
Solange die Betroffenen mitspielen, machen die Makler der Mächtigen leichtes Geld: „Provisionen von 15 bis 20 Prozent des Honorars sind marktüblich“, sagt Matthias Erhard, der früher als Referent für Theo Waigel und Edmund Stoiber arbeitete und inzwischen in München einen Rednerdienst betreibt. Wie die meisten Agenturchefs verwertet Erhard die Kontakte seines früheren Berufslebens. Torsten Fuhrberg von Celebrity Speakers organisierte in Düsseldorf, Frankfurt und Berlin Messen und Kongresse und entdeckte so das Geschäft mit der Rednervermittlung. Andreas Guillot arbeitete für eine Werbeagentur und verschiedene Verlage, bevor er zum Kontakthändler wurde. Auch Isabel Funke stand in Brüssel und München in den Diensten der EU-Kommission, bevor sie 1999 begann, die Econ Referenten-Agentur zu leiten.
Die Honorare ihrer Redner können sich sehen lassen: Für Ex-Minister und ehemalige EU-Kommissare sind locker 10 000 Euro pro Auftritt drin. Für ganz große Namen auch schon mal 25 000 oder 40 000 Euro – das ist die Preisklasse Ex-Kanzler.
Ob solche Persönlichkeiten wirklich einen Wort-Makler brauchen, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich unterhalten die meisten VIPs eigene Internet-Auftritte und Büros, über die man sie problemlos erreichen kann. Oder ihre Arbeitgeber sind so bekannt, dass es nicht schwerfällt, sie zu finden. „Unsere Leistung geht über die einfache Rednerkontaktierung hinaus“, beteuert daher Agenturchef Fuhrberg. Man konzipiere auf Wunsch meist ganze Themen-Veranstaltungen und recherchiere die passenden Redner dazu, rechtfertigen die AuftrittsMakler ihre Provisionen. Außerdem müssten Kunden ohne ihren heißen Draht zu den Prominenten auf Top-Referenten verzichten, sagen die Vermittler. Und man sei Filter für Prominente, die sich nicht selbst mit jeder lästigen Anfrage beschäftigen wollten, und prüfe für sie die Seriosität von Anfragen.
Das Geld wert
Weil vor allem Großunternehmen und Verbände sich gern mit Prominenten ins rechte Licht rücken, brummt das Geschäft der professionellen Vermittler. Zudem ist es Politikern egal, ob ein bezahltes Engagement direkt oder über eine Agentur zustande kommt – das Honorar zahlt der Endkunde. Auch nicht bestellte Werbung sorgt für bezahlte Auftritte.
Peer Steinbrück geißelte zwar am 25. -November in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank die Maßlosigkeit des Finanzsektors. Trotzdem dürfte er sein Honorar für das Geldhaus wert ge-wesen sein: „Sie alle, nach dem zweiten Glas Wein, dem dritten Glas Pils – ich kann es in Ihren Gesichtern lesen, wie Sie über die Politiker denken.“ Den Agenturen muss um ihr Geschäft nicht bange sein, denn: „Reden machen mir sehr viel mehr Spaß, seit ich nicht mehr durch ein politisches Amt gefesselt bin.“ Seitdem heißt es für Steinbrück; Schweigen ist -Silber, Reden Gold.













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Alle Kommentare lesen09.09.2010, 18:32 UhrAnonymer Benutzer: Bob
Lieber Autor, selbst ihr CR und ihr Chinakorrespondent lassen sich von London Speakers vermarkten.