Demografie: Familie wird zum Auslaufmodell

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Demografie: Familie wird zum Auslaufmodell

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Ein Zusatzschild eines Verkehrsschildes in Berlin zeigt eine Familie mit Kinderwagen. Nicht einmal mehr die Hälfte der Einwohner Deutschlands lebt mit Eltern oder Kindern zusammen.

Der demografische Wandel ist zum Gegenstand des politischen Aktionismus geworden. Währenddessen sinkt die Zahl der in Familien lebenden Deutschen immer weiter, wie eine Umfrage zeigt.

Während die Bundesregierung mit einem Demografiegipfel und einer so genannten Demografiestrategie bevölkerungspolitische Aktivität simuliert, verbschiedet sich die Familie als Lebensmodell aus Deutschland. Im Jahr 2011 lebten erstmals weniger als die Hälfte (49 Prozent) der Menschen in Deutschland in Familien. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Internationalen Familientages heute weiter mitteilt, war dieser Anteil vor 15 Jahren, also 1996, noch deutlich höher. Damals lag er bei 57 Prozent. Basis dieser Ergebnisse ist der Mikrozensus, die größte jährliche Haushaltsbefragung in Deutschland und Europa. Als Familienmitglieder gelten hier Mütter und/oder Väter (auch Stief-, Pflege- oder Adoptiveltern) und die mit ihnen in einem Haushalt zusammen lebenden minder- oder volljährigen Kinder.

Die selben Deutschen, die sich in ihrem eigenen Leben mehr und mehr von der Familie als Lebensform verabschieden, machen sich über die schrumpfende Bevölkerung und die Zukunft Deutschlands große Sorgen. Die Mehrheit der Bundesbürger (55 Prozent) ist sich hierbei sogar sicher, dass der Sozialstaat zu scheitern droht, wenn die Entwicklung einer kinderlosen und überalterten Gesellschaft nicht adäquat begegnet wird. Vor zehn Jahren waren es noch lediglich 43 Prozent, die diese Sorge teilten. Gegenwärtig sind es insbesondere die älteren Deutschen (57 Prozent), die besorgt auf die Entwicklung blicken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die 2.000 Bundesbürger ab 14 Jahren repräsentativ von der GfK befragt wurden.

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Der Wissenschaftliche Leiter der Studie, Ulrich Reinhardt, betont gleichzeitig jedoch, dass der Glaube an die Überlebensfähigkeit des deutschen Sozialsystems weithin vorhanden ist. „Trotz aller Problematiken und Ängste, sind sich die Bürger einig, dass Deutschland den demografischen Entwicklungen begegnen kann. Unabhängig von Alter, Herkunft, Einkommen oder Bildung – in allen Teilen der Bevölkerung ist sich jeweils eine Mehrheit sicher, dass die Reformfähigkeit steigt und man sich durch den demografischen Druck der Probleme annimmt, deren Lösung längst überfällig ist. Dies umfasst u.a. die Entkoppelung des Bildungszugangs von der Herkunft, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Erwerbsbeteiligung im Alter“.
Besonders positiv beurteilt der Forscher die hohe Zustimmungsrate bei der Gruppe der aktuellen Beitragszahler, da sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung die Reformfähigkeit Deutschlands sogar leicht überdurchschnittlich bewerten.

Auf die Frage, ob sie ihr Land für kinderfreundlich hielten, antworteten nur 15 Prozent der Deutschen mit ja. Der niedrigste Wert in ganz Europa. Zum Vergleich: 90 Prozent der Dänen halten ihr Land für kinderfreundlich. Und woran liegt es, dass die Deutschen so besonders wenige Kinder bekommen? Reinhardt antwortet mit einem Wort: "Angst." Die Deutschen haben Angst, ihre Unabhängigkeit zu verlieren, Angst, weniger Geld zu haben, Angst, den richtigen Partner zu finden, Angst vor Scheidung. Nicht zufällig ist das deutsche Wort "Angst" mittlerweile in viele andere Sprachen eingewandert.

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