Referenten-Makler: Das Reden der anderen

Referenten-Makler: Das Reden der anderen

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Eine Hostess hält vor Beginn der Hauptversammlung von ThyssenKrupp am 21.01.2010 eine Platzreservierung für den früheren Finanzminister Peer Steinbrück in den Händen

Referentenagenturen machen aus der Redseligkeit von Politikern und Prominenten ein Geschäft – doch manche schmücken sich dabei schon mal mit fremden Federn.

Wenn Peer Steinbrück auftritt, redet er Tacheles: „Es dauert nicht mehr lange, und die Politiker erscheinen auf den Sportseiten hinter der zweiten Liga, nach dem Motto: Wer ist oben, wer ist unten?“ Für Sätze wie diesen kassierte der SPD-Altstar am 25. November 2009 mindestens 7000 Euro. Referiert hat er auf einer Konferenz der Alfred Herrhausen Gesellschaft in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank über „Deutschlands entfremdete Eliten“. Insgesamt verdiente der Ex-Bundesfinanzminister seit Oktober vergangenen Jahres mindestens 200 000 Euro mit Vorträgen.

Wenn Steinbrück losdonnert, freuen sich nicht nur die Zuhörer, sondern auch Roland Vestring. Ihm gehört der deutsche Ableger des London Speaker Bureau, ein internationales Maklerbüro für Veranstaltungsredner. Vestring versüßt Politikern und anderen Prominenten das Leben, indem er ihnen bezahlte Reden vermittelt und dafür Provision kassiert. Personen zu vermitteln, die eigentlich jeder erreichen kann, scheint ein durchaus profitables Geschäft zu sein. In den USA existiert es seit mehr als 30 Jahren, erst mit dem Umzug der Bonner Republik nach Berlin wird es auch in Deutschland im großen Stil betrieben.

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Bezahlte Plauderei

Inzwischen tummeln sich in der Medienrepublik mindestens 15 Redner- und Dutzende Eventagenturen. 80 bis 130 Millionen Euro schwer ist das Geschäft mit dem gekauften Wort in Europa; in Deutschland etwa 20 Millionen, schätzt ein Agenturchef. Politiker verdienen prächtig an der bezahlten Plauderei: Mindestens 80 000 Euro strich Joschka Fischer (Grüne) allein von 2005 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag im September 2006 damit ein. Geredet hat er bei Investmentfonds, der britischen Barclays Bank und Goldman Sachs. Weltweit lässt sich der Ex-Außenminister vom Washington Speakers Bureau für 25 000 bis 40 000 Dollar pro Auftritt vermitteln. Auch Walter Riester (SPD) hat sich nach seiner Zeit als Arbeitsminister den Mund goldig geredet – auf 68 Vorträgen für mindestens 397 000 Euro bei Fondsgesellschaften und Finanzberatern, die seine Riester-Rente anbieten.

Auch Guido Westerwelle (FDP) war vor seinem Eintritt in die Bundesregierung gut im Geschäft: Zwischen 2005 und 2009 verdiente er mindestens 248 500 Euro. Der Bundestagsabgeordnete und Ex-Wirtschaftsminister Heinz Riesenhuber (CDU) brachte es seit 2005 auf mindestens 47 500 Euro für seine Reden. Selbst Politiker in der zweiten Reihe vermarkten inzwischen ihr öffentliches Amt: Mindestens 18 000 Euro klimperten bisher für 18 Vorträge bei Pharmafirmen, Ärzteverbänden und Krankenkassen in die Taschen von Eike Hovermann (SPD) – er saß bis 2009 im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages.

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