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Organisation: Im Herzen jung bleiben

von Jack und Suzy Welch

Wir sind ein Unternehmen, das rapide wächst, und langsam wird es problematisch, uns selbst zu organisieren. Wie stellt man es am besten an, sich von einem kleinen zu einem großen Unternehmen zu wandeln?

Knifflige Sache, in der Tat! Das von Ihnen geschilderte Wachstum legt die Vermutung nahe, dass Ihnen der große Wurf gelungen ist, etwa in Form eines neuen Produkts oder einer Dienstleistung, die die Kunden wirklich wollen und die Wettbewerber nicht anbieten. Das ist eine klasse Sache. Aber ab da wird’s eben kompliziert. Der Sprung vom Startup zu einem etablierten Unternehmen ist einer der vertracktesten Übergänge im Lebenszyklus einer Organisation. Wenn man sich dabei allein auf einen glücklichen Zufall verlässt, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein Unternehmen sich in seine Bestandteile auflöst. Das Problem daran ist, dass Sie Prozesse und Systeme einführen müssen, um Ordnung in Ihrem immer größer werdenden Unternehmen zu schaffen, ohne gleichzeitig den Geist und die Energie zunichte zu machen, die Ihnen den Erfolg bescherten. Man könnte auch sagen: Der Laden muss erwachsen werden – und im Herzen jung bleiben. Fangen Sie damit an, indem Sie zu den Wurzeln zurückkehren: Mission und Werte. Als Sie Ihr Business begonnen haben, gab es wahrscheinlich ein großes Team, das Hand in Hand arbeitete. Jeder wusste intuitiv, wohin die Reise ging und welche Verhaltensweisen man von ihm erwartete, um dorthin zu gelangen. Dann kamen immer neue Mitarbeiter hinzu, und das Tagesgeschäft fächerte sich immer weiter auf. Und das war wahrscheinlich der Moment, in dem Mission und Werte nur noch verschwommen wahrnehmbar wurden. Bieten Sie dem Einhalt, indem Sie bis zum Erbrechen über Mission und Werte sprechen! Vergessen Sie nie, dass die „Neuen“ diese nie in der Weise gelebt haben, wie Sie es taten. Ihr nächster Schritt muss eine Art Langfristplanung sein, da Sie sich bisher wahrscheinlich mit Ad-hoc-Budgetierung behelfen konnten. Das geht jetzt nicht mehr. Vermeiden Sie aber dabei alle Auswüchse von zu viel Bürokratie und beschränken Sie die Planung auf ein paar Schlüsselideen, die so angelegt sind, dass eine lebhafte Diskussion entsteht. Stellen Sie sicher, dass die Budgetplanung nicht zur Farce wird, bei der am Ende einer langen Reihe von künstlichen Verhandlungen eine unverrückbare Zahl steht anstelle von spannenden, dehnbaren Zielen. Was immer Sie auch tun, bitte bestrafen Sie niemanden dafür, dass er ein kühnes Ziel verfehlt hat. Belohnen Sie Ihre Leute stattdessen dafür, was sie im Vergleich zu den Ergebnissen des Vorjahres erreicht und wie sie sich im Vergleich zur Konkurrenz geschlagen haben. Apropos Leute belohnen: Kein Unternehmen kann sich von klein nach groß entwickeln, ohne eine rigorose, aufrichtige Leistungsbeurteilung zu haben, die mindestens zweimal jährlich durchgeführt wird. Die Eigendynamik wird Sie nicht ewig weiterbringen, darum müssen Sie sicherstellen, dass Sie über das beste Team verfügen. Dazu benötigen Sie eine systematische Differenzierung: Sie müssen Top-Leute, Durchschnittskräfte und Minderleister identifizieren, um diese dann entsprechend zu befördern oder hinauszubefördern. Sie können schlechte Leute nun mal nicht auf dem restlichen Weg mitschleppen – und dem ins Auge zu blicken ist bestimmt nicht leicht. Das ist eine der Schattenseiten der Entwicklung vom David zum Goliath. Ein bisschen improvisieren, wie Sie es in der Vergangenheit getan haben, reicht nun nicht mehr aus. Das ist ziemlich aufregend. Aber Sie liegen mit der Nase schon vorn, weil Sie die Herausforderung als solche erkannt haben. Und das ist schon sehr viel wert.

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