André Reitz im Interview: "Eine Frage der Qualität"

André Reitz im Interview: "Eine Frage der Qualität"

Bild vergrößern

Männerarzt André Reitz

Der Männerarzt André Reitz über guten Sex und falsche Vorstellungen darüber.

WirtschaftsWoche: Herr Reitz, macht guter Sex beruflich erfolgreich?

Reitz: Die Vorstellungen von gutem Sex sind individuell sehr unterschiedlich, werden aber immer subjektiv bemessen, so die Qualität und Quantität des eigenen Sexuallebens und die sexuelle Zufriedenheit in der Paarbeziehung. Beruflicher Erfolg ist von außen definiert, von Aktionären, Vorgesetzten, Kollegen. Ein einfacher kausaler Zusammenhang – wenn, dann – zwischen der sexuellen Zufriedenheit und der Karriere besteht in meinen Augen nicht.

Anzeige

Was wäre dann guter Sex?

Eine möglichst große Gemeinsamkeit von Wünschen und Erwartungen an guten Sex auf der einen und deren Erfüllung auf der anderen Seite. Die Erwartungen sind bei Männern leider allzu oft auf die reine Vollzugsfähigkeit fokussiert. Entsprechend kommen Männer mit nachlassender Erektionsfähigkeit in meine Sprechstunde, bei denen eine Kluft zwischen Erwartung an guten Sex und Vollzugsfähigkeit besteht.

Aber wir lesen ständig darüber: wie oft, wie viel, wie lange. Hat das keinen Einfluss?

Muss Mann sich der gesellschaftlich weitverbreiteten Norm beugen, dass er immer will und kann? Der Versuch, die Quantifizierung und den Wettbewerb, den wir aus dem Wirtschaftsleben gewohnt sind, in das Liebesleben zu übertragen, wird misslingen. Die sexuelle Zufriedenheit kann man nicht Verfahren und Modellen wie Best Practice oder Benchmarking unterziehen.

Sondern?

Guter Sex ist radikal individuell: Was macht mich zufrieden und glücklich, was verschafft der Partnerin/dem Partner Befriedigung und Glück? Diese Antworten sind von der Persönlichkeit, der Lebenssituation, dem Alter abhängig und ein bisschen auch von der Kultur und der Erziehung. In Frankreich zum Beispiel...

...dort haben Sie studiert und gearbeitet...

...wird die Sache mit dem Sex anders angepackt als hier in Deutschland. Wer hierzulande in Gegenwart seiner Sekretärin einen anzüglichen Witz erzählt, muss gleich damit rechnen, vors Arbeitsgericht gezerrt zu werden. In Frankreich schlagen die Frauen mit Ironie und Selbstironie zurück, dass der Mann eine solche Anzüglichkeit nie wieder riskieren würde.

Wenn es schon so schwierig ist, guten Sex zu definieren, sagen Sie uns wenigstens, was ihn ver- oder behindert?

Trennung, Angst, Krankheit und Depressionen wirken sich negativ auf die Sexualität aus, aber auch gesellschaftliche Zwänge, Muster und Normen. Persönlicher und beruflicher Stress verderben den Spass am Sex, als Lust- aber auch als Erektionskiller.

Ist beruflicher Stress der natürliche Feind der Sexualität?

Da gibt es einen eindeutigen Zusammenhang. Stress kann buchstäblich schlapp machen. Warum bei Männern, die Stress im Beruf haben, weniger im Bett läuft, das ist sogar biochemisch zu erklären. Im Blut zirkulierende Stresshormone verengen Blutgefäße, auch die zum Penis natürlich. Die für eine Erektion bedeutsame Vergrößerung der Schwellkörper im Penis ist erschwert und eine Erektionsstörung die mögliche Folge. Zwar steht das Ausleben unserer Sexualität unter willentlicher Kontrolle des Gehirns, aber die Sexualfunktionen werden durch das vegetative Nervensystem gesteuert und sind so störanfällig durch Krankheiten, Stress, Ängste, Meinungen und Stimmungen.

Welche Störquellen überwiegen denn in Ihren Sprechstunden?

Die meisten Erektionsprobleme – 90 Prozent – sind organisch bedingt, so bei einer Schädigung der Blutgefäße oder einer Diabetes-Erkrankung. Nur zehn Prozent haben einen psychogenen Ursprung.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%