Wenn eine 61-jährige Frau aus Pirmasens sich so sehr über lästige, ungewollte Anrufe aus Call-Centern ärgert, dass sie...
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24 KommentareSie erwähnen im Artikel die französische Telecom, deren Problem ich nun zufällig gut kenne. Ähnliches dürfte sich auch bei der deutschen Telekom abspielen, wenn auch diskreter, ebenso in anderen Firmen, deren Namen weniger bekannt ist. Es handelt sich hier um ein relativ rezentes Phänomen, nämlich der neoliberalen Revolution, die in den Unternehmen eingezogen ist. Die Leute fühlen sich wie ein buchungsbeleg behandelt, fühlen sich entwertet und gedemütigt, wenn zum beispiel ein langjähriger und verdienter Kundenbetreuer mit technischem Profil zum Telefonmarketing regelrecht abkommandiert wird und er damit nicht fertig wird. Diese Mitarbeiter haben sich ihre Kompetenzen in der selben Firma langsam aufgebaut, in einer vertrauten Umgebung arbeiten können und stehen plötzlich einer total veränderten Situation gegenüber. Man kann nur den Kopf schütteln über die Dummheit und Kaltschnäuzigkeit der Manager, die ihrerseits unter hohem Rentabilitätsdruck stehen, aber wie beflissene Lakaien den Druck unmittelbar weitergeben. Professionelles Change Management sieht anders aus.
Endlich wird hier berichtet, dass auch die Partition - Führungskräfte, Manager und betriebsräte - leiden müssen und nicht nur die Hartz iV er und andere Transfer- Leistungsempfänger betroffen sind. Wahrscheinlich zeichnen sich aber die Finanzschwachen durch hohe soziale bindungs- und Reflexionsfähigkeit aus und sind deshalb weniger von Depressionen betroffen, im Gegensatz zu dem oben erwähnten asozialen Personenkreis, der vom bewußtsein her eher den Neoliberalismus verinnerlicht hat und verteidigt.
Hannes
Als Führungskraft war ich selbst betroffen und bin mit der Diagnose Erschöpfungsdepression sehr zurückhaltend umgegangen. Die lange Auszeit hat mir geholfen und viele kompetente Ärzte. Viele Dinge habe ich im beruf verändert. ich achte auf MEiNE Grenzen und sage STOPP, wenn ich nicht mehr kann. 12-Stunden-Tage gehören der Vergangenheit an und ich bin froh darüber. Früher war es mir wichtig, was der Chef von mir gehalten hat. inzwischen nicht mehr. ich gebe die Leistung ab, die ich für gut - ausreichend erachte. Nicht weniger, aber auch nicht mehr und es funktioniert.
Es ist modern geworden, ständig von Stress zu reden. Wer hat eigentlich keinen? Selbst die Pensionäre geben inzwischen an, keine Zeit und viel Stress zu haben. Die Führungskräfte klagen allerdings auf wirklich hohen Niveau. Sie bekommen ihre belastung fürstlich entlohnt und können Rücklagen bilden, während viele Arbeitnehmer, insbesondere im Niedriglohnsektor, Monat für Monat einfach nur um die nackte Existenz kämpfen. Geht der Arbeitplatz verloren, ist man vernichtet. Die Unternehmer und ihre Handlanger nutzen dies und pressen ihr Personal immer weiter aus. Unser Gesundheitssystem mit seinen hohen Kosten ist das Spiegelbild davon. Volkswirtschaftlicher Unsinn, nur um den Reichtum des oberen Viertels der Gesellschaft ins absurde zu steigern.
in meinen Augen hat "Peter" die richtigen Konsequenzen gezogen.
@ die anderen Kommentatoren
ist das hier ein Schuldzuweisungswettbewerb? Jeder kann doch selbst entscheiden, ob er seinen Aufgaben noch gewachsen ist oder nicht. Warum müssen immer andere daran schuld sein, dass jemand mit seinem Job total überfordert ist.
ich finde es sehr bedenklich, dass wir alles was nicht der Norm entspricht gleich als Krankheit titulieren?
Vielleicht wäre vielen Personen schneller und besser geholfen, wenn die Gesellschaft und sie sich selbst zu jedem Zeitpunkt akzeptieren wie sie sind. Vielleicht wäre ihre "Krankheit" nicht weg - aber der Leidensdruck dahinter.
ich frage mich dann schon, ob der Arzt sich auf die Krankheit oder den Leidensdruck fokusiert. Landläufig behandelt man die "Krankheit" und hofft damit auch den Leidensdruck mitzuerschlagen.
@ "Rudi"
Es geht doch nicht um Schuldzuweisungen, sondern um verifizierbare Tatsachen. Eine der Tatsachen ist, dass jeder Mensch anders in Krisensituationen reagiert. Es gibt Angestellte, die mit Panik auf eine neue Situation reagieren, andere befallen Selbstzweifel mit einem Aussichtslosigkeitsgefühl, das im Suizid enden kann.ich kenne auch Leute, die sich selbst marginalisieren, d.h. aussteigen und etwas anderes machen. Diese Zahl wächst und Soziologen sagen, dass es inzwischen sogar "Prekariatseliten" unter den Aussteigern gibt, d.h. gut ausgebildete Leute, auch Kreative, die sich nicht ausbeuten/nicht von Arbeitgebern drangsalieren lassen wollen. in den meisten Fällen aber könnte ein bedrängter Arbeitnehmer gar nicht aussteigen, weil er finanzielle und familiäre Verpflichtungen hat. Das ist ein grosses Problem, das so manche Arbeitnehmer frustriert und nach einem Ausweg suchen lässt. Neulich rief mich die Frau eines hochrangigen Managers des Nachts an: ihr Mann sei verschwunden, habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Es stellte sich heraus, dass er seinen Pass und bargeld mitgenommen hatte, um Zwängen zu entkommen und woanders neu anzufangen. - Zeit für sich verwenden und das machen zu können, wozu man sich berufen fühlt, ist heute ein unschätzbarer Luxus geworden. Ein Hamsterrad kann nicht nur krank machen, sondern im Extremfall auch töten.
ich habe Depressionen bei meinem Sohn erleben müssen. Wohlgemerkt sehr intelligent mit allen insignien der deutschen Gesellschaft (Abitur, Studium). Keine Mißerfolge und doch traf es ihn plötzlich und unerwartet. Leider sind weder Gesellschaft noch Medizinbetrieb in Deutschland auf diese vermehrt auftretenden Sympthome vorbereitet. Hilfe zu finden ist extrem schwer. Man findet sich sehr schnell im Dickicht der verschiedenen Leistungsträger wieder und stellt fest, dass es nicht um das Wohl des Patienten geht, sondern was man sich als Arzt oder Krankenhaus erlauben kann. in den USA ist man hier offensichtlich weiter. Er ist seit eine halben Jahr in Therapie und die Fortschritte sind ausgezeichnet, sogar ohne Antidepressiva. Wir sind in Deutschland auf diesem Feld noch in der Steinzeit.
http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/DAK-erhebt-Zusatzbeitraege_aid_789457.html
http://de.wikipedia.org/wiki/bipol-Art#intention
"Projekt soll zum einen die enorme Schaffenskraft bipolar erkrankter Menschen einer breiten Öffentlichkeit dargelegt werden. Es soll gezeigt werden, dass diese Menschen eine bereicherung für unsere Gesellschaft sind."
Vielleicht sollte manch Arzt mal über sein Stetoskop hinausschauen, bevor er die Leute mit Medikamenten "ruhig" stellt.
Grad in diesem Zusammenhang sollte man sich auch mal überlegen, was man Kindern mit ADS antut, wenn man sie mit Psychopharmaka kalt stellt.
Den Kindern wird eingebläut, sie wären krank - dabei muss man sich schon fragen - wer krank ist - wenn eine Gesellschaft nichts besseres weiß als ihre Kinder mit Drogen vollzupumpen und das ganze dann noch als Therapie verkauft.
Wenn eine 61-jährige Frau aus Pirmasens sich so sehr über lästige, ungewollte Anrufe aus Call-Centern ärgert, dass sie...
Kommentare zu: Die Scham-Spirale
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