Design: Uhren für alle Zeiten

InterviewDesign: Uhren für alle Zeiten

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Sandrine Stern kam 1995 zur Uhrenmanufaktur Patek Philippe in Genf, die seit 1932 im Besitz der Familie Stern ist und bis 2009 von Philippe Stern geleitet wurde. 2008 übernahm die Frau des heutigen Chefs, Thierry Stern, die Verantwortung für das Design sämtlicher Uhrenmodelle der Marke.

von Thorsten Firlus

Sandrine Stern, die Designerin der Uhren von Patek Philippe, über die Geheimnisse von künftigen Klassikern und die Zeitlosigkeit edler Uhren.

Sandrine Stern kam 1995 zur Uhrenmanufaktur Patek Philippe in Genf, die seit 1932 in Besitz der Familie Stern ist und bis 2009 von Philippe Stern geleitet wurde. 2008 übernahm die Frau des heutigen Chefs, Thierry Stern, die Verantwortung für das Design sämtlicher Uhrenmodelle der Marke.

WirtschaftsWoche: Frau Stern, im Museum Ihres Unternehmens sind Uhren aus fünf Jahrhunderten zu sehen, Uhren Ihrer Marke und anderer Marken. Ein Rundgang zeigt: Es ist im Prinzip schon alles da gewesen an Formen und Farben. Haben Sie überhaupt noch eine Chance, etwas Neues zu kreieren?

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Stern: Es stimmt, die heute dominierenden Formen sind alle bereits in der Vergangenheit entwickelt worden. Damals hatten die Uhrenunternehmen es aber auch leichter.

Wieso? Heute stehen den Ingenieuren und Designern doch viel bessere Maschinen zur Verfügung.

Das ist richtig, aber die Anforderungen des heutigen Marktes sind ganz andere. Auch den hochwertigsten Uhren liegen heute andere Herstellungsprozesse zugrunde als im 19. Jahrhundert. Bei der Gestaltung müssen wir uns darauf einstellen, dass die Ideen, die wir haben, auch produktionstechnisch umgesetzt werden können. Wenn Sie ein Unikat fertigen, müssen Sie darauf keine Rücksicht nehmen, da können Sie die Uhr so zeichnen, wie Sie wollen.

Sie haben also weniger Freiheiten?

Wir müssen andere Faktoren berücksichtigen. Nehmen Sie zum Beispiel die Damenuhr 4968 (Foto), die wir dieses Jahr vorgestellt haben, auf deren Gehäuse sich eine Linie aus Diamanten um die Lünette windet. Da haben die Ingenieure bei uns im Haus schon erst mal geschluckt und es als Herausforderung empfunden, dafür Lösungen zu finden, die die Uhr auch zu einem im Alltag nützlichen Gegenstand machen. Sie soll ja nicht in einer Vitrine liegen.

Die Uhr, die Sie ansprechen, ist vom Gehäuse über die Zeiger bis zur Mondanzeige in einer Farbe gehalten. Sollte es für Frauen nicht ein wenig bunter sein?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben bei den letzten Kollektionen versucht, die Farben neutraler zu wählen und die Zifferblätter noch ruhiger und klarer zu gestalten.

Warum?

Weil für Damenuhren gilt, dass sie zu vielen Outfits passen müssen. Modische Spannung kann ich mit wechselnden Armbändern in verschiedenen Farben erzeugen. Das Zifferblatt muss jedoch möglichst zu allen Farben der Kleidung passen.

Klassiker zeichnet Langlebigkeit aus, Formen, die Dekaden überstehen. Woher wissen Sie heute, was die nächste Generation mögen wird, damit die geerbte Uhr nicht in der Schublade verschwindet?

Das wissen wir nicht.

Sie schauen nicht, was Mode ist?

Wir schauen schon, aber wir lassen uns nicht von Modewellen beeinflussen. Wir gestalten die Uhren so, wie wir es für richtig halten. Das klingt vielleicht arrogant, ist es aber nicht, denn unsere Uhren folgen klaren Prinzipien. Wir wollen die besten Uhrwerke bauen, die es gibt, sie sollen klein und dabei zuverlässig sein. Große Uhrwerke stabil zu konstruieren ist weit leichter. Sie flach und mit geringem Durchmesser zu bauen ist die Herausforderung, der wir uns stellen.

Und das garantiert, dass die Kunden diese Uhren so wertschätzen, dass sie Jahrzehnte später auf Auktionen Rekordpreise erzielen wie die Patek Philippe 2499 von 1987 aus dem Besitz Eric Claptons, die vergangene Woche zum Preis von 2,85 Millionen Euro versteigert wurde?

Beständigkeit und Verlässlichkeit in der Gestaltung ist neben der technischen Qualität sicher ein wichtiger Aspekt. Da die Uhrengehäuse der Größe des Uhrwerks angepasst sind, werden Klassiker nicht als modisches Statement verstanden. Da die Form stets der Funktion folgt, ergeben sich bei uns die seit Jahrzehnten charakteristischen – und selbst für Laien erkennbaren – Eigenschaften. Wenn Sie eine unserer Uhren umdrehen, dann sehen Sie durch den Glasboden, dass das Uhrwerk das Gehäuse ausfüllt. Es ist so groß, wie es sein muss.

Wenn Sie also eine große Uhr bauen wollen, dann muss ein größeres Uhrwerk her?

Im Prinzip ja, bis auf wenige Ausnahmen. Aber da wir dafür bekannt sind, technische Innovationen mit so geringem Platzbedarf wie nötig zu bauen, sind unsere Uhren eben so, wie sie sind.

Damit haben Sie den seit mehr als zehn Jahren wirtschaftlich hoch erfolgreichen Trend zu immer noch größeren Gehäusen verschlafen.

Wir haben ihn nicht verschlafen, er passt nicht zu uns. Als Familienbetrieb haben wir sehr eigene Vorstellungen davon, was wir machen wollen, und nur wer hier lange Jahre arbeitet, begreift vollständig, wie wir hier denken.

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