Arbeitsmarkt 2016: Zahl der Jobsucher auf Rekordtief

Arbeitsmarkt 2016: Zahl der Jobsucher auf Rekordtief

Mit einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit hat sich 2016 als ein starkes Jahr erwiesen. Für 2017 dämpft Bundesagentur-Chef Weise allerdings die Erwartungen.

In Deutschland waren 2016 so wenige Menschen arbeitslos wie seit 25 Jahren nicht mehr. Trotz Flüchtlingszuwanderung und weltwirtschaftlicher Risiken erwies sich der deutsche Arbeitsmarkt als konjunktureller Stabilitätsanker. „2016 war ein starkes Jahr für den Arbeitsmarkt, besser als 2015 und besser als wir erwartet haben“, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Dienstag in Nürnberg. Zugleich dämpfte er die Erwartungen für 2017: „Nach dem guten Jahr 2016 haben wir das Ziel, das Gute zu wiederholen.“ Angesichts der bereits historisch niedrigen Arbeitslosigkeit wäre es schon ein Erfolg, wenn diese nicht steigen würde.

Mit durchschnittlich 2,691 Millionen sei die Zahl der Erwerbslosen auf den niedrigsten Stand seit einem Vierteljahrhundert gesunken, berichtete die BA in ihrer Jahresbilanz. Dies seien 104.000 weniger Menschen ohne Job als im Jahr davor. Abermals gesunken ist auch die Jahresarbeitslosenquote, sie ging um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent zurück. Profitiert habe der Arbeitsmarkt 2016 sowohl von der guten Binnenkonjunktur als auch vom starken Export, sagte Weise.

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Robust zeigte sich der deutsche Arbeitsmarkt auch zuletzt im Dezember: Zwar stieg die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen witterungsbedingt um 36 000 auf 2,568 Millionen. Der Anstieg lag aber unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr gab es in Deutschland zum Jahresende 113.000 weniger Jobsucher. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkt auf 5,8 Prozent.

Arbeitsmarkt 2017 Job gefällig? Ab nach Berlin

Wer in der Finanzbranche einen neuen Job sucht, hat 2017 gute Karten. Die Unternehmen suchen neue Leute. Allerdings eher in Berlin, als in Frankfurt. Auch in anderen Branchen und Regionen sieht es für Jobsuchende gut aus.

ILLUSTRATION - Ein Mitarbeiter einer Firma für Zeitarbeit hält am 19.09.2012 einen Zettel mit der Aufschrift «Job gefällig?» in Husum (Schleswig-Holstein). Foto: Christian Charisius/dpa (zu dpa "Der Mitarbeiter als Headhunter" vom 06.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Zählt man allerdings auch jene Jobsucher hinzu, die derzeit Aus- und Fortbildungsmaßnamen absolvieren und daher in der offiziellen Arbeitslosenstatistik nicht auftauchen, gab es im Dezember 3,565 Millionen Menschen ohne Arbeit. Die sogenannte Unterbeschäftigung war zuletzt durch die steigende Zahl erwerbsloser Flüchtlinge, die derzeit noch an Sprach- und Eingliederungskursen teilnehmen, spürbar gestiegen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigte sich in ihrem Ausblick am Dienstag dennoch zuversichtlich: „Es spricht viel dafür, dass der Arbeitsmarkt auch im neuen Jahr aufnahmefähig und der Schwung erhalten bleibt“, heißt es in einer Erklärung der Ministerin. Zwar wirkten sich die Wintermonate Januar und Februar dämpfend aus. „Aber die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt ungebrochen, sie steigt zum Jahresende nochmals an und liegt deutlich über dem Vorjahr“, betonte Nahles.

Erneut leicht gestiegen ist die Zahl der Flüchtlinge, die auf eine Arbeit hoffen. Insgesamt waren im Dezember 425.000 als arbeitssuchend registriert, 164.000 davon galten als arbeitslos. Ihre Zahl ist binnen eines Jahres um gut 60 000 gestiegen. Zugleich finden aber auch immer mehr Flüchtlinge eine Arbeit. Im Oktober 2016 hatten zuletzt 123.0000 Menschen aus acht Asylherkunftsländern außerhalb Europas einen sozialversicherungspflichtigen Job - 37 000 mehr als im Oktober 2015.

Sechs Tipps für Jobsucher

  • 1. Konkret schlägt Allgemein

    Nicht nach Jobs im "kaufmännischen Bereich" suchen, sondern die exakten Berufsbezeichnungen benutzen, zum Beispiel Industriekaufmann oder Controller.

  • 2. Verschiedene Berufsbezeichnungen testen

    Der Controller kann auch unter Finanzbuchhalter laufen, der Key-Account-Manager heißt mitunter Großkundenbetreuer.

  • 3. Profile anlegen

    Auf den meisten Portalen können Jobsucher kostenlose Profile mit ihrem Lebenslauf anlegen. Das ist zwar mühsam und erfordert regelmäßige Aktualisierungen – doch dadurch landen sie in einem Bewerberpool, auf den die Unternehmen zugreifen.

  • 4. Angebote abonnieren

    Suchkriterien lassen sich speichern, so bekommen Jobsuchende passende Jobangebote auf ihr Smartphone geschickt. Laut Crosspro-Umfrage machen das derzeit allerdings nur 0,6 Prozent aller Bewerber.

  • 5. Donnerstags suchen

    Laut Crosspro-Studie sind kurz vor Ende der Woche die wenigsten Arbeitnehmer in den Jobbörsen unterwegs.

  • 6. Breit streuen

    Neben den spezialisierten Jobbörsen sollten Bewerber auch bei den Branchenführern nachgucken – sowie regelmäßig auf den Seiten der Unternehmen. Denn dort veröffentlichen sie viele Stellen zuerst.

Nicht mehr ganz so rasant wie in der ersten Jahreshälfte 2016 stieg zuletzt die Zahl der Erwerbstätigen. Mit 43,82 Millionen lag sie im November nur noch um 297 000 höher als vor einem Jahr. Dasselbe gilt für die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze: Ihre Zahl lag nach Hochrechnungen der Bundesagentur im Oktober bei 31,73 Millionen - und damit nur noch um 363 000 höher als vor einem Jahr. Im Juni 2016 hatte der entsprechende Zuwachs noch bei 602 000 gelegen.

Forderungen des Bunds der Steuerzahler nach einer Senkung der Arbeitslosenbeiträge wies Weise derweil zurück. Er erinnerte dabei an die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2009 und 2010. „Damals haben wir ohne Steuer- und Beitragsmittel rund 17 Milliarden Euro aus den BA-Rücklagen gegen die Krise geschoben“, sagte Weise. Mit dem Geld seien damals Kurzarbeitergeldprogramme finanziert worden, um Entlassungen im größeren Stil zu verhindern. „Daher stellt sich für mich momentan nicht die Frage, jetzt das Geld zu verteilen.“

Die Bundesagentur hatte im Jahr 2016 erneut einen größeren Überschuss erwirtschaftet und damit ihre Rücklagen auf mehr als 11 Milliarden Euro erhöht. Der Bund der Steuerzahler hatte sich daraufhin dafür ausgesprochen, den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung von derzeit 3,0 auf 2,5 Prozent zu senken. Für eine Beitragssenkung hatten sich auch der Freiburger Ökonom und „Wirtschaftsweise“ Lars Feld und der Vizechef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Michael Fuchs, ausgesprochen.

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