Ausprobiert: Wie es sich im Privatjet reist

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Ausprobiert: Wie es sich im Privatjet reist

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WirtschaftsWoche-Redakteur Johannes Steger (rechts) unterhält sich mit Carsten Michaelis, Vize-Europa-Chef von Netjets.

Champagner statt Tomatensaft, Drei-Gänge-Menü statt Aluschale und Beinfreiheit ohne Ende: Um den Privatjet ranken sich viele Mythen. Wie fliegt es sich denn so?

Mit dem Luxus ist es ja nun einmal so: Er zeigt sich für jeden anders. Für den einen ist es der rahmengenähte Schuh, für den anderen die funkelnde Rolex-Uhr, für den Nächsten ist es die Freizeit.

Meine Definition von Luxus wartet auf dem General Aviation Terminal des Frankfurter Flughafens auf mich. Ich gehe durch die Sicherheitskontrolle, ein Bus bringt mich vom eigenen Terminal direkt zum Flugzeug, der Pilot begrüßt mich persönlich. Anschließend noch über den schwarzen Teppich flaniert, und schon sitze ich in einem Privatjet, Typ Cessna Citation Latitude.

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Mir kommt der Industrielle und Frauenheld Gunter Sachs in den Sinn. In den Sechzigerjahren prägten er und seine damalige Frau Brigitte Bardot mit ihren Reisen an die Côte d’Azur den Begriff des Jetsets. Aber auch Bilder von Thomas Middelhoff, Ex-Arcandor-Chef, der auch noch auf den Privatjet bestand, als das Unternehmen schon so gut wie zahlungsunfähig war. So ergeht es nicht nur mir.

Spätestens seit der Finanzkrise und jetfliegenden Investmentbankern hat die Branche ein Imageproblem. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Der Verband der Flugzeugproduzenten für die Allgemeine Luftfahrt (GAMA) verzeichnete Anfang 2016 einen Rückgang beim Absatz mit Businessjets um ganze 16 Prozent. Schuld daran sind auch das verschärfte chinesische Antikorruptionsgesetz, das den Mächtigen das Frönen im Luxus erschwert, die sinkende Nachfrage in den arabischen Ländern und die strikten Coorperate-Governance-Regeln vieler Unternehmen.

Privatjet spart bis zu fünf Stunden

Gerade Letzteres führt dazu, dass eben immer weniger Konzernchefs per Privatjet eingeflogen werden. „Unter unseren Kunden finden sich auch CEOs und Eigentümer mittelständischer Unternehmen“, sagt Carsten Michaelis, Vize-Europa-Chef von Netjets, einem Anbieter von Businessjets. Aha, denke ich mir: Ausgerechnet der angeblich so sparsame Mittelstand nimmt also gern mal den Jet. Die Gründe dafür sind aber wieder recht bodenständig. Die Kunden schätzen den Zeitvorteil, erklärt Michaelis.

Die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben das einmal nachgerechnet. Und tatsächlich: Laut der Studie wird der durchschnittliche Reisevorteil pro Trip auf 127 Minuten geschätzt, bei 20 Prozent der Geschäftsreiseflüge entstand sogar ein Reisezeitvorteil von über fünf Stunden. Bei Flügen zwischen den USA und Europa war die durchschnittliche Ersparnis 214 Minuten pro Flug.

Und es stimmt, normalerweise bin ich mindestens eineinhalb Stunden vor Abflug da. Das hat gute Gründe: Einen Flug nach Wien hätte ich mal beinahe verpasst, weil ich ewig hinter lauter aufgeregten Reisegruppen in der Schlange stand. Heute reichen 15 Minuten aus. Hätte ich vor Abflug noch eine Verhandlung gehabt, die sich in die Länge zieht, reicht eine Info an den Anbieter, und das Flugzeug wartet. Das Team macht einen neuen Slot mit dem Flughafen aus.

Ein weiterer Grund, der gerade den Mittelstand in den Jet lockt: Die Flugzeuge fliegen nicht auf der normalen Luftautobahn, sondern höher, da, wo sonst nur das Militär unterwegs ist. Zum einen kann der Privatjet sein Ziel deshalb auf dem direkten Weg anfliegen. Zum anderen kann er daher praktisch jeden Flughafen anfliegen, und sei er noch so klein.

Möchte beispielsweise ein Mittelständler aus der westfälischen Provinz zu einem Geschäftstermin in das osteuropäische Pendant, hat er ein Problem. Linienverbindungen vom nahe gelegenen Flughafen Paderborn? Schwierig. Mit dem Privatjet kein Problem, der fliegt auch die sogenannten „hard to reach places“ an, also Orte die infrastrukturell schlecht angebunden sind.

„Bitte anschnallen, wir starten.“ Leichter gesagt, als getan. Den Gurt suche ich für ein paar Sekunden vergebens, man merkt: Das ist neu für mich. Ich finde ihn oben rechts neben meiner Schulter, nicht wie üblich auf Hüfthöhe. Und damit nicht genug. Der Start hält eine weitere Premiere für mich bereit: Zum ersten Mal starte ich mit dem Rücken zum Himmel, mein Sitz steht „verkehrt“ herum. Anstatt in den Himmel zu blicken, schaue ich auf die Startbahn herab. Auch vom üblichen Gerumpel beim Start ist nichts zu spüren, nicht einmal mein Handy in der Hochglanzablage neben mir bewegt sich.

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