Arbeitsmarkt: Jeder Vierte arbeitet für Niedriglohn

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Arbeitsmarkt: Jeder Vierte arbeitet für Niedriglohn

Fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland verdienen weniger als 9,14 Euro pro Stunde. Das Risiko abzurutschen, hat sich im Vergleich zu 2001 für viele erhöht, wie der Report des Instituts Arbeit und Qualifikation feststellt.

Trotz guter Marktlage arbeiteten im Jahr 2011 knapp 8,1 Millionen Beschäftigte in Deutschland für weniger als 9,14 Euro pro Stunde. Dieser Wert gilt als bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle. Das ist fast jeder Vierte (23,9 Prozent). Die durchschnittlichen Bruttostundensätze im Niedriglohnsektor liegen mit 6,46 Euro in West- und 6,21 Euro in Ostdeutschland außerdem weit unter dieser Schwelle, wie der aktuelle Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) zeigt. Für weniger als 8,50 Euro pro Stunde arbeiteten knapp 7 Millionen, also jeder Fünfte. Fast 3 Millionen Beschäftigte verdienten im Jahr 2011 weniger als 6 Euro pro Stunde, bundesweit sind das 8,7 Prozent.

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Selbst von den Vollzeitbeschäftigten hätte gut jeder Achte (2,75 Millionen) bei Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro Anspruch auf eine Erhöhung. Im Vergleich zu 2001 hat sich das Niedriglohnrisiko auch für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung und für Vollzeitbeschäftigte erhöht. Besonders stark ist es gestiegen für Ausländer, Männer, befristet Beschäftigte sowie unter 25-Jährige.
Bei Minijobbern ist Niedriglohn die Regel: 71,2 Prozent von ihnen arbeiteten 2011 für weniger als 9,14 Euro. Sie stellen mit 36 Prozent auch einen beachtlichen Anteil aller Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland. Auch bei Arbeitnehmerrechten werden viele Beschäftigte in Minijobs, so der Report des IAQ, benachteiligt: Oftmals gibt es Geld nur für tatsächlich geleistete Arbeitsstunden, während bei Urlaub, Krankheit und Feiertagen keine Lohnfortzahlung gewährt wird. „Offenbar werden die Sonderregelungen für Minijobs im Sozialrecht nicht selten dazu missbraucht, den Beschäftigten rechtswidrig auch grundlegende Arbeitnehmerrechte vorzuenthalten“, kritisiert Claudia Weinkopf, stellvertretende Direktorin des IAQ. „Gerade für Frauen erweisen sich Minijobs häufig als Sackgasse, der Übergang in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gelingt nur wenigen.“

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Die IAQ-Arbeitsmarktforscher fordern daher einen gesetzlichen Mindestlohn als verbindliche Untergrenze, die in keiner Branche unterschritten werden dürfte und für alle Beschäftigtengruppen gelten müsste. Sie kritisieren, dass die Absichtserklärungen der Regierungsparteien ausdrücklich keinen bundeseinheitlichen Mindestlohn vorsähen, sondern viele – nach Branchen und Regionen differenzierte – Lohnuntergrenzen, was deren Durchsetzung und Überprüfung erheblich erschweren würde.
Angesichts der hohen Niedriglohnanteile in Minijobs und der Hinweise auf zahlreiche weitere Benachteiligungen sollten außerdem auch die Sonderregelungen für Minijobs überprüft werden. „Eine Abschaffung der Minijobs könnte einen zusätzlichen Beitrag dazu leisten, den Umfang des Niedriglohnsektors wirksam zu begrenzen“, so Claudia Weinkopf.

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