Arbeitsverbot: Wie Flüchtlinge in Deutschland um Arbeit kämpfen

Arbeitsverbot: Wie Flüchtlinge in Deutschland um Arbeit kämpfen

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Nasir aus dem Niger arbeitet beim Übungswerkstätten-Parkour der Kampagne "arrivo" an einer Aufgabe.

Flüchtlinge in Deutschland leben im Ungewissen. Während die Politik über den Umgang mit ihnen diskutiert, wollen sie oft einfach nur arbeiten dürfen.

Als die Kugeln die Fenster zertrümmerten und im Zimmer einschlugen, drückte ihn sein Vater auf den Boden. Da war er fünf Jahre alt. Vater und Sohn überlebten. Heute ist Veaceslav 27, doch das traumatische Erlebnis aus dem Moldawienkrieg Anfang der Neunziger Jahre wirkt nach.

Die Bedingungen zur Verarbeitung sind ungünstig. Über seinen Vater daheim macht sich Veaceslav Sorgen. Er werde in Moldawien bedroht. Der Sohn ist 1500 Kilometer entfernt in Berlin und weiß nicht, ob und wie es für ihn in Deutschland weitergeht. Veaceslav ist einer von Hunderttausenden Flüchtlingen, die eine reguläre Ausbildung oder Arbeit in Deutschland anstreben - aber riesige Hürden zu überwinden haben.

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Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Veaceslav hat seinen Schnupperkurs im Maler- und Lackiererhandwerk unterbrochen, um seine Geschichte zu erzählen. Er hat volle, weiche Gesichtszüge und spricht so leise, dass man nah an ihn heranrücken muss, um ihn zu verstehen. Er ist der einzige Osteuropäer in dem Kurs in einer mehr als 100 Jahre alten ehemaligen Fabrik für Rohrpostanlagen nahe der Stadtautobahn. Die anderen jungen Männer kommen etwa aus Nigeria, Mali oder dem Libanon. Jeder hier hat eine Übungswand zum Bemalen. Ein Meister in weißem Kittel gibt freundlich, aber bestimmt Anweisungen.

Mit feinen Strichen hat Veaceslav eckige Umrisse gezeichnet, sie stehen für einzelne Länder. Deutschland sieht aus wie ein dickes, einladendes Schiff. Als nächstes kommen Farben dazu. „Es soll biergelb werden“, sagt Veaceslav. Was hat der junge Mann für Pläne? Seine Zeit in Deutschland ist bisher ein Leben auf Probe. Sein Asylantrag wurde in erster Instanz abgelehnt - aber er hofft, doch noch Asyl zu bekommen oder auf anderer Grundlage bleiben zu dürfen.

Deutsch hat Veaceslav schon in der Schule gelernt. Das ist - anders als bei vielen anderen Flüchtlingen - nicht das Problem. Das von der Handwerkskammer mitbetriebene Projekt zum Kennenlernen verschiedener Berufe hat ihn beeindruckt, auch ein Kurs für Maschinenbau. Betriebe gäbe es genug, die junge Flüchtlinge mit Fähigkeiten ausbilden möchten. Und Veaceslav möchte gern arbeiten - auch wegen der dunklen Schatten der Vergangenheit und seiner Sorgen um die Familie. „Wenn ich arbeite, denke ich darüber nicht nach“, sagt er. „Wenn ich darüber nachdenke, werde ich verrückt.“

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