Strategien sind meist Fremdkörper
1. Strategien gehen uns oft gegen den Strich. Strategien sagen dir, du musst dich ändern. Dein Design muss besser werden, siehe Samsung. Du musst sparen, koste es, was es wolle, siehe Air Berlin / Billigflieger. Du kannst nicht länger allein 'Freude am Fahren' haben, sondern endlich auch am Umweltschutz, siehe BMW/Autoindustrie. Das kann intern schnell zu Abwehrreaktionen führen.
2. Der Wandel fällt nicht leicht, hat man doch diametrale Überzeugungen, Vorlieben, Talente - die einen schließlich zu dem erfolgreichen Manager und Unternehmen machten, der man zumindest bis gestern noch war. Man fragt sich: Was mache ich noch in diesem Unternehmen, das nicht mehr 'meines' ist?
3. Die Strategie erfordert neue Kompetenzen. Dieses Neue muss erst geschult und eingeübt werden, um in Fleisch und Blut überzugehen: der Dialog in Social Media, der zuvorkommende, gar vorauseilende Kundenservice bei Air Berlin, der energiesparende Motor, das lärmfreie Auto.
Und dabei stecken alle noch in den Trainings aus dem letzten Strategiewechsel.
4. Oft sind Strategien Eingeständnisse, dass die vorherige Strategie die falsche war. Der (direkte) Vorgesetzte oder man selbst einen groben Fehler machte. Zuviel Beinfreiheit bei Air Berlin oder zu wenig Design bei Samsung. Plötzlich heißt es Sparen auf Kosten der Kunden bzw. 'Kupfern' auf Kosten von Apple.
5. Ebenso oft bringt ein neuer Manager eine neue Strategie mit - oder eine neue Agentur. Gemeinsam widersprechen sie allem, woran man bisher glaubte. Social Media, Facebook, Dialog, One-To-One. Einfach, weil die Agentur es empfiehlt, die anderen 'da draußen das auch alle' machen, 'wir nicht hintenan stehen' wollen, können, dürfen. Und nächsten Monat? Die nächste Sau, die durchs Unternehmen getrieben wird?
6. Wenn dann jeder sein eigenes Ding durchzieht, um sich zu profilieren, zahlen die Strategien unterschiedlicher Abteilungen nicht (mehr) aufeinander ein, stehen sich gar im Wege. Wie soll man z.B. unter dem Diktat des Kostensparens die Service-/Produkt-Qualität verbessern?
7. Strategien sind zeitlich, räumlich, inhaltlich eng abgesteckt. Wie soll man innerhalb von Dreimonatszyklen Mobilität oder Luftfahrt oder Telekommunikation neu erfinden? Und wie soll man hundertprozentig hinter der aktuellen stehen, wenn eigentlich schon die nächste Strategie 'droht'? Allzu oft halten Strategien uns davon ab, das intuitiv Richtige zu tun. Halten uns davon ab, die uns längst in Fleisch und Blut übergegangene Vision des Unternehmens zu leben. Halten uns davon ab, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren - nur weil es kurzfristig opportun erscheint, wir jemanden nachahmen 'müssen' (wie Samsung zu allem Überfluss auch noch den Apple Store, wir zuvor Fehler begingen, indem wir uns zu sehr von unserem Kerngeschäft entfernten.
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