Wer nach einer Tagesmutter sucht, sollte das rechtzeitig vor der Rückkehr in den Job tun. Zum einen kann die Recherche Monate dauern, zum anderen brauchen die Kleinen oft zwei bis vier Wochen, um sich stundenweise und anschließend ohne Mami an die neue Bezugsperson zu gewöhnen.
Stefanie Grause, 38, hat die nervenzehrende Suche am eigenen Leib erlebt. Seit Oktober 2007 arbeitet die Mutter des damals gut zweijährigen Carmine Luca wieder Vollzeit als Kreditanalystin beim Bankhaus Lampe in Düsseldorf. Monate vor dem Wiedereinstieg stiefelte sie von einer Einrichtung zur nächsten. Überall Fehlanzeige: „Alle Kitas im Umkreis schlossen entweder am frühen Nachmittag, hatten lange Wartelisten oder nahmen nur noch Geschwisterkinder auf.“
Sie hakte dieses Kapitel ab und suchte unter steigendem Zeitdruck nach einer Tagesmutter. Es endete trotz erster Sympathie in beidseitiger Enttäuschung. „Die junge Frau betreute insgesamt vier kleine Kinder, und wir hatten das Gefühl nach der Eingewöhnungszeit, unser kleiner Sohn bekam zu wenig Zuwendung. Zudem fühlte ich mich ihr in meiner Abhängigkeit als berufstätige Mutter völlig ausgeliefert“, so die Analystin.
Ab Mitte August wird Luca in den privaten Kindergarten Mobile in Düsseldorf stiefeln. Dafür zahlen die Eltern 795 Euro im Monat, nach dem dritten Geburtstag dann 695 Euro. In anderen privaten Einrichtungen sind es oft mehr als 1000 Euro.
Aber nur maximal 4000 Euro jährlich können Eltern als Betreuungskosten jeglicher Art von der Steuer absetzen.
Stefanie Grause ermöglicht diese Lösung, in Ruhe zu arbeiten. Und ihr Chef im Bankhaus Lampe weiß ihren Einsatz zu schätzen: „Im Gegenzug ist er flexibel, wenn es bei mir mal brennt“, sagt Grause. Ein weises Arrangement: Gerade Mütter versuchen 130 Prozent zu arbeiten, um dem Verdacht entgegenzuwirken, nicht mehr so belastbar wie früher zu sein.
Oder doch drei Jahre Elternzeit? Wäre es nicht einfacher, wenn Frauen sich selbst und ihrem Kind die Mühsal der Kinderbetreuung ersparen, die volle Elternzeit von drei Jahren daheim bleiben und dann einen garantierten Kindergartenplatz in Anspruch nehmen?
Hier warnen Arbeitsmarktkenner unisono. So hart es klingt: Frauen riskieren damit ihre Karriere „und schaffen sich zwei neue Probleme“, sagt zum Beispiel Eike Ostendorf-Servissoglou vom Verband berufstätiger Mütter. „Zum einen entfernen sie sich mental weit von ihrem Beruf, sodass die psychologische Hürde vor dem Wiedereinstieg besonders hoch liegt – erst recht, wenn sie für zwei Kinder hintereinander bis zu sechs Jahre Auszeit nehmen.“ Zum anderen fragt sich der Chef verständlicherweise: Wie lange lohnt es sich, der Mitarbeiterin den Posten freizuhalten? Bei Aussteigerinnen, die über drei Jahre weg sind, bezweifeln viele Chefs, dass mit ihnen überhaupt noch zu rechnen ist. Zudem muss die Stelle in der Zeit ohnehin neu besetzt werden.
Die Kreditanalystin Stefanie Grause entschied sich für den Wiedereinstieg nach zwei Jahren und ist überzeugt, dass ihr Sohn von den Anregungen und Aufgaben in seiner Kita profitiert. Doch eitel Sonnenschein herrscht auch bei ihr nicht, wenn der Kleine erkrankt, ihr Mann – von Beruf Controller – gerade am Monatsabschluss sitzt und sich ihre Arbeit in der Bank türmt. Dann fragt auch sie sich: „Wie schaffen das die Super-Powerfrauen, die drei Kinder erziehen und noch erfolgreich im Vorstand sitzen? Gehen die nie in die Knie?“
Einmal gehen alle in die Knie, weiß Dagmar Ruhwandl als dreifache Mutter und Psychotherapeutin aus Erfahrung. „Viele Mütter setzen sich zu dem Druck von außen noch unter eigenem Druck und wollen gleich drei Rollen – Mutter, Mitarbeiterin und Lebensgefährtin – perfekt erfüllen. Das schafft niemand.“ Schlimmer noch: Viele nähern sich damit zielstrebig der körperlichen und seelischen Überforderung, was denn auch zu schlechteren Leistungen im Beruf führt. Eine Spirale nach unten. Ruhwandl rät ihren Klientinnen deshalb regelmäßig: „Kaufen Sie sich Auszeiten. Investieren Sie nicht nur in gute Kinderbetreuung, sondern geben Sie so viel Haushaltsarbeit nach außen, wie Sie sich leisten können“.
Nichts gibt Frauen mehr Kraft für den Beruf als eine liebevolle Tagesmutter fürs Kind und Zeit zu zweit für seine Eltern.














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Alle Kommentare lesen25.05.2011, 20:04 UhrAnonymer Benutzer: Tagesmutter
ja das stimmt, die Frauen heben kein leichtes KLeben wenn sie beruf und Familie Vereinbaren wollen, es gibts ein bissen Unterstützung von der Stadt aber letztendlich muss man Privatbetreuung finden, dazu gibt es viele Seiten in internet, z.b. http://www.betreut.de
07.10.2008, 17:14 UhrAnonymer Benutzer: Marianna
Vorab: zb unter http://www.ansus.de/tagesmutter/ kann man Kinderbetreuung finden, aber das nur nebenbei. ich wohne in berlin und höre oft von den Problemen, die Eltern in anderen bundesländern mit der Kinderbetreuung haben. Hier in berlin ist es auch für Kinder, die jünger als 3 Jahre sind, relativ leicht, einen Kindergartenplatz zu bekommen. ich selbst bin einfach einige Monate vor der geplanten Eingewöhnung in den Kindergarten meiner Wahl gegangen und konnte meine Kinder (eins im Alter von 11 Monaten, eins im Alter von 14 Monaten) direkt anmelden. Da ist es schwer, sich die Probleme anderer Eltern vorzustellen. Hoffentlich ist die Kinderbetreuung bald in ganz Deutschland so unkompliziert wie hier!
30.09.2008, 13:22 UhrAnonymer Benutzer: Claudia Fröhlich
ich war vor der Schwangerschaft Stellvertretende Marktleiterin und bin seit der Schwangerschaft ruiniert. Wenig Geld vom Staat und sonst jede Antragsablehnung. ich weiß nicht wie ich das nächste Essen "organisieren" kann,und da ich in bayern wohne kann ich ein Grippenplatz vergessen,und wenn ist der außerhalb und viel zu teuer. Wär ich nur nie hierher gezogen,bei Uns in Sachsen-Anhalt ist das alles viel besser.