André Kemper: Ein Perfektionist für die Hall of Fame

André Kemper: Ein Perfektionist für die Hall of Fame

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André Kemper

von Manfred Engeser

Er polierte Mercedes nach dem Elchtest wieder auf, schickte Olli Dittrich in den MediaMarkt und Oliver Kahn auf die Paulaner-Bank: André Kemper zählt zu Deutschlands besten Werbern.

Mann trifft Frau, ihre Blicke begegnen sich. Er nimmt sie in den Arm, gleich kommt es zum Kuss.  Auf der Leinwand, in der Literatur, im wahren Leben: Ungezählte Male wurde er schon beschworen, der Moment magischer Leidenschaft.  Gerade allerdings will er sich partout nicht einstellen, der Augenblick der Poesie.

"Stoppstoppstopp!" ruft André Kemper mitten in die Szene in einem Hamburger TV-Studio. Ein neuer Spot wird hier gerade abgedreht, für Brillance, Deutschlands meistverkauftes Haarfärbemittel aus dem Hause Schwarzkopf. Die simple Botschaft des 30-sekündigen TV-Spots, die ab Herbst Deutschlands Frauen erreichen soll: Damit kriegst Du jeden Mann rum.  Jeden vielleicht. Nicht aber André Kemper.  Der hochdekorierte Werber, Gründer und Boss der Agentur KemperTrautmann, macht den Dreh kurzerhand zur Chefsache. Ändert das Licht, variiert die Musik, erklärt den Models, wohin sie zu laufen und wie sie zu gucken haben, zupft an ihrer Kleidung, nestelt an den Frisuren – so lange, bis er mit jedem Detail zufrieden ist.

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"Manchmal muss man eben das Kommando an sich reißen", sagt Kemper. "Meine Kollegen und mich selbst dazu zu bringen, die eigene Arbeit immer wieder in Frage zu stellen, ist meine wichtigste Aufgabe – damit das Ergebnis perfekt ist. Dafür nehme ich auch schon mal in Kauf, mich unbeliebt zu machen."

Klare Wort – und genau dafür lieben sie und buchen sie ihn.

Laut und emotional

"Wenn Kemper Tacheles redet, kann es schon mal laut und emotional werden", sagt Tina Müller, bei Henkel verantwortlich für das Marketing der Kosmetiksparte. "Aber das Resultat ist immer top – weil er so lange weiterbohrt, bis das Bestmögliche auf dem Tisch liegt."

Darauf stehen neben Schwarzkopf offenbar auch viele andere Kunden – derzeit etwa Autobauer Audi, Küchengerätehersteller Gaggenau, Bad-Armaturenproduzent Grohe genauso wie Bierbrauer Paulaner, Marmeladeneinkocher Schwartau oder die Heimwerker vom Hagebaumarkt.  Was die so unterschiedlichen Kunden und Kampagnen verbindet? "Wir sind kämpferisch, detailverliebt, klar und optimistisch", sagt Kemper. Der es aber ablehnt, die Prinzipien der Agentur in eine hochtrabende Philosophie zu gießen. "Am Ende zählt nur der Erfolg."

Für den zieht er sich immer wieder in sein Büro im achten Stock eines schmalen Bürohauses ganz in der Nähe der Hamburger Nobelmeile Jungfernstieg zurück. Von hier hat er freie Sicht auf Rathaus, Michel, Alster, Elbphilharmonie. Oder seine Jalousien.  

"Ich will nicht abgelenkt sein", sagt Kemper. Sein Schreibtisch: weiß. Seine Wände: Weiß oder aus Glas. Einziger Schmuck: Ein Modell seines Lieblingsautos Audi R8, ein schwarzer Globus ("zeigt mir, wo wir noch nicht sind"), ein Leuchtlogo der Agenturtochter Loved. Und eine Glückwunschanzeige von Konkurrent Jung von Matt zum 5. Geburtstag.

"Positiver Besessener"

Seinen innenarchitektonischen Purismus hat er der gesamten Agentur verordnet. Vor Konferenzen rückt er Stühle gerade, Fettflecken an Türen wischt er gern mal selbst ab. Dauerberieselung durch Twitter, Facebook, Blogs lehnt er ab. Wird's besonders stressig, schiebt er sich schon mal eine Portion Snus unter die Oberlippe – den schwedischen Kautabak besorgt die Sekretärin aus ihrer Heimat. Sogar das Telefon schaltet er gelegentlich aus. "Dann kann ich mich fallen lassen und über jedes Detail gründlich nachdenken."

So wie vergangenen Herbst, als die Agentur ein Remake für den legendären Audi-Spot "Wo ist der Tank" produzierte. Und sich Kemper den eigentlich schon fertig produzierten Spot übers Wochenende nochmal zur Brust nahm – und Schnitt und Musik komplett änderte.  "Oft wird es dann noch besser", sagt Audis Werbechef Lothar Korn. "Aber manchmal ist er dabei so perfekt im Detail, dass der Laie den Unterschied kaum wahrnehmen kann." Das passiert auch mal privat: Wer mit Kemper am Küchentisch sitzt, muss schon mal damit rechnen, dass Kemper aufsteht, um die Lamellen der vier Holzjalousien parallel auszurichten. Und nach Partys geht er nicht ins Bett, bevor er nicht aufgeräumt und auch den letzten Aschenbecher im Wohnzimmer gerade gerückt hat.

Ansonsten ist Kemper als Gastgeber alles andere als pingelig: "Er kann tolle Frikadellen", bestätigt Komödiant Olli Dittrich, den Kemper einst für MediaMarkt-Spots verpflichtete – Beginn einer innigen Freundschaft, die Kemper ebenso zu Günter Netzer pflegt, mit dem er im Vorfeld der Fußball-WM 2002 mal für die Telekom warb.

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