Confirmation-Bias: Warum wir einmal gefasste Meinungen selten ändern

Confirmation-Bias: Warum wir einmal gefasste Meinungen selten ändern

von Jochen Mai und Daniel Rettig

Unhaltbare Wahlversprechen oder geschönte Bilanzen: Flunkereien geschehen nicht immer aus betrügerischer Absicht - oder spielt uns einfach nur das Ego einen Streich.

Objektivität – was ist das eigentlich? Der Mensch ist nicht nur die Krone der Schöpfung, sondern leider auch spitze darin, sich seine eigene Wirklichkeit zu schaffen: „Ich mach mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt!“, trällerte Pippi Langstrumpf. Was bei der beliebten Romangöre zum fröhlichen Selbstverständnis gehörte, endet im realen Leben jedoch leider in einem Universum aus Selbsttäuschung, Schönfärberei und Selbstgerechtigkeit. Das äußert sich dann etwa in der Politik in unhaltbaren Wahlversprechen oder in der Wirtschaft in geschönten Bilanzen.

Längst nicht immer geschehen solche Flunkereien jedoch aus betrügerischer Absicht. Oft ist es schlicht unser Ego, das uns dabei einen Streich spielt – sei es aus Harmoniestreben, Sturheit oder geistiger Faulheit. Schon in der Bibel warnt Apostel Paulus: „Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.“ 2000 Jahre später haben Psychologen dieser Erkenntnis einen Namen gegeben: Confirmation-Bias oder auf Deutsch: Bestätigungsfehler. Stark vereinfacht lässt er sich so beschreiben: Wir pflegen Vergesslichkeit aus Notwehr. Oder etwas ausführlicher: Wir tendieren dazu, unsere Entscheidungen, Handlungen und Fehler mental zu verklären, nur um uns dadurch besser zu fühlen. Ein Nebeneffekt ist allerdings auch, dass wir aus der Vergangenheit leider nichts Vernünftiges lernen.

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Selektive Wahrnehmung

Um diesem Reflex zu erliegen, müssen wir nicht einmal Fehler machen. Der menschliche Verstand tendiert ständig zu selektiver Wahrnehmung: So nehmen die meisten von uns zum Beispiel nur solche Informationen auf, die in ihr Weltbild passen. Der Rest wird einfach ausgeblendet.

Entsprechend umgeben sich viele Chefs mit Menschen, die ihnen nach dem Mund reden; andere lesen nur noch Artikel, die ihre Meinung widerspiegeln, und beim Sport hat der Schiedsrichter unrecht, wenn der Elfmeter gegen die eigene Mannschaft geht.

Unsere angeblich „objektive Wahrheit“ stützen wir auf persönliche Eindrücke und Erfahrungen, die sich nun mal nicht leicht wegdiskutieren lassen. Wir prüfen Informationen auf ihre Richtigkeit – aber nicht, ob sie vielleicht auch falsch sind.

Doch dabei schrumpft unser geistiger Horizont, ohne dass wir es bemerken. Selbst Erfolge werden so zur Falle: Weil wir uns bestätigt sehen, reduzieren wir unsere geistige Flexibilität noch weiter, eliminieren jeden Querdenker-Impuls und werden unfähig, Meinungen und Strategien zu wechseln – selbst wenn die Umstände schon längst andere sind.

Die Erkenntnis aus dieser (Selbst-)Bestätigungstendenz ist vielleicht nicht bequem, aber wichtig: Wir müssen uns vor uns selbst schützen.

Ein Tagebuch kann helfen

Ein Weg dazu sind permanente Rückkopplungen über die Güte unserer Entscheidungen. Sie liefern hilfreiche Gegenargumente, die wir sonst vielleicht ausgeblendet hätten. Der zweite Schritt: Wir brauchen eine unbestechliche und zuverlässige Gedächtnisstütze im Kampf gegen den Selbstbetrug.

Ein Tagebuch zu schreiben kann dabei enorm nützlich sein: Was hat Sie damals dazu bewogen, sich so zu entscheiden? Was wollten Sie erreichen? Was haben Kritiker gesagt? Welche Alternativen gab es? Und was ist am Ende herausgekommen? All diese Fragen helfen, Wahlen auch später noch realistisch zu beurteilen, daraus zu lernen – um künftig bessere Entscheidungen zu treffen.

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