
Doch nicht nur der Verlust an Humankapital ist ein Problem für die Volkswirtschaft. Wer sich über Jahre hinweg mit befristeten Jobs durchschlagen muss, hält sein Geld lieber zusammen, als es auszugeben. Die Gesellschaft für Konsumforschung schätzt, dass von Arbeitslosigkeit bedrohte Haushalte rund zehn Prozent weniger konsumieren als jene mit sicheren Einkommen. Und schließlich drohen auch Qualitätsverluste bei der Arbeit. „Bei befristeten Beschäftigungsverhältnissen schleicht sich oft eine Legionärsmentalität ein“, warnt Walter Bungard, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Mannheim. Der Mitarbeiter sei weniger loyal, das Engagement sinke.
Wer beispielsweise an einer Hochschule eine Vorlesung nur ein oder zwei Semester halten darf, hat weder einen Anreiz für gehaltvolle Vorträge noch ausreichend Gelegenheit, didaktische Mängel beim nächsten Mal abzustellen. Der ständige Kampf um einen Anschlussvertrag kostet zudem Zeit und Nerven. „Und wenn ein Mitarbeiter ein Unternehmen verlässt, geht auch immer Erfahrungswissen verloren. Die Einarbeitungszeit für neue Leute ist oft lang“, sagt Psychologe Bungard.
Besser als gar kein Job
Aber es gibt auch die andere Seite. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bietet die befristete Jobs für Arbeitgeber ein ökonomisches Ventil, das ihnen einen flexiblen Personaleinsatz erlaubt. Ein Job mit Verfallsdatum ist besser als gar keiner, und für viele Arbeitnehmer bietet er ein Sprungbrett in eine dauerhafte Anstellung: Immerhin fast die Hälfte aller befristeten Arbeitsverträge sind im vergangenen Jahr nach deren Ende „entfristet“ worden.
Ob eine Anstellung auf Zeit zu einer dauerhaften wird, hängt davon ab, wie das Unternehmen die befristete Beschäftigung nutzt. Für Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe dient die Befristung gern als verlängerte Probezeit, weiß IAB-Forscher Walwei, dort sei die Übernahmequote überdurchschnittlich. Im öffentlichen Dienst hingegen wird die Anstellung auf Zeit genutzt, um auf Arbeitsschwankungen flexibel zu reagieren. „Den Mitarbeitern wird dort im Vergleich zur Privatwirtschaft nur sehr selten gekündigt, wenn jemand einmal unbefristet angestellt ist, bleibt er auch auf der Stelle,“ erklärt Christian Hohendanner vom IAB. Deshalb sei die befristete Beschäftigung das einzige flexible Instrument, was die Arbeitgeber dort zur Verfügung haben. Und das nutzen sie auch: Nach den aktuellsten Auswertungen waren 2006 67 Prozent aller Neueinstellungen in der öffentlichen Verwaltung befristet. Dagegen wurden dort nur weniger als ein Viertel der Mitarbeiter mit befristeten Verträgen in unbefristete übernommen.
Die Lage für Hochqualifizierte könnte sich als Folge des demografischen Wandels künftig etwas entspannen. „Es wird künftig immer schwieriger für die Unternehmen, Fachkräfte zu bekommen und zu halten“, sagt Walwei. Sie müssten deshalb entsprechend reagieren – und den begehrten Arbeitskräften stabilere Verhältnisse bieten als heute. Darauf hofft auch Steffen Helke. Er hat genug von der Wissenschaft – und will demnächst in der privaten Wirtschaft nach einem dauerhaften Job suchen.














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Alle Kommentare lesen29.09.2010, 20:49 UhrAnonymer Benutzer: arribaldi
...an sich ist dem Resumé von Häfar Schmidt (s.beitrag) nichts hinzuzufügen, Es stimmt alles.
Komme gerade von einem Gespräch mit einem promovierten ingenieur aus der Nano-Technik. Für teures Geld an der Uni hochgepäppelt und spezialisiert, hat er nach mehreren Anläufen keine adäquate Position gefunden. Jetzt geht er nach Kalifornien. Die werden sich freuen, denn es erspart ihnen jahrelange teure Grundlagenforschung. ich hatte gehofft, dass die Zeiten des
einmal vorbei seien...
Vor dem gleichen institut in P. drücken sich die Chinesen die Nase platt. bekannt ist dort eine Spitzelei und Spionagetätigkeit sondersgleichen. Jetzt brauchen sie es nicht mehr. Haben wir nicht ein Minsiterium , das sich 'mal darüber Gedanken machen sollte?
04.09.2010, 11:08 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt
@Mariposa: Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Seilschaft vs. Leistung. Auch ich habe seit Jahren den Eindruck, dass Leistung immer weniger zählt. Das betrifft vor allem Angestelltenverhältnisse in Großkonzernen, ist aber ein allgemeiner Trend.
Die Abkopplung von Leistung und Vergütung nimmt immer erstaunlichere Formen an. Die Dinge hängen zusammen:
- Geiz ist geil
- Einkauf in Großkonzernen ist abgekoppelt von Leistung (es gibt lediglich dümmliche, generische Leistungsklassen und Preisvorgaben)
- Aufstieg sozialer Netzwerke im internet
- 68er Lehrer an unseren Schulen
- Staatsquote
- irrationale Volksglauben (Umweltschutzhysterien, bioobsessionen, etc.)
- "for-free" - Mentalität (Opensource ist ein beispiel, aber auch werbefinanzierte Angebote und soziale Netzwerke, die man für den Preis seiner Privatsphäre kostenlos nutzt).
Das ist ein Umfeld, in dem Leistungsorientierung nicht wirklich gedeihen kann.
04.09.2010, 02:25 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa
@Haegar Schmidt, insider: ich habe ueber 30 Jahre als Fuehrungskraft in einem deutschen Konzern hinter mir und somit auch tiefen Einblick in die "Personalarbeit". Verglichen mit meiner Situation in den 70er Jahren ist der berufseinstieg fuer junge Akademiker heute viel schwieriger geworden. ich erinnere mich noch an all die Runden mit dem Personalbereich wo man auf neue bezahlrunden eingeschworen wurde, alles sollte damit einfacher werden, vielfach wurden insbesondere die Einstiegsgehaelter und die aussertariflichen Gehaltssteigerungen gedeckelt. besonders ingenieuren sagte man, dass eigentlich viel zu viele davon an bord waeren. Eines haben sie noch vergessen. Der Faktor Vitamin b nimmt wieder zu. Netzwerke, Seilschaften etc. feierten in den letzten Jahren zunehmend froehlich Urstaende. Da wundert es nicht, wenn ein Jungakademiker trotz bester benotungen (und auch sonst alles richtig gemacht) auch nach 200 bewerbungen noch keinen adaequaten Job findet. Der hat sich wahrscheinlich zu sehr auf sein Studium konzentriert oder kam aus dem falschen Elternhaus.