Entzauberte Mythen: Alter schützt vor Torheit nicht

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Wem würden Sie Ihr Geld anvertrauen? Setzen Sie auf Erfahrung oder Jugend?

Kolumne

Langjährige Erfahrung muss nicht immer gut sein. Manchmal führt sie auch zu mehr Fehlentscheidungen - zum Beispiel im Bereich Finanzen.

Welchem Anlageberater vertrauen Sie mehr: einem 25-Jährigen, der gerade seine Ausbildung abgeschlossen hat – oder einem 60-Jährigen, der alle Kursausschläge der vergangenen 40 Jahre miterlebt hat? Wenn Sie so ticken wie die meisten Menschen, verlassen Sie sich auf den finanziellen Weitblick, der über Jahre gewachsen ist. Denn wer viel erlebt hat, konnte schon zeigen, dass er selbst harte Börsenzeiten überstehen kann.

Doch Erfahrung, Wissen und langjährige Praxis sind nur die eine Seite der Medaille. Um profitable Finanzentscheidungen zu treffen, sind Gefühle genauso wichtig wie rationales Denken. Untersucht man nämlich, worauf es im Gehirn von erfolgreichen Finanzakteuren ankommt, stellt man fest, dass es tatsächlich so etwas wie eine Signatur des Börsenerfolgs im Gehirn gibt.

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Dabei hilft eine moderne Methode. Dank des sogenannten Hyperscannings konnte man bei mehreren Personen gleichzeitig messen, was im Gehirn vor sich geht, wenn sie in einem interaktiven Börsenspiel miteinander handelten. Interessanterweise kam es in allen Laborstudien zu Übertreibungen und anschließenden Kurseinbrüchen.

Doch die erfolgreichsten Anleger zeigten eine besondere Hirnaktivität. Kurz bevor die Kurse einbrachen, war jener Teil ihres Gehirns aktiv, der ein negatives Gefühl der Verlusterwartung auslöste: die Inselrinde, die negative Affekte und Vermeidungsverhalten verursacht. Weniger wissenschaftlich ausgedrückt: Ihnen wurde es zu heikel, und sie stiegen aus – genau rechtzeitig.

Um an der Börse erfolgreich zu sein, muss das Gehirn zweierlei schaffen. Zum einen muss es von der Aussicht auf Gewinn motiviert werden. Das ist nicht schwer, die Belohnungsregion im limbischen System sorgt bei jedem Menschen für diesen eingebauten Antrieb. Zum anderen müssen wir rechtzeitig skeptisch werden. Genau diese Vorsicht wird von der Inselrinde gesteuert. Sie richtet dazu gewissermaßen ein Warnsignal an unser bewusst denkendes Stirnhirn: Vorsicht, gleich könnte es bergab gehen!

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Das Problem ist bloß: Je älter wir werden, desto schwächer wird dieser Warnruf im Gehirn weitergeleitet, weil sich die Nervenfasern im Laufe des Lebens umstrukturieren. Im Vergleich zu jüngeren Testpersonen treffen deswegen ältere Menschen über 60 schlechtere Finanzentscheidungen, wenn sie sich in einem riskanten Marktumfeld befinden und beispielsweise in einem Börsenspiel mit Aktien handeln. In einem risikoärmeren Anleihemarkt sind sie unter Laborbedingungen hingegen genauso gut wie die jungen Probanden. Je älter man wird, desto schwerer fällt es dem Gehirn, im richtigen Moment auszusteigen.

Das soll jetzt natürlich nicht bedeuten, dass ältere Anleger generell immer schlechter wären als jüngere. Denn natürlich kann man seine langjährige Erfahrung nutzen, um dieser Denkfalle des Gehirns zu entkommen. Am wichtigsten dabei ist: Machen Sie sich klar, wann und wie Gewinne überhaupt erst entstehen – nämlich dann, wenn sie aus dem Markt aussteigen.

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