Arbeitswelt: Die Lüge von den unzufriedenen Eltern

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Arbeitswelt: Die Lüge von den unzufriedenen Eltern

von Ferdinand Knauß

Kinder machen nicht zufrieden, zumindest nicht immer, behaupten Sozialforscher. Das ist Unsinn. Denn nicht die Elternschaft, sondern der arbeitsbedingte Verzicht auf Zeit mit ihren Kindern setzt Mütter und Väter unter Stress.

Die Frage, warum die Europäer und vor allem die Deutschen so wenige Kinder kriegen, was also die tiefere Ursache für die demografische Katastrophe ist, beschäftigt Sozialwissenschaftler, Umfrageinstitute und Psychologen. Viele potenzielle Eltern, so etwa das Ergebnis einer Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, wollen „lieber frei und unabhängig bleiben“, Kinder „kosten zu viel Geld“ und stehen der Karriere im Wege. Und die Psychologen vom Rheingold-Institut sehen die übertriebenen, unerfüllbaren Ansprüche der Frauen an sich selbst – perfekte Kinder erziehen und gleichzeitig attraktiv und beruflich voll aktiv sein - als Grund für die „deutsche Angst vorm Kinderkriegen“

Kinder zu kriegen, da sind sich alle Forscher einig, ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Während in traditionellen patriarchischen Gesellschaften das Aussterben des eigenen Namens für die meisten Männer eine Horror-Vorstellung und Kinderlosigkeit für Frauen ein sozialer Makel war, ist die Familie mit Kindern heute nur einer von verschiedenen akzeptierten Lebensentwürfen. Und daher stellen Soziologen heute Fragen, die Jahrhunderte lang niemandem in den Sinn gekommen wären. Machen Kinder glücklich? Oder sind Paare ohne Kinder zufriedener mit ihrem Leben?

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Demografie Familie wird zum Auslaufmodell

Der demografische Wandel ist zum Gegenstand des politischen Aktionismus geworden. Währenddessen sinkt die Zahl der in Familien lebenden Deutschen immer weiter, wie eine Umfrage zeigt.

Ein Zusatzschild eines Verkehrsschildes in Berlin zeigt eine Familie mit Kinderwagen. Nicht einmal mehr die Hälfte der Einwohner Deutschlands lebt mit Eltern oder Kindern zusammen. Quelle: dpa

Viele amerikanische Studien geben darauf Antworten. Die meisten vermitteln den Eindruck, als seien Kinder ein Gut und ihre Produktion eine Arbeitsleistung, bei der man eingesetzte Ressourcen und das, was hinten rauskommt, gegeneinander aufrechnen könne. "Costs and Rewards" heißt eine von ihnen. Einige Autoren glauben ernsthaft, einen langfristig negativen Effekt von Kindern auf das Wohlbefinden ihrer Eltern feststellen zu können. Die Partnerschaft leide, Stress oder gar Depressionen seien eine Folge von Elternschaft. Damit dürfte also geklärt sein: Wer ein glückliches, stressfreies Leben will, sollte sich bloß nicht fortpflanzen.

Glücklichere Ergebnisse hat nun eine neue Studie über „Elternschaft und Lebenszufriedenheit in Deutschland“ aus dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin zu bieten. Autor Matthias Pollmann-Schult kommt darin zu dem Schluss: Kinder machen nicht immer glücklich, aber meistens. Ausgewertet wurden die Daten von knapp 4.900 Frauen und Männern zwischen 25 und 37 Jahren, die mit einem heterosexuellen Partner und gegebenenfalls ihren Kindern in einem Haushalt leben. Sie stammen von der ersten Befragungswelle des neuen Beziehungs- und Familienpanels pairfam.

Weniger zufrieden mit ihrem Leben seien Eltern im Vergleich zu kinderlosen Paaren vor allem, wenn sie einkommensschwach sind. Ein Ergebnis, das einigermaßen ratlos macht, da die Kinderzahl bei Geringverdienern bekanntlich höher ausfällt als bei Besserverdienern. Gut bis sehr gut verdienende Eltern sind dagegen glücklicher als Kinderlose.

Die Brisanz der Studie steckt aber in der Beobachtung, dass der „positive Effekt“ der Kinder auf die Zufriedenheit der Eltern mit ihrem Leben bei sehr gut verdienenden Eltern wieder abnimmt. Die Erklärung von Pollmann-Schult: „Da es sich hier oft um Doppelverdienerpaare handelt, haben diese nach der Geburt eines Kindes möglicherweise größere Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

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