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Training für Manager: Schnelleres Lesen lernen

von sebastian.matthes@wiwo.de

Scharenweise strömen Manager und Mitarbeiter in Kurse für schnelleres Lesen. Studien zeigen, welche Trainings wirklich funktionieren.

Scharenweise strömen Manager und Mitarbeiter in Kurse für schnelleres Lesen. Studien zeigen, welche Trainings wirklich funktionieren,  dpa
Scharenweise strömen Manager und Mitarbeiter in Kurse für schnelleres Lesen. Studien zeigen, welche Trainings wirklich funktionieren, Foto: dpa

Diesen Text werden Sie in knapp sieben Minuten lesen. Hätten Sie vorher ein Wochenende mit Wolfgang Schmitz verbracht, könnten Sie schon nach dreieinhalb Minuten weiterblättern. Der ehemalige Manager ist Leselehrer. Seine Schüler sind Führungskräfte, Ärzte, Anwälte und Studenten. Und das Klassenziel: schnelleres und vor allem effektiveres Lesen. Rainer Hartje hat bei Schmitz gelernt. Auf dem Schreibtisch des KfW-Direktors landen täglich zwei Tageszeitungen, Pressespiegel, Fachzeitschriften und jede Menge interne Mitteilungen. „An manchen Tagen könnten wir das Arbeiten einstellen und nur noch lesen“, sagt er. Deswegen drückte Hartje bei Schmitz die Schulbank. Nun liest er etwa doppelt so schnell. Die Stapel auf seinem Schreibtisch werden neuerdings ruck, zuck kleiner, und der 400 Euro teure Lesekurs gehört seit Neuestem zum Weiterbildungsprogramm der KfW. Wer in Schmitz’ Leseschmiede Improved Reading lernen will, muss sich rechtzeitig anmelden. Noch nie war das Interesse an derartigen Kursen unter Managern und Fachkräften so groß wie heute. Unternehmen wie KPMG, E.On, Deutsche Bank, SAP, Deutsche Telekom und RWE schicken Mitarbeiter zum Lektürekurs. Als Schmitz vor einigen Wochen bei der RTL-Sendung Stern-TV auftrat, häuften sich so viele Zuschriften bei dem Sender, dass Moderator Günther Jauch den Lesetrainer in der Woche darauf gleich noch einmal einbestellte. Das Interesse dürfte noch zunehmen. Längst beklagen 75 Prozent der Deutschen ein Überangebot an Informationen, wie eine Studie der Stiftung Lesen ergab. Laut einer Studie der Marktforschung IDC wächst die digitale Informationsmenge jährlich um knapp 60 Prozent – doppelt so schnell wie noch vor einigen Jahren. Und nach erfolgreichen Modellversuchen mit Berliner Gymnasien fordern Sprachwissenschaftler, Lesekurse auch an Schulen einzuführen. Dass der Mensch lernen kann, schneller zu lesen, ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Nur über die Frage, wie das geht, tobt ein Glaubenskampf. Untersuchungen von Psychologen und Gehirnforschern zeigen jetzt, welche Trainingsmethoden wirklich helfen, was jeder zur Lesebeschleunigung tun kann und wo der Hokuspokus anfängt. Zunächst muss man allerdings verstehen, was beim Lesen im Gehirn abläuft. Denn das ist eine neuronale Spitzenleistung, die sich, grob gesagt, in drei Schritten vollzieht: Erst erfasst das Auge ein Wort oder einen Satzteil. Aus den wahrgenommenen Strichen und Winkeln bastelt das Gehirn ein sogenanntes vorbewusstes Schriftbild. In einem zweiten Schritt wird dieses Schriftbild in der linken Gehirnhälfte in der Nähe der für Sprachverarbeitung zuständigen Areale vertont. Dabei prüft das Gehirn, ob es das Wort oder die Silben kennt. Der Effekt ist die Stimme im Ohr, die beim Lesen den Text oder zumindest einige Wörter des Textes mitspricht. Im dritten Schritt wird all das, was der Leser über ein Wort weiß, in sein Bewusstsein gerufen: Gefühle, Erfahrungen und Vorurteile. Klar ist, dass an diesem Prozess verschiedene Hirnregionen zusammenarbeiten. So stimulieren Verben beispielsweise das Stirnhirn, bildhafte Substantive sorgen für Gedankenaufruhr in den Schläfenlappen. Je mehr uns ein Buch bewegt oder interessiert, umso intensiver verläuft diese Zusammenarbeit. Und je aktiver das Gehirn ist, desto schneller kommen wir durch den Text und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir die neuen Informationen dauerhaft behalten.

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