Motivation: Stimmungsmacher gesucht

Motivation: Stimmungsmacher gesucht

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Tipp gegen die Krise: Hören Sie auf zu Jammern

Die Krise produziert in den Unternehmen schlechte Laune: Angst, Druck und Frust am Arbeitsplatz wachsen. Was Manager bei Schaeffler, BASF oder der Commerzbank jetzt tun, um ihre Mitarbeiter zu motivieren – ohne Geld.

Der Job von Klaus Widmaier hat derzeit viel mit dem eines Zirkusakrobaten gemein: Stimmungen ausbalancieren, Optimismus verbreiten, ohne den Ernst der Lage schönzureden, Mut machen, aber keine falschen Versprechen – ein Drahtseilakt.

Widmaier ist einer der Geschäftsführer in der Sparte Industrie beim Automobilzulieferer Schaeffler. Und die Lage des fränkischen Familienunternehmens ist bekanntermaßen alles andere als rosig: bei der Conti-Übernahme verhoben, mit der Finanzkrise abgestürzt, Gesuch um Staatshilfe erwogen. Wie es weitergeht, ist derzeit unsicher.

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Das drückt gewaltig auf die Stimmung der Belegschaft – dementsprechend besorgt klingen die Fragen in den Werkshallen: Wie geht es in Zukunft weiter? Was kommt noch alles? Widmaier muss um Verständnis werben und „die Betroffenen zu Beteiligten“ machen, um die Krise zu überstehen, sagt er.

Für die Mitarbeiter ist Ungewissheit das Schlimmste

Bieten kann Widmaier praktisch nichts, allenfalls Lohnverzicht und Kurzarbeit. „Geld und Weiterbildung werden derzeit eher zurückgestellt“, sagt er trocken. Spaß klingt anders.

Jemand wie Klaus Widmaier könnte in der aktuellen Situation auch Führungskraft bei Opel, Arcandor, Infineon, Schiesser oder zahllosen anderen deutschen Unternehmen sein – die Aufgabe bliebe immer dieselbe: Hoffnung verbreiten und die Mitarbeiter zu mehr Einsatz motivieren. Für weniger Geld.

Und das, obwohl die Hiobsbotschaften nicht abreißen. Mehr als die Hälfte der Maschinen- und Anlagenbauer plant laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands VDMA, in den nächsten Monaten Stellen zu streichen. Konzerne wie Henkel oder E.On ebenso. Bis zum Herbst, behaupten zumindest Arbeitsmarktexperten, ist das Tal erreicht. Wann und vor allem wie schnell es wieder bergauf geht – keiner kann es sagen.

Das nagt. Das Schlimmste ist die Ungewissheit. „Du schuftest und schuftest – und weißt am Ende doch nicht, ob sie dich noch rauswerfen“, sagt ein Angestellter, der lieber nicht genannt werden will.

Jeder zehnte Manager fürchtet die Stelle zu verlieren

Nicht nur in den Werkshallen, auch in den Büros grassiert deshalb die Angst. Sie reicht bis ganz oben. Fast jeder zehnte Manager fürchtet, in den kommenden sechs Monaten seine Stelle zu verlieren, ergab eine Umfrage des Deutschen Führungskräfteverbands unter 1000 Fach- und Führungskräften. Jeder Fünfte glaubt, dass sich seine berufliche Situation verschlechtern wird. Zwei von dreien rechnen gar damit, künftig weniger zu verdienen, weil Boni wegfallen oder das Festgehalt gekürzt wird.

Und das Resultat? Neun von zehn Beschäftigten fühlen sich kaum noch an ihr Unternehmen gebunden. Jeder Fünfte behauptet, „innerlich gekündigt“ zu haben, zwei Drittel der Befragten machen längst „Dienst nach Vorschrift“, so die repräsentative Befindlichkeitsstudie, die das Beratungsunternehmen Gallup jüngst veröffentlicht hat.

Weniger Geld, Angst um den Job, unklare Zukunft, steigender Arbeitsdruck und -frust – zusammengefasst könnte man auch sagen: Die Motivation der Mitarbeiter ist im Keller.

Ein gefährlicher Zustand. Hält er an, sinken nicht nur Produktivität und Kreativität der Kollegen – häufig kündigen dann auch noch jene Leistungsträger, mit denen man eigentlich aus dem Krisental wieder herausklettern wollte. Und wer zurückbleibt, fühlt sich nicht besser, sondern schlechter: ein Zauderer auf dem sinkenden Schiff, der den Absprung verpasst hat.

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