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Bangalore: Groß bunt chaotisch

von angela.koehler@wiwo.de (Tokio)

Das indische Bangalore ist das Silicon Valley Asiens und lockt auch deutsche Gründer an. Doch wer sich auf die vibrierende Metropole einlässt, braucht gute Nerven.

Dienstags nie. Deshalb nimmt Otto Stricker lieber schon am Montagabend trotz sintflutartigen Regens und allabendlichen Verkehrswahnsinns Kurs auf sein neues Büro. Er stapft durch knöcheltiefen Schlamm und baut ungerührt von zeitweisen Stromausfällen seine Computer auf, um noch schnell ein paar potenzielle Geschäftspartner anzuschreiben. „Dienstags beginnt aus Aberglaube kein Inder ein Geschäft, er geht nicht mal zum Friseur“, sagt Stricker. Der 35-jährige Deutsche startet in Südindiens Informationstechnologie-Metropole Bangalore ein neues Unternehmen. Über die Internetseite www.oneindia.com will er in indischen Großstädten Kleinanzeigen vertreiben. „Bangalore mit seiner schnell wachsenden Mittelschicht ist der Testmarkt“, sagt er. „Hier lassen sich ausländische Business-Modelle am besten ausprobieren.“ Stricker hat sich außerdem die Rechte an der indischen Domain taxi.in gekauft. Daraus soll ein Internetdienst entstehen, mit dem der gelernte Bankkaufmann und Volkswirt in der Sechs-Millionen-Stadt einen Taxi-Service nach deutschem Vorbild und deutscher Logik aufbauen möchte. Der Bedarf ist da: Wer am Flughafen von Bangalore ein Taxi in die Innenstadt nehmen will, braucht viel Geduld und Glück, um eine Droschke zu erwischen. Strickers Konzept: „Ich werde einen Service aufziehen, bei dem man zuverlässig einen Wagen bestellen kann, der pünktlich vor der Tür steht, und der Fahrer auch die gewünschte Adresse findet.“

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Stricker ist einer der wenigen Deutschen, die den Sprung nach Bangalore gewagt haben. Größe und Potenzial des Marktes sind ebenso verlockend wie der Umstand, dass gebildete Inder Englisch sprechen und auch die meisten Internetseiten englischsprachig sind. Weiterer Vorteil: Die noch immer extrem günstigen Produktionskosten. „Wenn ein Unternehmer eine gute technische Idee hat, kann er das Produkt zu 10 bis 20 Prozent der deutschen Kosten fertigen lassen“, sagt Stricker. Und ergänzt: „Man muss sich allerdings beeilen, die ganz billigen Zeiten sind in Boom-Bangalore sehr bald vorbei.“ Die wegen ihrer klimatischen Frische und üppigen Gärten beliebte Metropole des Bundesstaates Karnataka ist dem Ansturm in- und ausländischer Computerexperten schon jetzt nicht mehr gewachsen. Im „Dorf der gekochten Bohnen“, wie Bangalore in der Landessprache heißt, sind die Hotels inzwischen so teuer wie in den noblen Metropolen dieser Welt. 400 Euro plus 20 Prozent Luxussteuer für ein Standard-Fünf-Sterne-Zimmer sind normal. Noch dazu sind die Edelherbergen fast immer ausgebucht. Preiswertere Zimmer fallen meist unter die Kategorie unzumutbar. Auch die meisten Flüge sind hoffnungslos überbucht. Alle wollen in die „hottest city of India“: Die einheimischen Top-Technologie-Anbieter Infosys, Wipro, Tata, Sasken und HCL sind hier genauso vertreten wie die IT-Multis Microsoft, Yahoo, Apple, Dell und Intel. Der deutsche Softwareproduzent SAP stellte vor zwei Jahren ein modernes Labor in Bangalore fertig, beschäftigt dort heute 2000 Leute und baut an neuen Einrichtungen für weitere 1300 Mitarbeiter. Auf fast 400.000 wird die Zahl der IT-Spezialisten im Silicon Valley Asiens insgesamt geschätzt. Das ganze Land ist im IT-Rausch. Indiens jährliche Softwareexporte haben sich praktisch aus dem Nichts innerhalb einer Dekade auf 15 Milliarden Dollar gesteigert. Die Unternehmensberatung McKinsey prognostiziert, dass es 2008 bereits 87 Milliarden sein werden. Die optimistischen Erwartungen decken sich mit aktuellen Ankündigungen vieler IT-Giganten: Microsoft will 1,7 Milliarden Dollar auf dem Subkontinent investieren, 3000 neue Arbeitsplätze sollen so entstehen. Intel plant in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Höhe von einer Milliarde Dollar, Cisco Systems will in den kommenden drei Jahren 1,1 Milliarden Dollar in Indien investieren.

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