Digitales Utopia : Abschied von der Privatsphäre - Seite 2

Digitales Utopia : Abschied von der Privatsphäre

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Screenshot der Quelle: dpa
Screenshot der Personensuchmaschine Yasni Quelle: dpa

So gibt es auch gute Gründe dafür, warum zahlreiche Führungskräfte großer Unternehmen bisher nicht allzu häufig in virtuellen Netzwerken zu finden sind. Gewiss, das mag zum Teil ein Generationsproblem sein. Doch es ist auch klug, nicht überall sofort und immer erreichbar zu sein. Wenn ein CEO etwa selbst twittert, gewinnt er so noch lange keine Glaubwürdigkeit. Aber er macht sich verfügbar und schürt die Erwartung, dass er persönlich antwortet. Ansonsten enttäuscht er und schadet seinem Image und womöglich auch noch dem seines Unternehmens.

Und umgekehrt: Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jeden Tag von ihren Kunden, Dienstleistern oder Mitarbeitern Hunderte von E-Mails via Skype, Twitter oder Facebook erhalten würden?

Zu viel Nähe kann den Einzelnen schnell überfordern und das Streben nach Abgrenzung vom öffentlichen Mob fördern. Ich meine, Öffentlichkeit um jeden Preis ist keine Tugend. Vielmehr stellt Abgrenzung auch einen wichtigen Schutzmechanismus dar, der etwa Managern hilft, ihre primären Aufgaben konzentriert zu erfüllen, statt sich alle paar Sekunden unterbrechen zu lassen. Mehr noch: Wie glaubwürdig oder seriös wirkt eine Führungskraft noch, die ständig mailt, chattet oder twittert, statt verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und zu exekutieren?

Manchmal ist Zurückhaltung zwingend notwendig

In der totalen Transparenz erfahren wir alles über einen Menschen: persönliche Schwächen, Vorlieben, Ängste und Krankheiten. Doch wenn das Private völlig offen zugänglich ist, verliert es seine Bedeutung und verkleinert die Entscheidungsspielräume des Einzelnen. Schließlich müsste dieser jeden Schritt austarieren und sich überlegen, wie er sich auf seine Karriere, sein Unternehmen oder seine Beziehungen auswirkt.

Zwar inszenieren bereits manche Manager und Politiker ihr privates Leben öffentlich, doch Authentizität ist etwas anderes. Glaubwürdigkeit gewinnen Entscheider nicht dadurch zurück, dass sie sich ins Glashaus setzen. Vertrauensvolle Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitern können Manager nur durch konkretes Handeln im Unternehmensalltag aufbauen und allenfalls mit einer dosierten Transparenz würzen.

Wir sollten nicht den naiven Fehler begehen, ungesichert und bar jeder Vernunft in die „Google-Schlacht“ zu ziehen. Aufmerksamkeit um jeden Preis wirkt nur effekthascherisch. Manchmal ist ein wenig Zurückhaltung nicht nur vornehm, sondern auch zwingend notwendig, um unsere persönlichen Interessen zu schützen.

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11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.04.2009, 20:09 UhrAnonymer Benutzer: Hans Kolpak

    Vielleicht habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Es gibt Menschen, die aus der Anonymität heraus sich schlecht benehmen. Sie nehmen sich Freiheiten heraus, die sie sich unter bürgerlichem Namen nicht getrauen würden.

    Da ist noch ein interessanter Aspekt: ich habe Menschen erlebt, die in einem Diskussionsforum mächtig auf den Putz gehauen haben, sogar gelogen und betrogen haben. Am Telefon oder in der persönlichen begegnung waren sie kleinlaut oder unscheinbar.

    Mir geht es nicht um das Für und Wider von Pseudonymen oder Künstlernamen, sondern um gutes und schlechtes benehmen, um die Phantasien und Rollenspiele. Wir diskutieren ja auch nicht über Schauspieler, oder?

    Hans Kolpak
    Single mal wieder!

  • 21.04.2009, 14:07 UhrAnonymer Benutzer: Sami

    Es ist tatsächlich so, dass das weltweite Datennetz immer mehr ein Global Village erzeugt. Früher konnte man in eine neue Stadt ziehen ohne dabei unbedingt sein "altes" Leben mitnehmen zu müssen. Heute kann man auf eine insel im Pazifik ziehen und trotzdem ist man nicht so ganz weg. Das internet ist eben überall. irgendwie eine gruselige Vorstellung, dass dies in Zukunft noch verstärkter so sein wird. Umso wichtiger wird es auf seinen eigenen Ruf im internet zu achten. Gerade in beruflicher Hinsicht wird dies immer wichtiger. Vor kurzem habe ich einen interessanten Dienst gefunden, der sich speziell um den Ruf von bewerbern im internet kümmert: http://www.prestigeprotector.com. in Zukunft werden wir, ob wir es wollen oder nicht, unsern Ruf im Netz pflegen müssen.

  • 21.04.2009, 13:52 UhrAnonymer Benutzer: am_ck

    als recruiter einer softwarefirma kann ich nur bestätigen, wie wichtig es ist, mit seinen daten im internet sorgsam umzugehen. wir "googlen" JEDEN kandidaten - und gibt es unseriöse bilder, kommentare, homepages etc. ist der kandidat gleich auf der abschussliste.

    gerade informatikstudenten müssten es besser wissen!

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