Psychologie: Lügnern in der Chefetage auf der Spur

Psychologie: Lügnern in der Chefetage auf der Spur

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Der ehemalige Enron-Manager Jeff Skilling (links) und sein Anwalt Dan Petrocelli

Alle acht Minuten wird ein Mensch belogen, häufig bleibt die Flunkerei unbemerkt. Zwei US-Wissenschaftler haben jetzt Indizien dafür gefunden, wie Lügner sich ausdrücken.

Als Chef des früheren US-Konzerns Enron war Jeffrey Skilling für sein aufbrausendes Temperament berühmt und berüchtigt. Während einer Telefonkonferenz befragte ihn ein Analyst einst kritisch zur Finanzlage des Unternehmens. Skilling antwortete und legte sein Mikrofon zur Seite. Dann nannte er den Analysten ein Arschloch.

Schon bei der Telefonkonferenz hätte der Analyst ahnen können, dass es bei Enron nicht mit rechten Dingen zuging – denn ausgiebiges Fluchen deutet darauf hin, dass Chefs nicht die Wahrheit sagen.

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Zu diesem Ergebnis kommen David Larcker und Anastasia Zakolyukina von der Graduate School of Business der Universität Stanford in einer aktuellen Studie (.pdf). Die Wissenschaftler werteten dafür knapp 30.000 Telefonkonferenzen aus den Jahren 2003 bis 2007 aus, bei denen die Vorstandsvorsitzenden oder die Finanzvorstände verschiedener Konzerne mit Analysten sprachen.

Außerdem hielten Larcker und Zakolyukina fest, wie viele der betrachteten Unternehmen im Nachhinein ihre Bilanzen korrigieren mussten. Vereinfacht gesagt gingen sie also davon aus, dass die Manager solcher Unternehmen die Analysten in der Konferenz wissentlich getäuscht hatten.

Dabei entdeckten Larcker und Zakolyukina einige interessante Parallelen in der Ausdrucksweise der Lügner:

1. Sie hielten sich an Allgemeinplätzen fest und wurden nur selten konkret ("Wie Sie sicher wissen...").

2. Sie erwähnten den Shareholder Value wesentlich seltener.

3. Sie nutzen häufig Superlative ("phantastisch", „hervorragend“).

4. Sie sprachen weniger in der Ich-Perspektive und mehr in der dritten Person.

5. Sie benutzen häufiger Füllwörter ("ah", "hm").

6. Sie benutzten mehr Kraftausdrücke – so wie einst Jeffrey Skilling.

Im Jahr 2001 kam heraus, dass die Enron-Führungsetage um den CEO sowie den Unternehmensgründer Kenneth Lay jahrelang die Bilanzen gefälscht hatte. Den Konzern gibt es heute nicht mehr - und Skilling wurde 2006 zu 24 Jahren Haft verurteilt.

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