Ausstellung : Deutsche sind deutscher, als sie glauben

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Ausstellung : Deutsche sind deutscher, als sie glauben

von Christopher Schwarz

Besucher unseres Landes können beruhigt sein: Viele der Erwartungen, was "typisch deutsch" sei, stimmen. Weil wir oft deutscher sind, als wir glauben. Eine Kölner Ausstellung des Designers Rolf Sachs will das zeigen.

Im Mai 1994, kurz nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten, hielt Roman Herzog eine Rede, in der er für ein "unverkrampftes" Deutschland warb, für ein Deutschland, das seine spielerische Seite entdeckt, eine neue Leichtigkeit und Unbefangenheit, auch im Umgang mit der eigenen Geschichte.

Der präsidiale Aufruf zur nationalen Lockerung trug Früchte. Vieles mutet heute leichter, unverkrampfter als noch vor 20 Jahren an, der Kleidungsstil, die Umgangsformen, nicht zu vergessen das "schöne" Spiel der Fußballnationalmannschaft. Die schwarz-rot-goldene WM-Party von 2006 hat wie kaum ein anderes Ereignis der vergangenen Jahre dazu beigetragen, das Bild der heiteren, bunten Republik Deutschland in die Welt zu tragen. Vielleicht waren die Deutschen selbst am meisten von der Stimmung im Lande verblüfft. Entdeckten sie doch, wie angenehm es sein kann, wenn man gemocht wird und sich selber mag, mit seinen Stärken und Schwächen.

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Auch mit seinen Abgründen. Nach Jahren der Selbstkritik, ja der Selbstanklagen wenden sich vor allem jüngere Deutsche wieder ihrer kulturellen Herkunft, ihrer historisch gewordenen Eigenarten, genauer, ihrer Kollektivseele zu und entdecken dabei nicht nur „Blut und Boden“, sondern etliche Erbstücke, auf die sich ein starkes Selbstbewusstsein gründen lässt. "Die deutsche Seele", "Deutsche Tugenden", "Der deutsche Genius" oder "Die Deutschen und ihre Mythen" heißen Bestseller der vergangenen Jahre, die keine Warntafeln vor dem "deutschen Wesen" aufstellen, sondern fröhliche Aufklärung betreiben.

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Foto: Montage. dapd, dpa, Marcel Stahn, Andreas Chudowski für Wirtschaftswoche Quelle: dapd

Wenn der Designer und Künstler Rolf Sachs im Kölner Museum für angewandte Kunst (MAKK) jetzt unter dem Titel "Typisch deutsch?" 24 Objekte und Installationen präsentiert, dann weiß er den Zeitgeist auf seiner Seite. "Das Thema liegt in der Luft", findet Sachs. Der Schweizer Staatsbürger, Sohn des deutschen Industrieerben und Kunstsammlers Gunter Sachs und einer Französin, lebt mit seiner persischen Frau seit 20 Jahren in England. Selbst die Briten hätten kapiert, dass es außer "Blitzkrieg" und "Tanks" andere beachtliche Dinge gibt, die typisch deutsch sind.

Die Formel, dass typisch deutsch sei, alles typisch Deutsche peinlich zu finden, kontert Sachs, indem er das zum Klischee geronnene typisch Deutsche mit ironischem Mehrwert auflädt. So wird der deutsche Hang zur Pünktlichkeit durch eine Uhr mit Digitalanzeige symbolisiert, die neben Stunden, Minuten und Sekunden das Flirren der Millisekunden anzeigt: Die Zeit rast auch dem Pünktlichsten davon, sogar dem ausgestopften Kuckuck, der über der Anzeige auf einem Ast hockt, als warte er auf seinen Einsatz. Und der sprichwörtliche Fleiß der Deutschen gewinnt Gestalt in den Umrissen eines Gartenzwergs in Bergmannskluft: Er besteht aus Anthrazitkohle, die im nordrheinwestfälischen Ibbenbüren geschlagen wurde, ruht auf einer schwarzen Steigerjacke und wird wie eine Heiligenfigur von einer Glashaube geschützt.

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