kolumneDoppelrolle: Alt kommt gut

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Wann sollten Karrierefrauen ein Kinder bekommen?

Kolumne von Nicole Beste-Fopma und Lydia Hilberer

Warum Karrierefrauen besser spät Kinder bekommen sollten.

Im Februar kam in Hamburg ein Junge zur Welt. Seine Eltern, beide Akademiker, waren vor der Geburt des Nachwuchses beide berufstätig. Eigentlich nicht besonderes, denn es werden täglich viele Kinder geboren. Ungewöhnlicher ist dann schon, dass es der Vater ist, der sich ganz der Aufzucht seines ersten und bislang einzigen Kindes widmet. Die Mutter geht weiterhin arbeiten.

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Ein Trend? Vielleicht. Ein Vorbild? Eher nicht.

Der Kindserzeuger ist stolze 68 Jahre alt, längst Pensionär. Und befindet sich in prominenter Gesellschaft: Charlie Chaplin war 73, als er noch mal Vater wurde. Jean Pütz 74 und Anthony Quinn hatte es mit stolzen 81 Jahren noch drauf.

Noch sind frisch gebackene 68-jährige Väter Ausnahmen. Doch es gibt einen deutlichen Trend zur späten Vaterschaft. Bereits jetzt hat jedes 20. Kind einen Vater über 50. Nicht selten sind dies Männer, die in ihrem ersten Leben Karriere gemacht haben und vor lauter Arbeiten nicht mitbekommen haben, wie ihre Kinder sich vom Baby zum jungen Erwachsenen entwickeln. Was man mit der ersten Frau verpasst hat, wird eben mit der zweiten nachgeholt.

Was diesen Männern recht ist, könnte Frauen nur billig sein: Social Freezing heißt der Trend, bei dem Frauen in jungen Jahren Eizellen einfrieren, um mit 50plus topfitte Nachkommen auszutragen. Als das Sahnehäubchen der Gleichberechtigung preisen viele Frauen diese Möglichkeit an, den Zeitpunkt des Kinderkriegens deutlich über die natürliche biologische Grenze hinaus zu verschieben. Endlich könnten auch Frauen erst ihre beruflichen Ambitionen ausleben. Und erst dann Mutter werden, wenn Karriere und finanzielle Unabhängigkeit in trockenen Tüchern sind.

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Eine Errungenschaft? Ganz im Gegenteil. Es ist ernüchternd, zu sehen wie wir lieber die Genetik auf den Kopf stellen als uns ernsthafte Gedanken zu machen, wie wir die Rahmenbedingungen in Unternehmen und Gesellschaft ändern sollten, um mehr Frauen und Männern die Chance auf eine späte Karriere offen zu halten. Wie in Trainee- Programmen für Chemiker, Biologen und Programmierer, deren Know-how Unternehmen nach langer beruflicher Auszeit wieder auf den aktuellen Stand bringen. Wie einige Banken, die inzwischen verstärkt Ausschau halten nach Auszubildenden jenseits der Vierzig und somit Müttern und Vätern den beruflichen Neustart nach dem Kinderkriegen möglich macht. Andere Unternehmen wiederum definieren Elternzeit gar als Karrierebaustein – so wie einen Auslandsaufenthalt oder die Erfahrung in einem Projekt.

Zurecht. Denn Elternzeit und Kindererziehung bieten die besten Voraussetzungen, um es in den Disziplinen Organisieren, Netzwerken und Nerven bewahren zur Meisterschaft zu bringen. Denn klar ist: 50jährige, die den nächtlichen Terror am Babybett überstehen, haben allemal die Kraft, beruflich durchzustarten!

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