Demographie: Ältere Arbeitnehmer: Hoch geschätzt aber selten eingestellt

Demographie: Ältere Arbeitnehmer: Hoch geschätzt aber selten eingestellt

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Ein Mitarbeiter wischt in Lausanne über das Logo der Zeitarbeitsfirma Adecco.

Das Adecco Institute hat 500 deutsche Firmen zu ihrer Personalpolitk befragt. Die Deutsche Wirtschaft ist demnach in Europa am besten vorbereitet auf den demographischen Wandel, könnte aber noch einiges verbessern.

Personalverantwortliche in deutschen Firmen schätzen ältere Arbeitnehmer zwar sehr. Sie stellen aber nur wenige von ihnen ein. In der Studie geben 98 Prozent der befragten Unternehmen an, Beschäftigte ab 50 seien mindestens so gut angesehen wie ihre jüngeren Kollegen. Unter den Neueinstellungen in deutschen Großunternehmen waren jedoch im vergangenen Jahr nur 12 Prozent älter als 50 Jahre, bei den mittelständischen Unternehmen sind es noch weniger.

Das Adecco Institute wird vom weltweit größten Zeitarbeitskonzern Adecco finanziert. Mit der jährlich erscheinenden Umfrage will die Forschungseinrichtung herausfinden, wie fit die Unternehmen für den demographischen Wandel sind. Nicht nur deutsche Personalchefs wurden interviewt: Verglichen mit Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien belegen hiesige Firmen den ersten Platz was die Vorbereitung auf die zukünftige Altersstruktur der Bevölkerung angeht.

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Wolfgang Clement, ehemaliger Minister für Wirtschaft und Arbeit, ist Vorsitzender des Instituts. "Es ist sehr gut, dass deutsche Unternehmensleiter so sensibel sind für das Thema", sagte er bei der Präsentation der Studie. Allerdings gebe es noch viel zu tun.

Die Fachleute von Adecco kritisieren, hierzulande werde das Personal zu kurzfristig geplant. Die Unternehmen planen im Schnitt 1,3 Jahre im Voraus, welchen Bedarf an Beschäftigten sie haben werden. Das sei bei weitem nicht ausreichend, um sich angemessen auf das Ausmaß des kommenden Wandels vorzubereiten, heißt es in der Untersuchung.

Demographen gehen davon aus, dass in weniger als zehn Jahren die über 40-Jährigen die größte Bevölkerungsgruppe Europas bilden werden. Schon heute bekommen die Personalabteilungen diesen Wandel zu spüren. Große Unternehmen beklagen in bestimmten Bereichen bereits einen signifikanten Fachfräftemangel: Es gebe nicht genug Arbeitnehmer, die ausreichende Computer- oder Technikkenntnisse vorweisen könnten, kam bei den Befragungen heraus.

Das Problem sei vor allem der Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Clement schlägt daher vor, Schüler schon drei Jahre vor dem Abschluss für das Thema Berufswahl zu sensibilisieren. Personalmanger und Berater sollten daher in die Schulen geschickt werden, um die jungen Leute zu qualifizieren. "Die Schulen bekommen die Sache nicht allein in den Griff. Wir dürfen kein Potenzial vergeuden," sagt Clement.    

Die deutsche Wirtschaft ist Spitzenreiter bei Angeboten in Firmen, die lebenslanges Lernen fördern. Peter Auth, Arbeitsmarktexperte beim Adecco Institute, bemerkt dazu, fast die hälte aller Mitarbeiter nutze entsprechende Instrumente. "Bedauerlich ist allerdings, dass die Schulungen sehr stark arbeitsplatzbezogen sind. Sie beziehen sich nicht auf persönliche oder soziale Aspekte", so Auth.

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