Nationaltorhüter René Adler: "Nach dem Fußball ins Management? Warum nicht."

InterviewNationaltorhüter René Adler: "Nach dem Fußball ins Management? Warum nicht."

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Deutschlands Fußball-National-Torhüter René Adler

von Daniel Rettig

Der Fußball-Nationaltorwart über die Nachteile seines Berufs und seine Pläne für die Zeit nach der Karriere als Profi-Fußballer.

WirtschaftsWoche: Herr Adler, Sie haben gestern auf dem Kölner Absolventenkongress fleißig Autogramme gegeben - dabei sind viele Besucher älter als Sie und suchen gerade ihren ersten Job. Ein komisches Gefühl für Sie?

Adler: Komisch ist das falsche Wort, ich führe einfach ein anderes Leben.

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Und ob – Sie sind jetzt 25 und stehen schon seit mehreren Jahren voll im Berufsleben.

So ist das im Fußball. Bei uns geht es im Optimalfall schon im Alter von 16, 17 Jahren richtig los – und je nach körperlicher Verfassung spielen die meisten bis Mitte 30.

Für viele Jungen ist Fußballer der absolute Traumjob – für Sie auch?

Natürlich ist es ein Privileg, gewissermaßen mit seinem Hobby Geld zu verdienen – und, das muss man auch sagen, nicht gerade wenig Geld. Aber dennoch bin ich ja nicht automatisch glücklicher als Menschen mit einem „normalen“ Beruf.

Das denken die meisten aber...

...ich weiß, aber das ist ein Trugschluss. Fußballer haben dieselben Probleme und Sorgen wie andere auch – egal ob mit Freunden oder der Familie. Natürlich sind wir finanziell privilegiert und ich möchte auch mit niemandem tauschen – aber dennoch darf man nicht vergessen, dass dieser Zustand zeitlich begrenzt ist. Deshalb beschäftige ich mich durchaus auch mit der Zeit nach meiner sportlichen Laufbahn.

Dann könnten Sie theoretisch studieren – das Abitur haben Sie vor Ihrer Profilaufbahn noch gemacht.

Darüber bin ich auch sehr froh – wer weiß, was in zehn Jahren ist. Ich wusste schon nach dem Abitur, dass ein Studium für mich theoretisch in Frage kommen würde – weil ich auch gerne geistig fit bleiben will. Momentan ist es aber zeitlich einfach nicht möglich.

Hätten Sie an Werktagen nicht genügend Zeit zum Lernen?

Viele Leute unterschätzen, wie viel wir auf Reisen sind – sowohl mit dem Verein als auch mit der Nationalmannschaft. In stressigen Zeiten schlafe ich maximal drei Nächte in der Woche zu Hause – den Rest verbringe ich mit der Mannschaft entweder im Bus, im Flugzeug oder im Hotel. Und da versuche ich, zu entspannen, höre Musik oder schaue eine DVD. Da könnte ich mich beim besten Willen nicht noch BWL büffeln.

Laufen Sie da nicht Gefahr, sich nur noch mit Fußball zu beschäftigen?

Mir geht es wie jedem normalen Büroangestellten: Ich sehe meine Kollegen mehr als meine Familie und Freunde. Deshalb habe ich mir abseits des Fußballplatzes ganz bewusst einen Freundeskreis aufgebaut, in dem viele in unterschiedlichen Bereichen arbeiten. Würde ich in meiner Freizeit auch nur über Fußball reden, würde ich irgendwann wahrscheinlich verrückt. Jeder muss ja auch mal auf andere Gedanken kommen.

Die meisten 25-Jährigen können problemlos neue Freundschaften schließen – Sie kaum.

Natürlich ist es schwieriger geworden. Ich will ja als René behandelt werden, nicht als der Fußballtorwart. Deshalb versuche ich einerseits, ein Gespür für falsche Freunde zu entwickeln – andererseits besteht die Gefahr, dass man schon fast paranoid wird und gleich etwas Schlechtes von Mitmenschen denkt. Manchen Leuten tut man dann leider unrecht.

Ihr ehemaliger Torwart-Kollege Oliver Kahn macht derzeit seinen Master of Business Administration in Salzburg. Könnten Sie sich auch vorstellen, nach Ihrer Karriere etwas ganz anderes zu machen?

Absolut. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erfahrungen als Leistungssportler auch für andere Bereiche nützlich sind. Ich bin seit Jahren gewöhnt, in einer Mannschaft zu arbeiten und weiß, wie wichtig Teamwork ist. Ehrgeiz und Professionalität gehören überall dazu – und ich bin mir darüber im Klaren, dass man für Erfolg auch verzichten muss. Deshalb bin ich schon im Alter von 15 von zu Hause ausgezogen, um mich in Leverkusen auf eine Sportlerkarriere vorzubereiten. Die nötige Flexibilität bringe ich auch mit (lacht).

Also sehen Sie sich in 15 Jahren eher im Bayer-Management als auf dem Fußballplatz?

Möglichkeiten gäbe es im Konzern wirklich genug. Natürlich hat meine Torwart-Laufbahn derzeit absolute Priorität – aber eines Tages ist es damit vorbei. Danach ins Management gehen? Warum nicht. Man soll nie nie sagen.

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