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Richtig Feilschen: Sechs Tipps für die Gehaltsverhandlung

von Daniel Rettig

In einer Gehaltsverhandlung zählt vor allem die richtige Herangehensweise. Sechs Tipps für richtiges Feilschen.

Für mehr Gehalt muss nicht Quelle: dpa/dpaweb
Für mehr Gehalt muss nicht unbedingt gestreikt werden oft reicht eine geschickte Gehaltsverhandlung. Quelle: dpa/dpaweb

1. Hausaufgaben machen

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Der Ratschlag klingt nach einer Binsenweisheit – allerdings wird er oft sträflich vernachlässigt. Nur jede dritte Führungskraft bereitet sich auf eine einstündige Verhandlung mehr als 30 Minuten vor, fand das Wiener Hernstein Institut für Management und Leadership 2007 in einer Umfrage heraus. Die meisten glauben sogar, weniger Zeit zu benötigen. Ein großer Irrtum. Sie sollten auf jeden Fall vorher wissen, was Arbeitskollegen auf vergleichbaren Posten verdienen – bekommen Sie weniger, haben Sie schon mal einen guten Ansatzpunkt.

2. Ruhe bewahren

In der Verhandlung ist es wichtig, sich vom Gegenüber nicht unter Druck setzen zu lassen. Wissenschaftler unterscheiden in Belastungssituationen zwei Arten von Stress: „Eustress“ macht uns leistungsstärker, „Disstress“ sorgt durch die Ausschüttung der Hormone Adrenalin und Cortisol für Stottern und Konzentrationsfehler. Bleiben Sie also unbedingt cool und positiv, sonst torpedieren Sie gar noch Ihre eigene Strategie.

3. Emotionen zeigen

Nett sein ist eine lobenswerte Eigenschaft – im Gehaltsgespräch jedoch fehl am Platz. Von größerem Vorteil ist es, während der Verhandlung auch mal den Wüterich zu geben. Das zeigt ein Experiment der Psychologen Marwan Sinaceur und Larissa Tiedens von der Universität Stanford aus dem Jahr 2006. 142 Studenten sollten jeweils in Paaren eine Gehaltsverhandlung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer simulieren. Die Wissenschaftler teilten den Angestellten vorab mit, welche Emotionen sie im Gespräch zeigen sollten. Ergebnis: Jene, die während der Verhandlung wütend wurden, machten weniger Eingeständnisse und erzielten bessere Verhandlungsergebnisse. Die Erklärung: Wer den Giftzwerg spielt, wirkt dominanter und tapferer. Allerdings sollten Sie die Wutprobe nur in homöopathischen Dosen verteilen (siehe Punkt 2).

4. Zeitpunkt wählen

Ihren Arbeitgeber interessiert nur eines: Warum soll er mehr Gehalt zahlen? Sie müssen ihm beibringen, dass Sie für ihn keine unnötige Ausgabe darstellen, sondern eine sinnvolle Investition. Gehaltscoach Martin Wehrle empfiehlt die 2-3-1-Strategie: Nennen Sie zuerst Ihr zweitbestes Argument – Ihr Vor-gesetzter wird aufmerksam. Dann das drittbeste – er wähnt sich schon siegreich. Erst jetzt kommt das beste Argument, um die Verhandlung für sich zu entscheiden.

5. Perspektive wechseln

Klar ist: Niemand bittet seinen Chef um mehr Gehalt, wenn dieser gerade Leute entlassen muss. Ein guter Zeitpunkt ist hingegen, wenn Sie gerade ein Projekt besonders erfolgreich abgeschlossen haben. Versuchen Sie sich in die Lage Ihres Verhandlungspartners hineinzuversetzen – und zwar nüchtern und rational. Das beweist ein Experiment von Adam Galinsky von der Kellogg School of Management. Er ließ 150 Studenten in Zweiergruppen über den Verkauf einer Tankstelle verhandeln. Ergebnis: Wer zuvor die Perspektive des anderen einnehmen konnte, erzielte häufiger eine Einigung.

6. Gegenüber imitieren

Ein Forscherteam um William Maddux von der französischen Business School Insead fand heraus: Wer während einer Verhandlung Mimik oder Gestik seines Gegenübers imitiert, verschafft sich Vorteile. Dabei entsteht unbewusst Vertrauen zum vermeintlichen Gegner – und sorgt für mehr Großzügigkeit und Nachsicht. Wichtig jedoch: Das Nachahmen darf nicht zu offensichtlich sein – sonst verkehrt sich der Effekt ins Gegenteil und das Original fühlt sich nachgeäfft und verschaukelt.

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5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.02.2012, 12:18 UhrAnonymer Benutzer: A.Loch

    In einem funktionierenden Markt schafft der Preis einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Je besser es ein Arbeitnehmer versteht, sein spezielles Angebot beim nachfragenden Arbeitgeber zu verkaufen, d.h. je mehr Arbeitgeber potenzielles Interesse an seinem Angebot haben, desto höher wird sein erzielbarer Preis. In diesem Sinn hilft es allen Arbeitnehmern, sich regelmäßig auf Stellen zu bewerben, um ihren Marktwert zu testen. Sollte der Arbeitnehmer möglicherweise im Gespräch mit dem Personaler des Arbeitgebers merken, dass dieser seiner verbindlich aber höflich vorgetragenen Argumentation nicht folgen kann oder möchte, so hilft es ungemein, wenn man als Arbeitnehmer dem schlüssig Vorgetragenen Taten (z.B. Kündigung) folgen lassen kann. Ist dem Arbeitgeber an der Arbeitskraft tatsächlich gelegen, wird dieser möglicherweise nun versuchen, den Arbeitnehmer zum Verbleib zu bewegen. Dies ist nun die Chance auch den Personaler von seiner Argumentation zu überzeugen. (Aber Vorsicht: Wird die Methodik nur als Bluff vom Arbeitnehmer versucht, steht dieser hinterher als Vollidiot dar.) Also bleiben Sie ausdauernd, verbindlich und realistisch, dann klappt´s auch mit dem Personaler!

  • 19.03.2010, 17:25 UhrAnonymer Benutzer: noch ´n Personaler

    Personaler Nr 1 übertreibt sicher aber im Grunde kann ich Vieles bestätigen. Leider werden viele Mitarbeiter durch eine Vielzahl gutgemeinter Ratgeber oftmals angespornt, sich mit allerlei "Tricks" bewaffnet, in Gehaltsgespräche zu begeben. Nennen wir diese auch gern psychologisch, so zeigt sich oft, daß nicht viel dahinter steckt und eine sachliche Diskussion mit dem Mitarbeiter schnell im Nirvana endet. Die Mitarbeiter sind dann frustriert, schimpfen und fühlen sich allein gelassen, weil die gutgemeinten Ratschläge eben nur antrainiert sind und das Gedankengerüst dahinter (und da gebe ich iHrem Artikel durchaus recht) nicht sattelfest ist. Mein Rat an alle : zuerst sich kritisch selbst analysieren und die Eigen-beweihräucherungsnummer abhakten, nicht fordern sondern anbieten. Jemand (ein Cehf z.b.) , der sich in die Ecke gedrängt fühlt, wird niemals nachgeben oder Zugeständnisse machen. Und das schlimmste : niemals anfangen mit "ich bin jetzt schon so lange hier und da wird es Zeit...."

  • 17.03.2010, 11:55 UhrAnonymer Benutzer: Daniel Rettig

    @Personaler: Sie haben da offenbar einiges falsch verstanden. Es geht nicht um Philosophie, sondern Psychologie. Dass Vorgesetzte blöd sind, behaupte ich gar nicht. Ebenso wenig, dass Angestellte davon ausgehen. Und was Sie bei Gehaltsverhandlungen erlebt haben, kann ich nicht beurteilen - ebenso wenig wie die Herangehensweise der von ihnen angesprchenen Mitarbeiter.

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