Managergehälter: Wie viel Boni braucht das Land?

Managergehälter: Wie viel Boni braucht das Land?

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Geldscheine

Kurzfristige Erfolge werden weniger honoriert, die Haftung steigt: Wie Unternehmen künftig ihre Vorstände bezahlen, Boni-Exzesse verhindern und damit ihre Zukunft langfristig sichern wollen.

Die ersten Gedanken macht sich Andreas Hänel schon vergangenen Mai, seinen Aufsichtsrat zieht er ein paar Monate später hinzu: Seit Sommer 2009 beschäftigt sich der Vorstandsvorsitzende des Fotovoltaik-Systemhauses Phoenix Solar zusammen mit seinen Unternehmenskontrolleuren und einem externen Berater mit der Frage, nach welchen Prinzipien der fünfköpfige Vorstand des seit März 2008 im TecDax notierten Unternehmens künftig bezahlt werden soll.

Im Mittelpunkt der Überlegungen: Welche Anreize sind sinnvoll, um die Unternehmensspitze leistungsgerecht zu entlohnen – also auch mit Bonuszahlungen, die nicht nur das Konto des Vorstands, sondern das langfristige Wohlergehen des Unternehmens berücksichtigen? Auch wenn die Details der neuen Vergütungssystematik noch nicht aufs i-Tüpfelchen ausformuliert sind und erst im Frühjahr in Kraft treten werden – dass sich Grundlegendes ändern wird, steht fest: „Wir wollen den variablen Teil der Vergütung an einem Index ausrichten, der sich an der Performance unserer Wettbewerber orientiert“, sagt Vorstandschef Hänel. „Wir wollen eine Obergrenze für Boni einführen und die Auszahlung von einem Nachhaltigkeitsfaktor abhängig machen.“

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Ganz oben auf der Agenda

Mit diesen Zielen befindet sich Phoenix Solar in bester Gesellschaft: Vom Sportartikelhersteller Adidas bis zum Automobilkonzern Volkswagen, von Maschinenbauer Aixtron bis Finanzdienstleister Wirecard, von der Aareal Bank bis zum IT-Unternehmen Wincor Nixdorf – derzeit zerbrechen sich alle börsennotierten Unternehmen in Deutschland den Kopf darüber, nach welchen Kriterien sie die Höhe von Managergehältern gestalten.

„In den Aufsichtsratssitzungen stehen Fragen rund um die Vergütung der Unternehmensspitze seit Monaten ganz oben auf der Agenda“, bestätigt Christiane Hölz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Die Verunsicherung der Unternehmen ist spürbar.“

Falsche Anreize

Der Auslöser für das geschäftige Treiben hat einen kryptischen Namen: VorstAG – das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung. Verabschiedet am 5. August 2009, reagierte die Bundesregierung damit auf exzessive Boni-Zahlungen, die durch falsche Vergütungsanreize erst möglich gemacht wurden und eine große Mitschuld am Entstehen der Finanzkrise haben. Jetzt zwingt das Gesetz die Unternehmen im Eiltempo oft grundlegend neue Vergütungssysteme zu installieren. „Vergütungsberater“, sagt der Manager einer großen deutschen Investmentfondsgesellschaft, „verdienen sich gerade eine goldene Nase.“

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