Abschaffung der Wehrpflicht: "Die letzte Chance, sein Leben in den Griff zu bekommen"

Abschaffung der Wehrpflicht: "Die letzte Chance, sein Leben in den Griff zu bekommen"

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Axel Fuhrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf

von Mario Brück

Politiker von CDU und CSU treiben die Abschaffung der Wehrpflicht voran. Was das für die deutschen Handwerksbetriebe bedeutet, sagt Axel Fuhrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf.

WirtschaftsWoche: Herr Fuhrmann, haben Sie gedient?

Fuhrmann: Ja, ich bin als Wehrpflichtiger 1981 für fünfzehn Monate zur Bundeswehr gekommen. Ich war Fernmelder, ein so genannter Richtfunker und Kraftfahrer in der Bergischen Kaserne in Düsseldorf-Hubbelrath.

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Die Aussetzung der Wehrpflicht rückt näher. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stellte dem CDU-Präsidium sein Konzept für eine künftige Berufsarmee vor und stieß dabei auf Zustimmung. Das müsste in den handwerklichen Betrieben doch Jubelstürme auslösen. 

Grundsätzlich spielt das Thema Wehrpflicht für unsere Betriebe seit der Reduzierung der Wehrpflicht auf neun und dann auf sechs Monate nur noch eine eher untergeordnete Rolle. Zu Zeiten, als es noch zwölf Monate und mehr waren,  und zudem die Wehrgerechtigkeit höher war, also eine hohe Zahl der Männer eines Altersjahrgangs gezogen wurden, hatten unsere Betriebe häufiger Probleme mit den Kreiswehrersatzämtern. Insbesondere an den Berufsschwellen "Schule-Ausbildung" und "Ausbildung-Arbeitsplatz" gab es nicht selten Ärger.

Zum Beispiel?

Ein Abiturient hatte einen Lehrvertrag unterzeichnet, musste aber stattdessen zum Bund. Oder: Direkt nach der Gesellenprüfung wurde die Einberufung wirksam, obwohl der Betrieb den ehemaligen Lehrling als Gesellen dringend benötigte. Oder: Der Geselle wurde kurz vor Ende der möglichen Einberufbarkeit mit Mitte 20 noch eingezogen. In all diesen Fällen hatten die Kammern - und auch die Handwerkskammer Düsseldorf - viel zu tun, um mit den Kreiswehrersatzämter Lösungen zu finden. Was im übrigen auch nicht immer gelang. Aus meiner persönlichen Sicht ist die beabsichtigte Aussetzung der Wehrpflicht gesellschaftspolitisch kritisch zu sehen.

Wie meinen Sie das?

Für nicht wenige junge Männer war die Bundeswehr die letzte - und für manche die erste - Sozialisationsinstanz, die versuchte, den Männern geregelte Tagesabläufe beizubringen. Aber, und das ist natürlich noch viel wichtiger: Es wurde auch die Bedeutung von Pflichten und Verantwortung gegenüber Dritten versucht zu vermitteln. Dazu brauchte es die Zeit von wenigstens 12 Monaten. Die Bundeswehr war somit auch so etwas wie die letzte Chance, sein Leben in den Griff zu bekommen.

Und ich bin überzeugt, dass das viele über die Bundeswehr auch geschafft haben. Auch das Thema Migration ist meiner Meinung nach untrennbar mit der Bundeswehr verbunden. Wo können eingebürgerte Deutsche etwas für ihr neues Vaterland tun? Und wo können - wenn es denn funktioniert - Deutsche und Deutsche mit nichtdeutscher Herkunft zusammengeführt werden?

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