Eine Frau für den Vorstand: Bahnchef Grube sendet das falsche Signal

KommentarEine Frau für den Vorstand: Bahnchef Grube sendet das falsche Signal

von Ferdinand Knauß

Die Deutsche Bahn steht unter dem Druck der Quotenpropaganda, eine Frau als Technikvorstand zu berufen. Ein Lehrstück der Dominanz der Ideologie über die Vernunft.

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Bahn-Chef Grube will, so berichtet die "Welt", den neuen Vorstandsposten unbedingt mit einer Frau besetzen.

Die Bahn erweitert den Vorstand. Es soll einen eigenen Posten für Technik geben. Bisher ist Vorstandsmitglied Volker Kefer dafür zuständig - neben Infrastruktur und Dienstleistung. Technische Fragen und Entscheidungen sind Bahnchef Rüdiger Grube, selbst Ingenieur, zu wichtig um sie in Teilzeit erledigen zu lassen, heißt es. Es gibt ja auch auf beiden Feldern - Stuttgart 21 und die Schwierigkeiten der Zuglieferanten lassen grüßen - wahrlich genug zu tun. Soweit, so vernünftig. Bis hierhin ist das eine Unternehmensmeldung.

Nun stellt sich Grube, als hätten er und die Deutsche Bahn nicht genug Probleme, für diese Personalie aber offenbar eine Vorgabe, die ein Licht wirft auf die Situation nicht nur des Staatsunternehmens, sondern der gesamten Gesellschaft. Grube will nämlich, so berichtet die "Welt", den neuen Vorstandsposten unbedingt mit einer Frau besetzen. Er suche gezielt nach einer passenden Kandidatin mit Ingenieurs- und Managementerfahrung. Von dem halben Dutzend Kandidaten seien mehr als die Hälfte Frauen, will die Zeitung aus Bahnkreisen wissen. Grube gehe es darum, als Staatskonzern ein deutliches Signal der Gleichstellung der Geschlechter zu senden, schreibt die Zeitung.

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Im publizistischen Lärm des Dauerfeuers der Quotenpropaganda, das seit einiger Zeit unaufhörlich auf die Gesellschaft (inklusive Rüdiger Grube) einschlägt, geht vermutlich unter, wie empörend diese Nachricht ist. Zunächst einmal die rein wirtschaftliche Perspektive: Da glaubt also ein Konzern, der wie kaum ein anderer in Deutschland mit öffentlich wahrnehmbaren und immer wieder höchst skandalträchtigen technischen Problemen zu kämpfen hat, ausgerechnet bei der Besetzung des höchsten Technikerpostens einem anderen Bewerbungskriterien als der Qualifikation hohes Gewicht einräumen zu können. Wie kommt Grube, ein Ingenieur und Manager, auf die Idee, dass er ein "Signal" in einer gesellschaftlichen Frage zu senden habe? Sieht er sich nun zum Sozial-Ingenieur berufen? Die meisten Bürger und Bahnkunden wären wohl zufrieden, wenn der studierte Fahrzeugbauer bei seinen Schienen bliebe.

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Quelle: dpa

Grubes Frauensuche zeigt, wie mächtig und wirksam öffentlicher Druck sein kann. Wo kommt der eigentlich her, fragt man sich. Hat Grube Briefe von Alice Schwarzer und Ursula von der Leyen bekommen? Oder macht er sich den Druck selbst, weil er angesichts der fehlenden Weiblichkeit in seinem Vorstandskreis um das Prestige seines Unternehmens fürchtet? Wer regelmäßig Management-Ratgeber, Wirtschaftsmedien und McKinsey-Studien liest, muss schließlich den Eindruck haben, dass Unternehmen ohne Frauen an der Spitze dem Untergang geweiht sind. Dass die rein ökonomischen Begründungen - Frauen befördern unmittelbar den Unternehmenserfolg - sämtlich auf wissenschaftlich höchst wackligen Beinen stehen, bekommt ein vielbeschäftigter und mit den Finessen sozialwissenschaftlicher Pseudo-Forschung unvertrauter Leser dabei nicht mit.

Wahrscheinlich sind Staatskonzerne und andere öffentliche Institutionen, man denke nur an die quotenfreudigen Universitäten und öffentlich-rechtlichen Sender, besonders eifrig beim Senden wohlgemeinter gesellschaftlicher Signale, weil sie es sich leisten können, die Qualifikation hintanzustellen. Der Steuerzahler kommt für die Political-Correctness-Prämie schließlich auf.

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Vielleicht hat sich Grube auch einfach nur am politischen Betrieb orientiert, mit dem sein Staatskonzern bis auf Weiteres unauflösbar verbunden ist. Denn Stellenbesetzungen nach Herkunftskriterien und allen möglichen "Proporzen" sind im politischen Macht- und Ränkespiel altbekannt und unverzichtbar. Vor jeder Aufstellung von Landeswahllisten müssen Parteien dafür sorgen, dass der Kreisverband mit einer angemessenen Kandidatenzahl vertreten ist und bei jeder Regierungsbildung schachern Parteien und ihre Landesverbände darum, dass sie bei der Besetzung der lukrativen Posten für Parlamentarische Staatssekretäre gut versorgt werden, die wiederum einen ganzen Rattenschwanz von schönen Pöstchen hinter sich herziehen können. Das trägt nicht zur Effizienz geschweige denn zur moralischen Integrität des politischen Betriebes bei. Aber es geht vermutlich nicht anders.

Bei Unternehmen ginge es sehr wohl anders. Sie sind keine Tendenzbetriebe mit gesellschaftlichem Veränderungsauftrag, sondern sollten im Dienste ihrer Eigner, Mitarbeiter und Kunden möglichst effizient funktionieren. Das einzige Kriterium bei der Personalauswahl sollte die Qualifikation der Bewerber sein - unabhängig vom Geschlecht oder sonstigen völlig irrelevanten persönlichen Eigenschaften. Von Grubes ideologischer Beeinflussbarkeit werden weder die Bahn noch die deutsche Gesellschaft oder die Frauen in Deutschland profitieren. Sondern nur eine einzige.

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