Die 100 besten Wirtschaftsbücher: Führen mit Qualität

23. Oktober 2011
von Peter Felixberger Quelle: Handelsblatt Online

Kein Taylor und kein Smith, dafür Malik: Wie sucht man die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten aus? Ein Werkstattbericht.

Man nehme: Zwei Amerikaner und zwei Deutsche, die seit Jahren im Rezensionsgeschäft tätig sind. Beauftrage sie, die wichtigsten Wirtschaftsbücher aller Zeiten zu benennen, und zwar ultimativ. Strukturiere das Ganze in übersichtliche Kategorien und mit einem satisfaktionsfähigen Bewertungsschema. Daraus wird ein 468 Seiten starkes Buch, das in dieser Form erstmalig und einmalig erscheinen kann: „Die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten“.

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Der Reihe nach: Jack Covert und Todd Sattersten haben vor zwei Jahren bei Portfolio in New York ein Buch mit dem Titel: „The 100 Best Business Books“ herausgebracht, das in der weltweiten Szene der Wirtschaftsbuchverlage schnell ein Geheimtipp war. Allerdings war es zu sehr auf den US-Markt zugeschnitten, denn fast alle Bücher stammten von amerikanischen Autoren.

Schnell wurde klar, dass eine Ergänzung mit europäischen Kollegen notwendig war, um auf dem deutschen Markt Interesse zu wecken. Als langjähriger Buchrezensent fühlte ich mich gewappnet für die Aufgabe, und mit Wolfgang Hanfstein wurde ein Kollege gefunden, der mit seinem Portal managementbuch.de seit Jahren Bücher vorstellt. Dann begann die Kärrnerarbeit. Zunächst fertigten die deutschen Autoren eine umfangreiche Best-of-Liste an, die mit der amerikanischen Auswahl verglichen wurde. Interessant war die hohe Übereinstimmung, die alle vier Autoren hatten. Dennoch fielen über 20 US-Titel aus der Wertung, und am Ende schafften es genauso viele Titel aus Deutschland und Europa ins Ranking.

Praktische Anwendbarkeit war wichtig

Nach welchen Kriterien kann eine solche Zusammenstellung erfolgen? Uns war von Anfang an klar, dass jedes Qualitätsurteil notgedrungen subjektiv ist. Deshalb wurden an jedes Buch diese Basisfragen gestellt: Argumentiert der Autor schlüssig? Hat er etwas Neues zu sagen? Decken sich die Ideen im Wesentlichen mit dem, was wir über das Thema wissen? Können wir das Geschriebene einsetzen, um in einem Unternehmen Verbesserungen zu erzielen? Daraufhin wurden unendlich viele Bücher überprüft. Ein großer Teil erfüllte diese Kriterien. Doch das allein reichte nicht aus, um den Sprung unter die 100 besten zu schaffen.

Das zweite Auswahlkriterium war deshalb die praktische Anwendbarkeit. Aus diesem Grund wurden Werke mit überholten Theorien ausgesondert, die von anderen längst abgelöst waren. So hat es beispielsweise Frederick Taylors berühmte Organisationstheorie nicht geschafft. Ein weiteres Kriterium waren Klarheit und Verständlichkeit der Bücher. Und damit wurden auch keine Bücher berücksichtigt, die wie Adam Smiths Klassiker „Der Wohlstand der Nationen“ über 900 Seiten stark sind. Wenn es Konkurrenz zu einem Thema gab, entschieden wir uns für die griffigere Darstellung im Text.

Das Buch ist nach Kategorien in elf Abschnitte unterteilt. Zum Beispiel „Führung“. Hier finden wir neben Klassikern wie „Leading Change“ von John P. Kotter oder Annette Simmons' ins Deutsche übersetztes Buch „Mit guten Geschichten Menschen gewinnen“ auch zwei europäische Autoren. Reinhard K. Sprengers großes Plädoyer für mehr Eigenverantwortung des Mitarbeiters in „Mythos Motivation“ durfte hier ebenso wenig fehlen wie Manfred Kets de Vries' psychologisches Meisterwerk über Narzissten, Analphabeten und Hochstapler in den Chefetagen. Leseempfehlungen am Ende jedes Buchs und zahlreiche Zwischenkapitel mit weiterführenden Informationen zu Klassikern, Filmen oder Romanen bieten zusätzliche Orientierung.

Bekannte Autoren und kleine Überraschungen

In der Kategorie „Strategie“ sind neben den großen Namen Peter Senge, Thomas Peters, Jim Collins, Andrew S. Grove oder Gary Hamel auch unbekannte Entdeckungen. Wie der italienische Biologe und Unternehmensberater Alberto Gandolfi, der komplexe Systeme mit der Chaostheorie zu erforschen versucht. Einer seiner Leitsätze lautet: „Nicht mehr Gewinnmaximierung (die höchste Form der Kontrolle), sondern das langfristige Überleben (die höchste Form der Kreativität) steht im Mittelpunkt.“

In der Kategorie „Verkauf und Marketing“ treffen wir zunächst auf bekannte US-Autoren wie Al Ries, Jack Trout, Zig Ziglar oder Seth Godin. Aber auch diese Rubrik lebt von kleinen Überraschungen wie dem Meisterwerk „Marketing mit Farben“ von Erich und Fabian Küthe. Hier lernt man, dass Grün in Deutschland für Hoffnung, in Schweden für Neid steht, während der Neid in Brasilien mit der Farbe Gelb in Verbindung gebracht wird. Mit der Folge: Farbpsychologie ist aus der Produktentwicklung längst nicht mehr wegzudenken.

Aber auch Clotaire Rapailles Buch „Der Kultur-Code“ kommt vor. Der französische Psychologe, der in den USA als Marketingspezialist berühmt wurde, untersucht Metaphern und Erzählungen in unterschiedlichen Kulturkreisen, um daraus Kodierungen abzuleiten, die im Verkauf von Produkten berücksichtigt werden müssen.

Die Kategorie „Management“ ist der umfangreichste Abschnitt des Buchs. Wieder trifft man altbekannte US-Stars wie Peter F. Drucker, Robert I. Sutton oder Edward de Bono. Mit Fredmund Malik hat es einer der europäischen Vordenker in die Liste der besten Hundert geschafft. Und das zu Recht. Denn mit seinem Buch "Führen. Leisten. Leben" hat er den Beweis zu erbringen versucht, dass Management genauso erlernt werden kann wie jeder andere Beruf, wie eine Fremdsprache oder eine Sportart.

In den nächsten Wochen stellt das Handelsblatt das wichtigste Buch aus den jeweiligen Rubriken kurz vor. Und damit das Buch nicht zu schnell veraltet, wird ab 2012 eine Jahresliste ins Netz gestellt, in der die zehn besten neuen Wirtschaftsbücher des Jahres stehen - bis zu einer Neuauflage.

J. Covert, P. Felixberger, W. Hanfstein, T. Sattersten: Die 100 besten Wirtschaftsbücher aller Zeiten Murmann, Hamburg 2011, 468 Seiten, 24,90 Euro

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