Einwanderung: Die Bertelsmann-Studie ist fragwürdig

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KommentarEinwanderung: Die Bertelsmann-Studie ist fragwürdig

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Hauptsitz der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh.

von Ferdinand Knauß

Die Bertelsmann Stiftung sorgt mit einer Studie über das Bildungsniveau von Einwanderern und die fiskalischen Folgen für Aufsehen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich: Die Ergebnisse sind wenig glaubwürdig.

Neueinwanderer sind gebildeter als die Deutschen, meldet die Bertelsmann Stiftung. Das lässt natürlich aufhorchen. 43 Prozent der Neuzuwanderer zwischen 15 und 65 Jahren brachten im Jahr 2009 einen Hochschul-, Meister- oder Technikerabschluss mit. Das ist nicht nur ein fast doppelt so hoher Anteil wie noch im Jahr 2000 (23 Prozent), sondern sogar mehr als in der deutschen Bevölkerung.

Die Bertelsmann-Stiftung weiß, wie man aufsehenerregende Nachrichten mit scheinbar wissenschaftlich unumstößlichen Wahrheiten fabriziert - und ihre Konzepte darin attraktiv einpackt. Dass sie eine Agenda mit dem Ziel der Erhöhung des Arbeitskräfteangebots mittels Einwanderung verfolgt, ist kein Geheimnis.

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Umso mehr ist Skepsis gegenüber den von ihr in Auftrag gegebenen Studien also angebracht. Und zunächst ein Blick auf das "Konzept", das mit der Studie einhergeht: Trotz aktueller Einwanderungsrekorde - 2012 zogen über eine Million Menschen nach Deutschland- fordert die Stiftung eine „strategische Neuausrichtung“ der Einwanderungspolitik.  "Wir schaffen eine rechtliche Ausnahme nach der anderen, anstatt Einwanderung als erwünscht und normal zu betrachten", sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Um dauerhaft mehr „Fachkräfte“ ins Land zu locken, empfiehlt die Stiftung neue Einwanderungsregeln, ein reformiertes Staatsbürgerschaftsrecht und „bessere Willkommens- und Anerkennungskultur“.

32 Prozent mehr Deutschland hat so viele Zuwanderer wie lange nicht

Im vergangenen Jahr sind 369.000 Menschen mehr nach Deutschland gekommen, als fortgezogen sind. Das ist der höchste Wert seit 1995. Die meisten Zuwanderer kommen aus den Krisenstaaten der EU.

Die gute Beschäftigungslage in Deutschland lockt viele Zuwanderer aus Südeuropa. Quelle: dpa

Das Konzept unterscheidet vier Typen von Einwanderern: Hochqualifizierte, Fachkräfte in Mangelberufen, Bildungszuwanderer und temporäre Fachkräfte. Die ersten beiden Gruppen sollen eine "Schwarz-Rot-Gold-Karte" beantragen können. Sie soll nach einem Punktesystem vergeben werden, das die Qualifikation des Einwanderers und den Bedarf des deutschen Arbeitsmarkts berücksichtigt. Die "Schwarz-Rot-Gold-Karte" bedeutet eine unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung und stellt eine zügige Einbürgerung in Aussicht. Die anderen beiden Gruppen, Bildungszuwanderer und temporäre Fachkräfte, sollen eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erhalten, deren Gesamtzahl flexibel zu steuern ist. Für Studierende mit Perspektive auf einen dauerhaften Verbleib in Deutschland sollte die Aufenthaltsgenehmigung unkompliziert zu verlängern sein.

Unerwähnt bleiben gering oder gar nicht qualifizierte Einwanderer. Weder die ebenfalls neue Rekorde verzeichnende Asylbewerber-Zahl noch jegliche andere Form der Einwanderung in die Sozialsysteme spielt darin eine Rolle. Ein umfassendes Konzept für eine neue Einwanderungspolitik muss aber auch die Realität akzeptieren, dass genau diese Einwanderer es sind, die den Einheimischen (inklusive der integrierten Ex-Einwanderer) Sorgen bereiten. In der Vorstellungswelt der Bertelsmann-Stiftung ist zwar von Willkommens- und Anerkennungskultur die Rede. Jedoch fehlt darin jeder Gedanke daran, dass es eine „Arbeitsmigration“ nicht gibt, weil nicht irgendein „Fachkräftepotenzial“ einwandert, sondern Menschen mit kulturellen Prägungen und dass sie nicht in eine Volkswirtschaft einwandern, sondern in eine Gesellschaft, die aus anderen Kulturwesen besteht, deren Leben sich nicht in der Erzeugung des Bruttoinlandsprodukts erschöpft. Diese kulturellen Kosten oder Gewinne von Einwanderung kann man nicht ökonometrisch berechnen, aber sie gehören doch in die Gesamtrechnung einer verantwortungsvollen Einwanderungspolitik.  

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