Alltagsforschung: Die Qual der Wahl

kolumneAlltagsforschung: Die Qual der Wahl

Kolumne von Daniel Rettig

Entscheidungen strengen die Psyche an - doch nicht alle gleichermaßen. Welche Entscheidungen müde machen.

Eigentlich handelt es sich um ein Luxusproblem. Wer sich entscheiden muss, darf immerhin zwischen Alternativen wählen. Trotzdem fällt es vielen Menschen nicht nur schwer, sich festzulegen. Zahlreiche Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt: Wer viele Entschlüsse treffen muss, der ist danach regelrecht gedanklich ermattet. Experten bezeichnen dieses Phänomen als Entscheidungsmüdigkeit – und die hat durchaus ernste Folgen. Selbst bei Personen, die qua Amt zur Objektivität verpflichtet sind.

So ergab eine Studie des israelischen Psychologen Shai Danziger, dass Richter morgens eine Strafe eher zur Bewährung aussetzen als nachmittags. Möglicher Grund: Ein solches Urteil erfordert mehr Anstrengung, geistig wie körperlich. Das Urteil dauert länger, die schriftliche Begründung muss ausführlicher sein. Und diese Energie bringen Richter am ehesten morgens auf – unabhängig vom Vergehen des Angeklagten.

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Andere Untersuchen zeigten, dass Ärzte nach ein paar Stunden im Dienst häufiger Antibiotika verschreiben oder dass sich Menschen morgens ehrlicher verhalten als nachmittags. Offenbar schmälert Müdigkeit die Fähigkeit zu Disziplin und Selbstkontrolle.
Doch das gilt längst nicht für jede Entscheidung.

So bringen Sie Ihr Gehirn im Alltag auf Trab

  • Verkehrte Welt

    Tragen Sie Ihre Uhr rechts statt links oder machen Sie Tätigkeiten, die Sie sonst nur mit Ihrer bevorzugten Hand ausführen, einfach mal mit der anderen.

    Quelle: Central Krankenversicherung,  "Unser Gedächtnis"

  • Probieren Sie etwas Neues

    Lernen Sie einen neuen Tanz, eine neue Sprache, neue Kochrezepte, lernen Sie ein Gedicht auswendig oder fangen Sie an zu töpfern - eigentlich egal. Hauptsache, das Gehirn bekommt Futter.

  • Achtsam sein

    Gehen Sie ohne Einkaufszettel in den Supermarkt und überschlagen Sie beim Warten an der Kasse den Gesamtwert der Waren im Kopf. Versuchen Sie beim Musikhören die verschiedenen Instrumente zu erkennen.

  • Spielen Sie

    Memory kennt jeder aus seiner Kindheit. Das Merkspiel steigert die Konzentration und das bildhafte Gedächtnis bei Jung und Alt. Sie haben kein Memory zuhause? Dann spielen Sie es online. Da werden Sie wenigsten nicht von den eigenen Kindern abgezogen. Auch Schach ist gut für Gehirn.

  • Kreuzworträtsel

    Kreuzworträtsel sind zwar eine gute Gedächtnisübung, aber nur, wenn sie sehr schwer sind - und nicht gleich jede Antwort gegoogelt wird. Selber raten macht schlau.

  • Ernährung

    Es gibt zwar kein Brainfood, das aus einer mentalen Trantüte einen zweiten Einstein macht, aber es gibt durchaus Lebensmittel, die das Gehirn besser mit nötigen Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen versorgen, als Schokolade und Chips. Dazu gehören unter anderem Nüsse, frischer Fisch und Früchte. Eine umfassendere Liste finden Sie hier.

  • Denkpausen machen

    Gönnen Sie sich Pausen, in denen sich auch das Gehirn erholen kann. Das funktioniert schon durch bewusstes Atmen und hilft in stressigen Situationen gleichzeitig, einen klaren Kopf zu bewahren.

Es kommt darauf an, ob wir sie für uns selbst treffen – oder stellvertretend für jemand anderen. Zu diesem Ergebnis kommen die US-Psychologen Evan Polman (Wisconsin School of Business) und Kathleen Vohs (Carlson School of Management) in einer neuen Studie. Sie teilten knapp 1000 Probanden in mehreren Versuchen in zwei Gruppen. Zunächst sollten sie eine Reihe banaler Entscheidungen treffen – mal für sich selbst, mal für eine andere Person.

Danach konfrontierten die beiden Wissenschaftler die Freiwilligen mit verschiedenen subtilen Tests. Mal sollten sie entscheiden, ob sie Geld in einem Fonds lassen, der pro Jahr 8,15 Prozent Rendite bringt, oder ob sie zu einem Konkurrenten wechseln, der jährlich 8,65 Prozent versprach. Ein anderes Mal konfrontierten sie die Probanden mit Rätseln, die in Wahrheit unlösbar waren.

Alltagsforschung Die Tücken der Teamarbeit

Wer im Team arbeiten muss, kann sich gut hinter der Leistung der Kollegen verstecken und viele tun genau das. Menschen überschätzen außerdem systematisch ihren Beitrag zum Endergebnis – vor allem in großen Gruppen.

Stellen Sie die nötigen Informationen bereit Quelle: Fotolia

Mit diesen Tests wollten sie herausfinden, ob die Freiwilligen noch geistig frisch waren. Und siehe da: Wer zuvor für sich selbst entschieden hatte, war nun wesentlich träger, wollte das Geld lieber im selben Fonds lassen oder gab bei den Rätseln schneller auf. Aber warum?

Polman und Vohs vermuten: Wer für andere entscheidet, denkt eher an die positiven Folgen als an die negativen – während wir bei Entscheidungen für uns selbst eher vorsichtig und pessimistisch sind. Und die diese Zweifel strengen an. Nun klingt das noch relativ harmlos. Doch es gibt zahlreiche Bereiche, in denen die handelnden Personen mit ihren Entschlüssen das Leben anderer Menschen prägen: Der Vorstandsvorsitzende entscheidet für den Mitarbeiter, der Anlageberater für den Kunden, der Anwalt für den Klienten. Und die Studie erklärt zumindest, warum sich Menschen auch nach mehreren Entscheidungen für andere noch unnachgiebig zeigen: Es macht schlicht mehr Spaß – und wenn es schiefgeht, ist man selbst fein raus.

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