Bluttests: Was Arbeitgeber über die Gesundheit wissen dürfen

Bluttests: Was Arbeitgeber über die Gesundheit wissen dürfen

von Jens Tönnesmann

Konzerne wie Daimler, Merck und Deutsche Telekom bitten angehende Mitarbeiter zu Blut- und Urinchecks und sorgen damit für hitzige Diskussionen – zumal die Blutproben immer aussagekräftiger werden. Die WirtschaftsWoche erklärt, was Arbeitgeber dürfen und wann die Gesundheitsuntersuchungen sogar Pflicht sind.

Wann dürfen Arbeitgeber Gesundheitsuntersuchungen wie Bluttests machen?

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Blutabnahme: Was Blut verrät

Entscheidend ist laut Bundesdatenschutzgesetz, ob die mit den Tests erhobenen Daten tatsächlich „erforderlich“ sind. Das ist der Fall, wenn der Arbeitgeber nur so herausfinden kann, ob ein Bewerber den Anforderungen der Stelle tatsächlich gewachsen ist. „Ein Unternehmen kann also nicht einfach pauschal alle Mitarbeiter oder Bewerber zu Blut- und Urinchecks bitten“, sagt der Jurist und Datenschutzexperte Thilo Weichert.

„Allerdings sind die gesetzlichen Vorgaben vage“, sagt der Bonner Arbeitsrechtsprofessor Gregor Thüsing. Oft müssen die Ärzte deshalb entscheiden, welche Untersuchungen notwendig sind. Beispiel Telekom: Je nach medizinischer Empfehlung sind Blutdruckmessen, Pulsmessen, Hör- und Sehtest, Koordinationstests, Urinprobe, EKG oder ein kleines Blutbild vorgesehen.

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Wann ist der Arbeitgeber zu solchen Untersuchungen verpflichtet?

Immer dann, wenn es darum geht, die Beschäftigten oder die Öffentlichkeit zu schützen. „Bewerber mit einer Allergie gegen Lösungsmittel können wir nicht in der Lackiererei einsetzen“, sagt etwa Helmut Schmidt, Konzernarzt von Daimler, und beruft sich auf die Fürsorgepflichten des Arbeitgebers. Die Telekom und der Pharmakonzern Merck begründen Untersuchungen mit der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften: Wer etwa am Arbeitsplatz eine Atemschutzmaske tragen muss, kommt danach an einer Blutuntersuchung nicht vorbei.

Auch wer Beamter werden will muss mit gesundheitlichen Eignungstests rechnen – allerdings sind die bundesweit nicht einheitlich geregelt. Es kann also passieren, dass ein Anwärter mit Übergewicht hier verbeamtet wird und dort nicht.

Ganz klare Regeln und Richtwerte gibt es dagegen in der Luftfahrt: Fluglinien dürfen beispielsweise niemanden ins Cockpit lassen, der sehr schlecht sieht.

Wer darf zukünftige Mitarbeiter untersuchen, und was passiert mit den Daten?

Die Untersuchung muss von einem Arzt vorgenommen werden, etwa dem Betriebsarzt oder dem Hausarzt. Für sie gilt die Schweigepflicht: Sie dürfen dem Arbeitgeber nur mitteilen, ob der Kandidat geeignet, bedingt geeignet oder nicht geeignet ist. Eine vergleichende Einschätzung nach dem Motto „Kandidat A ist gesünder als Kandidat B“ ist unzulässig. Auch detaillierte Testergebnisse darf der Arzt nicht weitergeben. Die Bewerber dürfen die Ergebnisse aber einsehen.

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