Doppelrolle: Mehr arbeiten, weniger Pekip

kolumneDoppelrolle: Mehr arbeiten, weniger Pekip

Kolumne von Nicole Beste-Fopma und Lydia Hilberer

Zu viel Frühforderung schadet nicht nur dem Kind und hält Frauen auch davon ab, rasch wieder in den Beruf zurückzukehren.

Fragt man Eltern danach, was das Wertvollste im Leben ist, antworten sie meist: unsere Kinder. Natürlich darf es den Goldschätzen auch an nichts fehlen. Sie sollen glücklich sein, sich gut entwickeln und später Karriere machen. Damit das auch ja nicht schief geht, wird das Projekt Kind generalstabsmäßig durchgeplant – gut genügt nicht, der Nachwuchs muss perfekt werden – auch, weil er immer später kommt: Frauen werden heute durchschnittlich mit 31 Jahren erstmals Mutter. Rund jeder zweite Vater ist bei der Geburt des ersten Kindes schon über 35 Jahre alt – da muss jeder Schuss sitzen. Viele dieser Eltern sind außerdem gut ausgebildet, haben jahrelang Berufserfahrung gesammelt und herausfordernde Aufgaben erledigt. Jetzt widmen sie sich mit demselben Ehrgeiz ihrem Kind - „the project“.

Also wird der Nachwuchs bereits im Mutterleib systematisch mit klassischer Musik beschallt. Mit drei Monaten geht es ins Babyschwimmen und zum Pekip – das hehre Ziel des Prager-Eltern-Kind-Programms: „Eltern und Babys im sensiblen Prozess des Zueinanderfindens zu unterstützen“. Macht das Kind Anstalten zu sprechen, wird es umgehend mindestens zum Englischunterricht geschickt, oder besser gleich zum Chinesisch-Drill bei einer muttersprachlichen Nanny. Es folgt die Kita mit zweisprachiger Betreuung, frühkindlicher musischer, kreativer, technischer und naturwissenschaftlicher Förderung. Dazu bekommen die lieben Kleinen Unterricht in den drei großen Bs: Ballett, Blockflöte, Backen, werden zwischen Fußballfeld, Hockeyplatz und Reiterhof nahtlos  hin und her kutschiert, damit im letzten verfügbaren Wochenstündchen auch die Kinderkunstschule noch Platz hat. Geld spielt keine Rolle – bei einer Geburtenrate von 1,36 % pro Frau darf man sich definitiv keinen Ausschuss leisten. Au-Pairs sind im Dauereinsatz, und  Mami wird auf Teilzeit reduziert – oder über Jahre gleich ganz aus dem Job genommen.

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Fakt ist jedoch, dass eine überzogene Förderung für Kinder nicht förderlich ist. Ein volles frühkindliches Programm ist tödlich für jede Kreativität, davon ist auch Philosoph Richard David Precht überzeugt. Und die aus dem Förderungszirkus entstandene Generation Y wollen beim Berufseinstieg umhegt und umsorgt sein – und müssen mit viel Mühe erst einmal in der Realität ankommen.

Arbeitswelt Die Lüge von den unzufriedenen Eltern

Kinder machen unglücklich, behaupten manche Sozialforscher. Das ist Unsinn. Denn nicht die Kinder, sondern der arbeitsbedingte Verzicht auf Zeit mit ihnen setzt Mütter und Väter unter Stress.

Aufmacher Familienglueck Quelle: dpa

Fakt ist auch, dass das in Deutschland so beliebte Zuverdienermodell – Vater arbeitet in Vollzeit, Mutter in Teilzeit, oft in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen – ökonomischen Schaden anrichtet. Wenn Ärztinnen, Architektinnen, Ingenieurinnen oder Germanistinnen nach jahrelangem Studium und gegebenenfalls erster Berufserfahrung jahrelang nur noch den Fahrdienst für die lieben Kindlein organisieren oder bestenfalls nebenher noch stundenweise Reiki-Unterricht geben oder Yogakurse anbieten statt weiterhin Kranke zu heilen, Baustellen zu leiten oder PR-Kampagnen zu planen, dann geht die Arbeitskraft der gut ausgebildeten und leistungsfähigen Mütter dem Bruttoinlandsprodukt verloren. Und die Frauen selbst setzen ihre unabhängige Existenz aufs Spiel.

Macht Schluss mit der selbstverordneten Ein-Kind-Politik: Von drei oder vier Sprösslingen wird es einer schon schaffen mit der Karriere, auch ohne Frühförderungsgedöns. Lasst die Biologie für euch arbeiten – dann können auch die Mütter schneller zurück in den Job, für den sie schließlich viele Jahre gelernt und studiert haben.

 

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