Dieter Frey im Interview: „Querköpfe werden kaltgestellt“

Dieter Frey im Interview: „Querköpfe werden kaltgestellt“

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Manager sollen sein wie Dirigenten - die Richtung vorgeben und den Einzelnen groß werden lassen

Psychologe Dieter Frey über schnelle Wege an die Konzernspitze und Orchesterdirigenten als Vorbilder.

WirtschaftsWoche: Professor Frey, wie wird man Vorstand in einem deutschen Konzern?

Professor Frey: Bei Top-Führungskräften läuft die Karriere zu 80 Prozent homogen: Studium an einer Universität oder Fachhochschule; anschließend arbeiten viele als Berater oder Vorstandsassistent; sie treffen auf Mentoren und kommen meistens aus der Ober- oder Mittelschicht. Aus dieser rekrutieren sie ein Netzwerk, das auf bestimmte Werte, Normen und Gepflogenheiten setzt.

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Die Vielfalt in Top-Etagen kommt also zu kurz? 

Definitiv. Elite repliziert sich. Querköpfe werden kaltgestellt und arrangieren sich damit. Ein mir bekanntes Dax-Unternehmen stellte einmal bewusst Querdenker ein. Nach sechs Monaten waren 80 Prozent wieder weg.

Müssen sich Berufseinsteiger also anpassen, wenn sie in ihrer Karriere hoch hinaus wollen?

An sich wäre das die beste Strategie. Ich hoffe aber, dass Unternehmen bald umdenken. Wir brauchen neue Führungskräfte in diesem Land, die wissen, wie man Spitzenleistungen und Innovation erzielt.

Weshalb? Führen deutsche Manager schlecht? 

Nicht alle, aber zu viele. Deutsche Unternehmen legen zu wenig Wert auf Innovationen, Entrepreneurship, Kreativität, eine partnerschaftlich orientierte Unternehmenskultur und ethikorientierte Führung. Deutsche Manager gelten im Vergleich zu ausländischen als zu technisch orientiert und zu wenig professionell in der Menschenführung. Wichtig ist, Leistung mit Werten zu verbinden, also Wertschöpfung durch Wertschätzung zu erreichen.

Welche Rolle spielen die Hochschulen dabei? 

Sie bereiten de facto nicht gut auf das spätere Berufsleben vor. Der Theorie-Praxis-Austausch ist minimal. Das liegt zum größten Teil an den Professoren. Viele haben keine Ahnung von der Praxis und ignorieren die Bedürfnisse der Wirtschaft.

Aber die neuen Abschlüsse Bachelor und Master machen die Ausbildung praxisnäher.

Richtig. Aber die Chancen einer Neuorientierung werden nicht genutzt. Ich erlebe wenige innovative Entwürfe, also etwa fachübergreifende Studiengänge. Vereinzelt tut sich was, aber in der Fläche sehen wir lediglich die Fortschreibung des Alten unter neuem Namen.

Jetzt werden Sie sicher sagen, die LMU ist besser.

Wir bieten zum Beispiel Ringvorlesungen für alle Fachrichtungen zum Thema Entrepreneurship sowie mitarbeiterorientierte Unternehmensführung an. Wir holen uns Praktiker in den Hörsaal und lehren den Umgang mit Menschen. Das ist wichtig.

Kann man denn Führung lernen?

Davon bin ich überzeugt. Absolventen können Grundlagen des Umgangs mit Menschen erlernen. Ein Betriebswirt muss wissen, wie er mit einem Chemiker sprechen soll - und umgekehrt. Jeder kann lernen, richtige Fragen zu stellen, die Motive seines Gegenübers zu erkennen, wie man Mitarbeiter zu Höchstleistungen bringt. Nur wer einen Sinn anbietet, kann langfristig Leistung von Mitarbeitern fordern.

Wie sieht die ideale Führungskraft aus?

Wissenschaftler nennen sie „androgyn“. Sie verfügt sowohl über typisch männliche Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke, klares Positionieren und strategisches Denken als auch typisch weibliche Merkmale wie Beobachtungsgabe, Zuhörenkönnen und Empathie. Dieser Manager ist vergleichbar mit einem Dirigenten, der seinem Orchester Orientierung vorgibt, dabei aber den Einzelnen groß werden lässt.

Das klingt aber stark nach Begabung.

Es gibt Menschen, die im innersten Kern ihrer Persönlichkeit Urängste haben oder narzisstisch veranlagt sind. Aber die meisten können an ihren Führungsfähigkeiten arbeiten. Es geht ja um Vermittlung von Wissen und Handlungskompetenzen - und Methoden lassen sich einüben.

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