Kommentare zu: Teure Joblegionäre

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18 Kommentare
  • 31.08.2010, 19:37 UhrAnonymer Benutzer: berliner

    Mal wieder ein typisches beispiel dafür, wie unerfüllte persönliche Ansprüche zu einem allgemeinen "Problem" stilisiert werden. Ein promovierter informatiker, der keinen festen Job bekommt ? Ja, sowas gibt es tatsächlich. Aber nur bei Leuten, die unbedingt in einer Gegend bleiben wollen, in der wirtschaftlich tote Hose herrscht - wie in berlin. Wenn sich der Mann in den Süden oder Westen der Republik verabschiedet hätte, hätte er längst seinen unbefristeten Vertrag.

  • 31.08.2010, 20:58 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Die ganze Situation sehe ich genau umgekehrt. Wir erleben einen erheblichen Umbruch in der Unternehmenskultur. Die Linienmentalität ist veraltet und rückwärtsgewandt; man arbeitet inzwischen immer stärker projektorientiert. Gut ausgebildete Akademiker werden immer häufiger als freie Mitarbeiter tätig sein und so ihre eigenen Chefs werden. Manche davon werden anschließend Firmen gründen und erfolgreiche Unternehmer werden.

    Diesen Trend sollte man entschieden unterstützen. Abschaffung einiger Hirngespinste wie Scheinselbständigkeit oder KFZ-1%-Regelung wären ein guter Anfang. Denn es handelt sich dabei um eine große Zukunftschance für die gesamte Volkswirtschaft, die so flexibler, ehrlicher und schlagkräftiger werden kann.

    Es bringt nicht viel, der guten, alten beamtengemütlichkeit nachzutrauern. Die lebenslange Anstellung kommt nie wieder (außer im beamtensegment, das man dringend abschaffen muss).

    im Übrigen: der Soli gehört ebenfalls abgeschafft.

  • 31.08.2010, 22:17 UhrAnonymer Benutzer: Anonymus

    ich schreibe hier mal als Angehörige eines Akademikers mit einem zeitlich befristeten Vertrag. Wenn das schon immer so gewesen wäre, dann würde es unsere 2 Kinder nicht geben. Unser Kinder wurden geboren, als mein Mann eine unbefristete Stelle hatte. Natürlich kann auch da eine Kündigung drohen, aber bei Positionen, die schon im Voraus zeitlich begrenzt sind, hätte ich mich gegen Kinder entschieden. Es ist für eine komplette Familie kaum zumutbar im Zweijahresrhythmus mit Kind und Kegel umzuziehen. Allein die Schulsituation in Deutschland ist für Umzüge eher schwierig. Das ist auch mit ein Grund, warum Paare heute nicht mehr Kinder bekommen. Für Familie braucht man eine gewisse Sicherheit. Wir persönlich sind sehr flexibel gewesen und mehrmals dem Arbeitgeber hinterher gezogen, aber mit 2 schulpflichtigen Kindern sind die Prioritäten anders gelagert. Wir sind allerdings auch heute noch bereit den Wohnort zu wechseln, wenn es notwendig ist, aber eben nicht für eine befristete Stelle. Das Risiko liegt ja sowiese hauptsächlich bei uns. Allerdings ist es für uns auch keine Option jahrelang eine Wochenendehe zu führen, denn dann steigt die Zahl der Scheidungen noch weiter.
    Diese Problematik sollte in die ganze Situation bezüglich sinkender Geburtenraten ebenfalls einfließen.

  • 31.08.2010, 22:40 UhrAnonymer Benutzer: Georg xxxx

    Aus einer befristeten Stelle wird man auch nicht mehr fest eingestellt. Hier sind die infos der Redaktion veraltert!!!

  • 01.09.2010, 10:28 UhrAnonymer Benutzer: Akademiker, welche Richtung?

    Die Wiwo konkretisiert hier lobenswerterweise bei der Frage der Akademikerarbeitslosigkeit die Richtung und benennt beispiele aus den ingenieurswissenschaften oder der Medizin. Ob das wirklich repräsentativ ist, mag dahingestellt sein.

    Richtig ist allerdings, daß das Hin- und Herschubsen dieser Leistungsträger für jedes Unternehmen der erste Schritt in den Abgrund ist. Andererseits sind in der Medizin die Assistenzstellen nach dem Studium doch der Regelfall. Dafür bekommt jeder Absolvent - ob gut oder weniger gut - eine sehr leicht zu erreichende Promotion, natürlich auf einer kleinen Stelle.

    Völlig anders sieht es z.b. bei den ingenieurswissenschaften sowie bei Physik und Mathematik aus: Diese Promotion ist hammerhart schwierig und dauert ca. 4-8 Jahre! Hier bekommen nur die besten 5-10% eine Promotionsmöglichkeit - ungerechterweise auf schlecht bezahlten, befristeten Stellen. Das ganze zahlt sich dann aber meist in deutlich besseren berufschancen aus.

    Allgemein ist es so, daß alle Absolventen aus den wertschöpfenden Wissenschaften auch mit durchschnittlichem Zeugnis eine Einstiegsstelle finden können, wenn sie örtlich etwas flexibel sind. Das extrem üble, spätere Herumschubsen ist leider gewollt, weil es familienschädigend ist und so die Geburtenrate senkt. Hier muß man mit Kindern beinhart gegenhalten. Das geht.

    Viele andere „Akademiker“, die keine Stelle finden, haben Faust i (Goethe) vergessen: „Der gute Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges stets bewußt.“ Sie wußten also ganz genau, daß der rechte Weg der schwierige (theologisch: der breite) Weg ist und daß Soziologie, Museumspädagogik etc. der andere (theolog.: der schmale Weg) ist, der oft im Abgrund (theolog.: Hölle) endet. Das steht schon im alten Testament.

  • 01.09.2010, 10:57 UhrAnonymer Benutzer: Ergänzung: Akademiker, welche Richtung?

    @ anonymous

    Sie treffen den Kern des gewollten Übels. Wir haben ein Herumschubsen von Akademikern. bis zu 10 Umzüge im Leben sind keine Seltenheit. Der Nichtakademiker/Arbeiter darf dagegen durch seine DDR2.0-Gewerkschaft geschützt am Geburtsort in seinem Familienkreis bis zum Tode wohnen bleiben, ob er arbeitet oder arbeitslos ist. Umzug ist nicht vorgesehen.

    Das ist die allergrößte Ungerechtigkeit in unserem System.

    in der DDR1.0 hatten diese Leute auch alle Vorteile: Der Arzt verdiente 700 DM, der Arbeiter natürlich mehr und der besondere Arbeiter natürlich deutlich mehr. Der Vopo (gerne dumm und nur mit 4 Jahren Schule, damit er nicht denken kann), bekam natürlich das Dreifache. Solche Typen zeigt rbb in alten DDR-Streifen.

    Dennoch kann man sich auch hier durchschlagen, und ihre zwei Kinder sind mehr wert als alles Geld der Welt. bei der ewigen Frage, ist es 1) besser dumm zu sein mit einigen scheinbaren Vorteilen oder 2) intelligent mit einigen extrem ärgerlichen Nachteilen, ist Lösung 2) seit Menschengedenken die richtige Wahl. Schulwechsel für Kinder sind zwar schwierig, dürfen aber nicht wegen ‚Freunden’ ausgeschlossen werden, denn die meisten Schulfreunde sind heute wegen Gruppenzwang eher eine extreme Gefahr (Flausen im Kopf, Rauschgift etc.). Wenn die Kinder 13-16 sind, dann ist ein Wechsel oft sogar konstruktiv. Dennoch ist das alles ungerecht.

  • 01.09.2010, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: fn755

    Ach, das gelobte Ausland. Mag sein, dass man in Österreich oder der Schweiz eher eine gute bezahlte und unbefristete Anstellung bekommt. Dafür kann dort der Arbeitnehmer jederzeit und ohne Nennung von Gründen unter beachtung einer bestimmten Frist entlassen werden. ist das wirklich so viel besser als eine befristung in Deutschland? Vielleicht sollten wir mal über unseren Kündigungsschutz nachdenken? Das würde das Problem der befristung garantiert entspannen. Aber dann würden sich die selben Leute wieder über zu große Unsicherheit beschweren. ich frage mich bloß, warum diese Leute dies im Ausland klaglos akzeptieren.

  • 01.09.2010, 21:09 UhrAnonymer Benutzer: Betroffener

    Tja, so wie die Wirtschaftswoche es darstellt ist es nunmal wirklich. befristete Verträge sind auch für Akademiker der Alltag geworden. Nur die aller - aller besten bekommen vielleicht einen Festvertrag. Es lebe der ausgehebelte Kündigungsschutz..den wer befristet angestellt ist, den muss ich auch nicht rausschmeißen - da kann man leichter und ungezwungener unternehmerische Entscheidungen treffen....ich muss schließlich nicht mehr einkalkulieren wieviel Leute ich rausschmeißen, also auch abfinden muss...denn auch das wird bei Übernahmen oder unternehmerischen Fehlentscheidungen sehr teuer!Meine Mitarbeiter haben schließlich eine begrenzte Halbwertszeit und lassen sich auch viel besser Herumschubsen - dennnn sie wollen eine Festanstellung...die sie natürlich NiCHT kriegen (ach ja und nach zweimaliger Verlängerung ist Schluß...sonst hab ich da als Unternehmer ein arbeitsrechtliches Problem...). So siehts aus in Deutschland - rette sich wer kann ins Ausland - man ist doch bekloppt, wenn man für so eine behandlung durch Politik und Unternehmen + die Arbeitnehmerverbände noch Einkommenssteuern abdrückt...Wofür sitzt man sich in Uni bibliotheken den A..platt macht die noch so beklopptesten Studentenjob um sein Studium zu finanzieren, nur um dann zum bodensatz zu zählen..."ja und dafür hast Du studiert...". Ab ins Ausland lautet die Devise - soll der Rest doch das Sozialsystem + die versprekulierten banken mit ihren Steuern stützen - als Akademiker - so vermittelt es einem die Gesellschaft ist man nunmal das 5te Rad am Wagen. Ab zur ARGE wenn gar nix mehr geht...

  • 02.09.2010, 01:01 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa

    Gegen die Entwicklung der projektartigen und damit zeitlich befristeten Zusammenarbeit kann man sich wohl nicht stemmen. Hat man sich darauf eingestellt kann es auch Vorteile haben wie z.b. groessere Unabhaengigkeit (nicht finanziell natuerlich). Aber wie im Artikel richtig beschrieben wird, aendert sich damit natuerlich die Einstellung der Arbeitnehmer und auch der Akademiker. Das will man nicht gerne wahr haben in Politik und Wirtschaft. Wenn ich aber ein "Freelancer" bin, dann mache ich das wofuer ich engagiert wurde und das ist es dann auch. Einbringen in das Unternehmen, unternehmerisches handeln auch als Angestellter entfaellt dann eben. ich sehe dies hier in den USA. Auch Akademiker machen hier ihren Job und nicht mehr. Nur hier erwartet man auch kein anderes Verhalten. Das ist eben das Schizophrene in Deutschland oder einfach auch nur die Unehrlichkeit indem man den Leuten etwas vorgaukelt, aber vollkommen anders handelt. Hinterher ist man erstaunt, dass ich die Menschen den veraenderten Verhaeltnissen anpassen und gibt hiezu zunaechst einem institut den Untersuchungsauftrag warum das denn so sei.

  • 02.09.2010, 11:56 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    @Mariposa: Sie sagen: "Einbringen in das Unternehmen, unternehmerisches handeln auch als Angestellter entfaellt dann eben." interessant. Mir fällt auf, dass man viel über "unternehmerisches Denken" bei den Angestellten redet. Man redet über solche Dinge nicht, weil dies Alltag wäre - sondern weil dieses "unternehmerische Denken" nicht vorhanden ist, nie vorhanden war, und nie vorhanden sein wird.

    Das hört sich etwas dramatisch an, aber ich lasse mich doch nicht anstellen, um unternehmerisches Risiko zu tragen? Aber: no risk, no fun (no pain - no gain hört sich noch zutreffender an). Ohne Risikobereitschaft wird niemand unternehmerisch denken, denn das Wesen des Unternehmertums ist nun mal, teils erhebliche Risiken einzugehen (auch eine Erklärung, warum staatsnahe Konzerne ganz sicher keine Unternehmen sind).

    Führung im Unternehmen hat nichts damit zu tun, aus seinen Mitarbeitern Mitunternehmer zu machen. Das wird aus offensichtlichen Gründen nie gelingen, und ist nichts als McKinsey-bS in Reinform.

    Auch deshalb ist der Trend zu einer projektorientierten Arbeit ehrlicher, effektiver und nicht aufzuhalten (außer durch Sozialismus oder sonstige Diktaturen). Das Wesen eines Projekts enthält alles, was vielen bossen in der Linie fehlt: ergebnisorientierte Arbeit, Unterordnung persönlichen Ziele dem Gesamtziel (und klare Zielsetzung überhaupt), gut definierte Aufgaben, etc.

    Kurz: Die Linie ist tot, es lebe das Projekt. Und das geht eben nur mit freien Experten; das Linienfussvolk versagt hier mit erstaunlicher Regelmäßigkeit.

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