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Brettspiele: "Die Siedler von Catan" hilft ausgebufften Managern

von Sebastian Wenzel

Moderne Gesellschaftsspiele wie „Die Siedler von Catan“ sind Einführungen in unternehmerisches Denken und Handeln. Selbst ausgebuffte Manager können am Spieltisch noch etwas lernen.

2013: "Hanabi"

Das ungewöhnliche Kartenspiel „Hanabi“ (Verlag Abacusspiele) ist Spiel des Jahres 2013. Mit der kleinen Idee, die Spielkarten verkehrt herum zu halten, habe der französische Autor Antoine Bauza ein ganz neues Spielgefühl erzeugt, hob die Jury am Montag in Berlin hervor. Zum ersten Mal seit 1978 wurde ein preiswertes Kartenspiel zum Sieger gekürt. Die Spieler müssen sich gegenseitig Tipps geben, in welcher Reihenfolge sie Karten ablegen, die sie selbst nicht sehen.

Bild: Presse

Kai-Oliver Brand ist verzweifelt. Der Associate Director der DZ Bank sucht nach Lehm. Nur damit kann er eine neue Produktionsstätte errichten und expandieren. Den perfekten Standort hat er schon gefunden: das Gebirge am Wald. Bauarbeiter haben dort einen Stollen in die Berge getrieben und ein riesiges Erzvorkommen entdeckt. Aber ohne Lehm kein Produktionsgebäude und kein Erz. Brand blickt zu seinem Konkurrenten. Er könnte Lehm liefern. Doch der Mitbewerber schüttelt den Kopf. Die Verhandlung ist beendet, bevor sie angefangen hat. Einen Trumpf hält Brandt noch in der Hand. Er spielt seine Kontakte zur Unterwelt aus. Räuber sabotieren in Brands Auftrag die gegnerische Lehmgrube und legen die Produktion lahm. Das Opfer nickt anerkennend. Kein feiner, aber ein guter, regelkonformer Zug.

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Lehrstück in Ökonomie

Beim Gesellschaftsspiel „Die Siedler von Catan“ kämpfen erfahrene Spieler mit harten Bandagen. Catan ist eines der erfolgreichsten Spiele der vergangenen Jahre – und ein Lehrstück in Ökonomie. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg erscheint diese Woche die vierte große Catan-Erweiterung. Sie heißt „Entdecker und Piraten“ und macht das Spiel noch komplexer. Längst gibt es digitale Versionen für Laptops wie für Tablets oder Mobiltelefone. Auch andere Verlage präsentieren in Nürnberg Spiele, mit denen Manager strategisches Denken trainieren oder ihr Verhandlungsgeschick schulen. „Im Spiel erfährt man viel über das Verhalten seiner Mitmenschen. Das hat auch im realen Leben Vorteile“, sagt Klaus Teuber, der Erfinder von Catan.

Die Brettspiel-Neuheiten von der Spielwarenmesse

  • Entdecker und Piraten

    Mit der vierten großen Erweiterung zu „Die Siedler von Catan“ stechen die Spieler in See. Sie erforschen unbekannte Inseln, erschließen Fischgründe und importieren Gewürze nach Catan. Doch aufgepasst: Auch Piraten treiben auf den Meeren ihr Unwesen. Nur wenn die Seewege sicher sind, gelangt die wertvolle Fracht ans Ziel.

    Spieler: 2 bis 4 Seeräuber

    Preis: etwa 32 Euro

    Autor: Klaus Teuber

    Verlag: Kosmos

  • McMulti

    Die Spieler bauen Raffinerien, veredeln Öl zu Benzin und verkaufen es im In- und Ausland. Es gilt, Angebot und Nachfrage richtig einzuschätzen. Die Wirtschaft schwankt im Spiel zwischen Rezession, Erholung und Expansion. Wer als Erster 750 Millionen Dollar verdient, gewinnt.

    Spieler: 2 bis 4 Ölmagnaten

    Autor: James St. Laurent

    Verlag: Pegasus Spiele

    Preis: etwa 39 Euro.

  • Die vergessene Stadt

    Das perfekte Spiel fürs Teambuildung. Wenn die Teilnehmer sich richtig anstellen, gewinnen alle gemeinsam. Dazu müssen sie ihr Vorgehen ständig koordinieren. Nur so entkommen sie einem Sandsturm und können aus der Wüste fliehen. Sollte nur einer verdursten, verliert die ganze Gruppe.

    Spieler: 2 bis 5 Teamplayer

    Autor: Matt Leacock

    Verlag: Schmidt Spiele

    Preis: 27 Euro.

  • Heimlich & Co.

    Wer Konkurrenten über seine Pläne im Unklaren lassen möchte, trainiert Täuschen und Tricksen bei der Neuauflage des „Spiels des Jahres 1986“. Die Spieler bewegen beliebige Figuren durch eine Stadt und sammeln dabei Siegpunkte für diese ein. Wem welche Figur gehört, ist geheim. Das Mysterium wird erst am Ende des Spiels gelüftet.

    Spieler: 2 bis 7 Geheimniskrämer

    Autor: Wolfgang Kramer

    Verlag: Amigo

    Preis: etwa 20 Euro

  • Voodoo Mania

    Wer innerhalb ganz kurzer Zeit wichtige Entscheidungen treffen muss, ist hier richtig. Das Spiel schult das Konzentrationsvermögen. Gleichzeitig suchen alle Spieler Karten, auf denen die richtigen Symbole in den richtigen Farben abgebildet sind. Gar nicht so einfach bei je fünf Symbolen und Farben.

    Spieler: 2 bis 6 Schnelldenker

    Autor: Martin Nedergaard Andersen

    Verlag: Huch! & friends

    Preis: etwa acht Euro.

In seinem Spiel sammeln die Teilnehmer Lehm, Erz, Holz, Wolle und Getreide. Mit den Rohstoffen bauen sie Siedlungen oder investieren in den technischen Fortschritt. Das Grundspiel erfand der gelernte Zahntechniker 1995. Es ist Teubers Meisterwerk und hat sich weltweit über 18 Millionen Mal verkauft. Catan ist sozusagen das „Monopoly“ der Neuzeit. Unter deutschen Managern hat es dem Klassiker bereits den Rang abgelaufen. Auf der Online-Plattform Xing verraten 228 Personen, dass sie „Die Siedler von Catan“ mögen. Darunter Geschäftsführer, Unternehmensberater und Projektmanager. „Monopoly“ kommt nur auf 72 Anhänger. Auch bei amerikanischen Managern ist Catan beliebt. Besonders viele Fans hat es im Silicon Valley. Der Facebook-Chef Mark Zuckerberg spielt es, schreibt die „Washington Post“. Und der Mitbegründer von LinkedIn, Reid Hoffman, schwärmt im „Wall Street Journal“: „Die unterschiedlichen Würfelergebnisse zwingen die Spieler ständig dazu, ihre Strategie an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Das ist, als ob man ein Startup leitet.“

Zeit zu Expandieren

Brand ist glücklich. Auf diesen Moment hat er gewartet. Endlich ist die Summe der zwei weißen Würfel eine Sechs. Endlich produziert seine Siedlung Lehm. Das zeigt ein Chip auf der Lehmgrube an. Darauf prangt ebenfalls eine Sechs. Immer wenn Würfelergebnis und die Zahl auf dem Chip übereinstimmen, darf Brand Rohstoffe in die Hand nehmen. Sein Lager ist gefüllt. Zeit zu expandieren. Der Banker errichtet eine weitere Siedlung. Die Erzproduktion kann beginnen. Eine kluge Entscheidung: „Der größte Anfängerfehler ist es, zu Beginn den Bau von Siedlungen zu vernachlässigen und nur in die Siegpunktekarte ,Längste Handelsstraße‘ zu investieren“, sagt Teuber. „Das ist, als würde ein Unternehmen Investitionen tätigen, die kurzfristig das Renommee heben, aber keinen nachhaltigen Ertrag erwirtschaften.“

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