Büroslang: Ein Team, ein Wort

Büroslang: Ein Team, ein Wort

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Büroslang: Nicht immer verbirgt sich hinter dem Begriff, was man gemein vermutet

In jedem Unternehmen bildet sich schnell ein eigener Jargon, der als verbaler Dresscode wichtige Funktionen erfüllt. Was die Floskeln wirklich bedeuten und wie der Büroslang die Karriere beflügelt.

Wenn Wolfgang Mayrhuber in entspannter Runde über seine Karriere plaudert, driftet er schon mal ins Tierreich ab: Der Lufthansa-Chef begann seine Laufbahn als "Produktionsschwein". Was wie ein wenig rühmliches Charakterzeugnis klingt, beschreibt vielmehr seinen ersten Einsatz: So heißen intern die Mitarbeiter der Instandhaltung.

Als "Elefantenrollschuh" bezeichnen hingegen die Daimler-Manager ihr Kompaktfahrzeug Smart. Den abschätzigen Begriff ersannen zwar einst die Rivalen von Volkswagen. Spätestens seit das Millionste Smart-Exemplar von Band rollte, gehört die Bezeichnung aber zum Daimler-Jargon – wenn auch höchst inoffiziell.

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Im Betriebsjargon beliebt sind ebenso Nahrungsmittel-Analogien: Bei der WirtschaftsWoche etwa ziehen sich Ressortleiter und Chefredaktion regelmäßig zur "Käserunde" zurück  – der Legende nach verdankt sie den Namen einer üppigen Käseplatte aus Anlass eines Einstands.

Ob tierisch, spöttisch oder metaphorisch – Betriebsprosa und interne Sprachschöpfungen gibt es in fast jedem Unternehmen. Aus gutem Grund: Firmenslangs, in der Wissenschaft auch Soziolekte genannt, sind für gruppendynamische Prozesse geradezu Bedingung und haben gleich mehrere Aufgaben.

Zum einen machen sie die Kommunikation oft einfacher und schneller. Wer eingeweiht spricht, muss im Büro nicht mehr viel erklären – alle wissen sofort, um was es geht. Im "Goldfischteich" landen zum Beispiel besonders begabte Mitarbeiter der Nürnberger Versicherung; im benachbarten Erlangen gehen Angestellte frühmorgens entweder in den "Himbeerpalast", das "Kleeblatt" oder den "Bananenbau" – allesamt Siemens-Betriebsstätten, denen Kollegen und Volksmund ihre Spitznamen gaben. Und "beim Daimler" gibt es Berufseinsteiger und Ex-Praktikanten, die nach dem Studium von der "Zusi" profitieren, wie der Beschäftigungspakt "Zukunftssicherung" genannt wird.

Eigener Slang fördert Gruppenzusammenhalt

Im betriebsinternen Flachs zwischen Zugehörigen und denen, die es werden wollen, spiegelt sich zuweilen aber auch Respekt vor der Unternehmenshistorie. So verstehen sich sieben Jahre nach der Umwidmung zur Tourismus-Marke TUI altgediente Preussag-Mitarbeiter immer noch als "Preuss-Säcke". Und als "Aniliner" bezeichnen sich nach wie vor Mitarbeiter des Chemieriesen BASF, obwohl der Firmenname "Badische Anilin- und Soda-Fabrik" längst Geschichte ist.

Solche internen Sprachmuster machen Teams zugleich nach außen erkennbarer, etwa wenn die Begriffe nur in einer bestimmten Abteilung gesprochen werden. Nach innen sorgen sie wiederum dafür, dass die Kollegen geschlossener agieren – oder wie es der Nürnberger Sozialwissenschaftler Peter Wellhöfer formuliert: "Sie fördern den Gruppenzusammenhalt." Und die Karriere.

Jargon, ganz gleich ob sachlich-technisch oder selbstironisch-augenzwinkernd, ist immer auch eine Art verbaler Dresscode, der dem Unternehmen einen speziellen Sound gibt. Wer nach kurzer Zeit etwa an Projekten "laboriert", nur weil das alle anderen auch so nennen oder wer dieselben Floskeln wie der Chef benutzt, signalisiert damit unterschwellig Loyalität und Anpassungsbereitschaft.

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