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Burnout-Experte Sprenger im Interview: "Männer betrifft es stärker"

von Daniel Rettig

Der Psychotherapeut Bernd Sprenger über die Gefahren der Arbeitswelt und drei simple Wege aus der psychischen Krise.

Sprenger, 54, ist seit sieben Jahren Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg in Wendisch Rietz
Sprenger, 54, ist seit sieben Jahren Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg in Wendisch Rietz

WirtschaftsWoche: Herr Sprenger, viele Arbeitnehmer fühlen sich heute stark beansprucht. Sehen Sie den Burn‧out schon auf dem Weg zur Volkskrankheit?

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Sprenger: In den entwickelten Industrieländern könnte das passieren.

Worauf führen Sie das zurück?

Das Problem resultiert aus der Beschleunigung der Arbeitswelt einerseits und der Verarbeitungsfähigkeit der Menschen andererseits. Viele sind dem heutigen Tempo nicht mehr gewachsen – gleichzeitig wollen sie sich nicht eingestehen, dass sie Probleme haben und eigentlich kürzertreten müssten...

...weil ihnen das als Schwäche ausgelegt werden könnte. Betrifft das Männer und Frauen gleichermaßen?

Tendenziell betrifft es Männer stärker. Denn Frauen sind stressresistenter und gestehen sich Schwächen schneller ein.

Unabhängig davon, in welcher Branche jemand arbeitet?

Als der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger das Burnout-Syndrom 1974 entdeckte, dachte er vor allem an sogenannte Helferberufe wie beispielsweise Ärzte oder Sozialarbeiter. Bei diesen war die Erschöpfung traditionell hoch. Heute sind davon alle Schichten und Branchen betroffen.

Wo genau liegt der Unterschied zwischen Stress und Burnout?

Das entscheidende Merkmal ist die Erholungsfähigkeit. Wenn Sie unter Stress leiden, was heute ja fast normal ist, fühlen Sie sich nach kurzer Erholung schon wieder fit. Bei einem Burnout können Sie sich gar nicht mehr entspannen und sind dauerhaft erschöpft.

Aber Erschöpfung alleine bedeutet doch noch keinen Burnout.

Nein, es kommt auf die emotionale Erschöpfung an. Ein Beispiel: Wenn Sie Opernfan sind und Premierenkarten geschenkt bekommen, dann können Sie sich als Burnout-Opfer darüber nicht mehr freuen, sondern sehen dieses Geschenk als reine Belastung.

„Jeder kommt mit kleinen Schritten wieder aus dem Burnout raus“

Mit dem Burnout verschwindet also jegliche Lebensfreude.

Genau. Wer unter einem echten Burnout-Syndrom leidet, hat keinerlei Energie und Lebenslust mehr und empfindet keinen Spaß mehr an Hobbys oder Aktivitäten, die ihm früher einmal große Freude bereitet haben.

Wie schnell entwickeln Menschen einen solchen Burnout?

Bei manchen dauert das nur wenige Monate, bei anderen kann sich das über Jahre hinziehen. Die sogenannte präklinische Phase drückt sich bei allen gleich aus: Typisch ist, dass unsere Patienten in dieser Phase Stress als normal ansahen und jeden Tag 120 Prozent gaben.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 27.10.2008, 13:12 UhrAnonymer Benutzer: Business Doctors

    Die business Doctors initiierten aufgrund der explosionsartig ansteigenden Zahl an burnoutfällen eine berufsgruppspezifische burnoutstudie in 10 verschiedenen branchen. Die Ergebnisse zeigen dringend Handlungsbedarf auf. Denn die Motivation sowie die Freude an der Arbeit sinken umgekehrt zur Zunahme an Stress und Anspannung im Arbeitsumfeld. Dem bedarf es dringend entgegenzusteuern.
    basierend auf den Ergebnissen der Studie erarbeiteten die business Doctors an Unternehmen spezifisch angepasste Maßnahmenkataloge und Präventionspackages, um die Mitarbeiterzufriedenheit bei gleichzeitig erhöhter Produktivität zu steigern.
    Weitere infos unter www.business-doctors.at

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