Alltagsforschung: Warum ein Plan B schlecht für die Motivation ist

kolumneAlltagsforschung: Warum ein Plan B schlecht für die Motivation ist

Kolumne von Daniel Rettig

Ein alternativer Plan soll die Versagensangst lindern. Doch einer Studie zufolge senkt er stattdessen die Motivation. Kann allein die Tatsache, dass es einen Plan B gibt, den Plan A schädigen?

Das Leben ist voll von Unsicherheiten, privat wie beruflich.
Wir können nie wissen, ob der Lieblingsmensch unsere Zuneigung erwidert; ob der Vorgesetzte unseren Vorschlag so clever findet wie wir; oder ob die potenziellen Kunden unsere vermeintlich geniale Geschäftsidee nicht vielleicht doch völlig gaga finden. Mit Unsicherheit lebt allerdings niemand gerne. Deshalb schmieden viele Menschen einen Plan B – nur für den Fall, dass Plan A scheitert. Wir wissen leider nicht, wann das Leben eine Sackgasse bereithält. Da ist es nie verkehrt, schon vor der Fahrt eine alternative Route herauszusuchen.

Doch was theoretisch plausibel klingt, ist praktisch oft der Beginn allen Übels. Denn tatsächlich senkt alleine die Existenz eines Plans B die Chance, dass Plan A funktioniert. Das behaupten zumindest die US-Psychologinnen Jihae Shin (Universität von Wisconsin-Madison) und Katherine Milkman (Wharton Business School). Für ihre neue Feldstudie konzipierten sie vier verschiedene Experimente. Zunächst stellten sie Menschen, die am Gleis auf ihren Zug warteten, drei Fragen zu ihrem Berufsleben. Arbeiteten diese gerade auf ein spezielles Ziel hin? Wie ernsthaft verfolgten sie es? Und hatten sie schon ein anderes Ziel im Kopf, falls der Ursprungsplan scheitert? Das Ergebnis: Wer einen Plan B hatte, verfolgte Plan A weit weniger ernsthaft.

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Aber ist an fehlender Zielstrebigkeit wirklich die Ausweichlösung schuld? Und ob. Das bemerkten Shin und Milkman in weiteren Experimenten im Labor. Egal, ob die Freiwilligen dort in unterschiedlichen Tests und Aufgaben kleine Snacks oder Geld gewinnen konnten: Immer wenn sie Alternativpläne schmiedeten, waren sie mit weniger Ehrgeiz bei der Sache.

Aber warum? Die Wissenschaftlerinnen vermuten: Wer sich gedanklich schon mit Plan B beschäftigt, der lindert zwar die Angst, Plan A zu verpassen. Er verringert dadurch gleichzeitig aber sein Verlangen, Plan A unbedingt zu erreichen – und strengt sich weniger an. Damit verwandelt sich das gut gemeinte Alternativszenario, das uns eigentlich beruhigen sollte, zum Motivationskiller – eben weil es uns den Biss nimmt, unbedingt auf ein Ziel hinzuarbeiten.

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Sind Ausweichpläne also immer schlecht? So weit wollen die Forscherinnen auch nicht gehen. Dennoch appellieren sie an mehr Wachsamkeit. Angestellte sollten zum Beispiel den Zeitpunkt bedenken, an dem sie den Plan B schmieden. Und zwar am besten erst dann, wenn sie alles dafür getan haben, dass Plan A funktioniert. So umgehen sie zumindest die Gefahr, dass sie sich von Plan B lähmen lassen.

Führungskräfte wiederum sollten die Verantwortung für Plan A in die Hände des einen Mitarbeiters legen – und den Entwurf von Plan B in die des anderen. So verteilt sich die Last auf mehrere Schultern, senkt die Versagensangst – jedoch ohne gleichzeitig die Motivation zu senken. Die Absicherung eines Plans B klingt verlockend – aber wie alle Versicherungen, so hat auch diese ihren Preis.

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