Stress: Deutschland ist erschöpft

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Stress: Deutschland ist erschöpft

Überstunden gehören in Deutschland zum guten Ton. Gleiches gilt dafür, auch in der Freizeit für die Arbeit da zu sein. Der Preis: Erschöpfung und ein vernachlässigtes Privatleben.

Ein Feierabendbier oder ein Kinobesuch nach der Arbeit kommt für einen großen Teil der Deutschen nicht in Frage. Der Grund: Sie fühlen sich erschöpft. 22,7 Prozent der Erwerbstätigen geben an, dass sie nach der Arbeit zu kaputt sind, um privaten Verpflichtungen nachzukommen. Bei 30,3 Prozent ist das zumindest teilweise der Fall. Das hat die Initiative Gesundheit & Arbeit (IGA) der deutschen Kranken- und Unfallversicherungen anhand einer Umfrage unter rund 2.000 Deutschen ermittelt.

Diese kommt zu dem Ergebnis, dass viele Deutsche ihre Arbeit als zu stressig empfinden. So gehören Überstunden in Deutschland anscheinend zum guten Ton. Bei 38,5 Prozent erwartet der Chef, dass sie Überstunden machen, bei jedem Vierten ist dies teils der Fall. Außerdem können viele nicht in Ruhe einer Aufgabe nachgehen. 37,9 Prozent geben an, häufig ihre Arbeit unterbrechen zu müssen, weil etwas Wichtiges dazwischen kommt. Bei mehr als einem Viertel ist das teilweise so.

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In acht Schritten zum Burn-Out

  • Erster Schritt

    Es beginnt alles mit dem Wunsch, sich zu beweisen. Dieser aber treibt einen in den Zwang, sich noch mehr anzustrengen, noch mehr zu leisten bzw. es allen recht zu machen. Man nimmt jeden Auftrag an, sagt immer seltener Nein. Jettet von Termin zu Termin. Und nimmt abends Arbeit mit nach Hause.

    (Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

  • Zweiter Schritt

    Man nimmt seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahr. Schläft zu wenig, isst hastig oder gar nichts. Sagt den Kinobesuch mit Freunden ab.

  • Dritter Schritt

    Man missachtet die Warnsignale des Körpers, wie Schlafstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, flaches Atmen, Konzentrationsschwäche.

  • Vierter Schritt

    Um wieder funktionieren zu können, greifen manche zu Drogen wie Schmerzmitteln, Schlaftabletten, Alkohol, Aufputschern.

  • Fünfter Schritt

    Das eigene Wertesystem verändert sich. Die Freunde sind langweilig, der Besuch mit dem Kollegen im Café verschwendete Zeit. Die Probleme mit dem Partner oder Familie nimmt man einfach nicht mehr wahr. Man zieht sich zurück aus gesellschaftlichen Kontakten. Und endet oft in völliger Isolation.

  • Sechster Schritt

    Die Persönlichkeit verändert sich. Alles dreht sich nur noch darum, zu funktionieren, zu arbeiten. Gefühle und Emotionen werden verdrängt. Man verliert den Humor, reagiert mit Schärfe und Sarkasmus, empfindet Verachtung für Menschen, die das Faulsein genießen. Man verhärtet.

  • Siebter Schritt

    Man verliert das Gefühl für die eigene Persönlichkeit. Spürt nur noch Gereiztheit, Schmerzen, Erschöpfung, Überlastung, Angst vor einem Zusammenbruch. Und sonst nichts mehr. Keine Freude, keine Fröhlichkeit, keine Neugierde. Der Mensch funktioniert wie eine Maschine. Die Seele erstarrt.

  • Achter Schritt

    Die wachsende innere Leere, genährt von dem Gedanken "Wenn ich nicht arbeite, was bin ich dann?", führt zur Depression, zur völligen Erschöpfung, zum Zusammenbruch, zum Ausgebranntsein.

Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit auch im Privatleben. Dies wird bei 21,7 Prozent stets erwartet und bei 17,1 Prozent zumindest teils. Ein Drittel der Arbeitnehmer fühlen sich dadurch belastet. Die SPD prüft derzeit, Arbeitgebern zu verbieten, ihre Angestellten ab einer bestimmten Uhrzeit zu kontaktieren. „Ein solches Gesetz würde einen wichtigen Präventionsbeitrag leisten“, sagte die stellvertretende Bundestags-Fraktionsvorsitzende Carola Reimann in der Dienstagsausgabe der „Rheinischen Post“. Auch Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) warb für „ein Gesetz, wonach zu bestimmten Zeiten der Arbeitgeber seine Angestellten nicht mehr kontaktieren darf“.

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Während sich Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) grundsätzlich offen zeige, lehnen die Arbeitgeber den Vorstoß als überflüssig ab. Schon heute gebe es ein hohes Schutzniveau für die Beschäftigten, betont die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): „Wer für Arbeitnehmer ein hohes Maß an Arbeitszeitverantwortung und verantwortlicher Arbeitsgestaltung einfordert, muss diesen auch die Gelegenheit geben, die aus privaten Gründen unterbrochene Arbeit von zu Hause oder unterwegs wieder aufzunehmen und zu vollenden.“

Immerhin: Knapp zwei Drittel der Befragten der IGA-Studie sagen, dass ihnen ihre Arbeit das Gefühl gibt, etwas zu leisten, und sie sich positiv auf ihr Privatleben auswirkt.

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