Expat: Fruchtbare Gegensätze in Spanien

Expat: Fruchtbare Gegensätze in Spanien

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Detlef Reiß ging zu Airbus Military nach Madrid

Detlef Reiß, 43, ist Manager Integrated Logistic Support bei Airbus Military in Madrid.

Spanien als Urlaubsland ist mit dem Spanien, in dem man als Deutscher längere Zeit mit der Familie lebt und arbeitet, nur bedingt zu vergleichen. Während ich als deutscher Urlauber stets die große Freundlichkeit und Herzlichkeit der Spanier Fremden gegenüber genossen habe und auch weiterhin genieße, musste ich lernen, dass diese doch relativ oberflächlich ist und oft nur für ein Gespräch in einer Bar reicht, aber selten weiter. Der Austausch von Telefonnummern oder eine lose Verabredung auf ein Wiedersehen haben keinerlei Bedeutung und sollen wohl nur den Abschied erleichtern. Es ist nicht einfach, in Spanien echte Freundschaften zu schließen.

Auch im Büroalltag zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Deutschen und Spaniern, insbesondere im Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Spanier verlassen sich sehr stark auf ihren Chef. Das eigenverantwortliche Handeln ist hier weniger ausgeprägt als in Deutschland, allerdings vonseiten der spanischen Chefs auch nicht wirklich gewünscht. Dies hat vielleicht auch damit zu tun, dass in Spanien eine Karriere hauptsächlich durch Beziehungen zustande kommt. Leistung hat hier definitiv nicht denselben Stellenwert wie in Deutschland. Dabei gibt es viele kluge Köpfe. Aber die eingesessene Eliteschicht Spaniens macht es diesen schwer, in eine leitende Position zu kommen, wenn sie nicht den richtigen familiären Hintergrund haben.

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Für Expats ebenfalls ungewohnt ist der zum Teil chaotischere Ablauf von Besprechungen. Das fängt bei den Zeitplänen an: Kaum jemand kommt pünktlich. Sind dann alle da, wird erst einmal über Privates geredet. Zudem gibt es bei Meetings selten eine Agenda, sie erinnern eher an ein Brainstorming. Doch zugegeben: Dieses Vorgehen bringt überraschend positive Ergebnisse! Die Kehrseite: Nicht so kommunikative Menschen haben es im spanischen Geschäftsleben enorm schwer. Wer ruhig und bedacht ist, wird schnell als komisch abgestempelt. Hier redet man halt auch beim Geschäftemachen über viele Dinge, die nichts mit Business zu tun haben. Wer damit Probleme hat, wird mit den Spaniern nicht wirklich warm.

Gewöhnungsbedürftig für Deutsche ist ebenso, dass Spanier nicht zum Punkt kommen oder auch nicht immer die ganze Wahrheit sagen. Es werden häufig Zusicherungen gemacht, die am Ende nicht eingehalten werden können. Bei meiner Zusammenarbeit mit spanischen Managern auf gleicher Ebene habe ich außerdem erfahren, dass man sich mit einer Ergebniskontrolle gemeinsam gesteckter Ziele und Aufgaben wenig Freunde schafft. Weil ich in puncto Zuverlässigkeit und strukturiertem Vorgehen ziemlich deutsch bin, prallen da manchmal Welten aufeinander. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass die Spanier es schätzen, bei einem Deutschen zu wissen, woran sie sind und dass sie sich auf einmal gemachte Zusagen verlassen können. In der praktischen Zusammenarbeit passen die spanische Flexibilität und Kreativität mit dem strukturierten deutschen Denken zwar auf den ersten Blick nicht zusammen, aber die Resultate sind überraschend positiv, auch wenn der Weg dorthin manchmal nervenaufreibend sein kann.

Überraschend war für mich umso mehr die Rücksichtslosigkeit der Spanier im Straßenverkehr. Fußgänger und Radfahrer sind oft Freiwild. An Zebrastreifen wird nur angehalten, wenn sich der Fußgänger todesmutig sein Recht erkämpft und forschen Schrittes die Straße überquert. Selbst Fußgängerampeln werden kaum berücksichtigt: In meinen ersten Wochen in Madrid wurde ich beim Joggen an einer grünen Fußgängerampel fast überfahren. Seitdem bin ich vorsichtiger. Dass man als Autofahrer mit Rücksicht auf sein eigenes Heck besser nicht bremst, wenn die Ampel von Grün auf Rot schaltet, musste ich ebenfalls lernen.

Andererseits durften wir auch schon die Hilfsbereitschaft der Spanier erfahren: Meine Frau hatte kürzlich einen Unfall. Eine am Unfall unbeteiligte Frau kümmerte sich sofort und rührend um unseren Sohn und opferte ihre Zeit, sodass meine Frau sich um die Abwicklung der Formalitäten mit der Polizei kümmern konnte. Zum Schluss bot die Dame noch an, Frau und Sohn nach Hause zu fahren, da unser Auto abgeschleppt werden musste. Ein anderer Passant bot sein Handy an, um die Polizei und den Krankenwagen zu rufen. Schließlich kam noch ein Vater mit seinem Sohn zur Unfallstelle. Sie hatten den Unfall vom Auto aus gesehen und brachten nun von zu Hause für unseren Sohn etwas zu essen und zu trinken. Klasse!

Wer nach Spanien zieht, sollte sich unbedingt vorher über den Mietmarkt informieren. Das Angebot ist hier viel geringer, da Spanier Immobilien überwiegend kaufen statt mieten. Einen Schock habe ich bei den Mietpreisen in Madrid bekommen: Obwohl ich aus München komme – auch nicht gerade ein günstiges Pflaster –, muss man trotz schlechterer Bauqualität mit 25 Prozent mehr Miete rechnen. Für ein Reihenhaus am Madrider Stadtrand liegt der Preis gegenwärtig bei rund 2300 Euro Kaltmiete pro Monat. Besonders ärgerlich: Die Mieten sind hier häufig auf fünf Jahre an den Lebenshaltungsindex IPC gebunden und erhöhen sich so mit schöner Regelmäßigkeit – im vergangenen Jahr über vier Prozent! Kaufen ist übrigens nicht günstiger. Und das, obwohl die Einkommen der Spanier oft deutlich niedriger sind als die der deutschen Expats.

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