Familie und Beruf: Väter machen mit Kindern Karriere

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Familie und Beruf: Väter machen mit Kindern Karriere

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Andreas Steinert

Unternehmen: Allianz

Position: Leitender Angestellter

Kinder: 3

Elternzeit: 6 Monate

Machte während der Elternzeit den MBA, die Gebühren zahlte die Allianz

Wechsle Windeln und rede darüber: Manager entdecken ihre Kinder als Karriere-Turbo. Die neue Väterförderung der Unternehmen macht’s möglich.

Normalerweise sind Karrieregespräche eine große Sache. Man nimmt sich viel Zeit, schlüpft in schicke Business-Kleidung, bereitet sich vor auf Themen aller Art: Small Talk, Ziele, Zahlen, Fähigkeiten. Normalerweise.

Das Gespräch, das Marcus Cziomer mit seinem Chef führte, dauerte genau zwei Minuten. Der Technologieberater war kurz zuvor Vater geworden und wollte mit seinem Vorgesetzten über seine Entwicklungsmöglichkeiten bei Hewlett-Packard sprechen. Cziomers Ziel: seinen Chef davon zu überzeugen, ihm zwei Monate Elternzeit zu genehmigen. Der 30-Jährige hatte sich alle Argumente zurechtgelegt und war auf eine längere Diskussion mit seinem Boss eingestellt. Der aber wollte sich auf lange Wortwechsel gar nicht erst einlassen: „Das solltest du auf jeden Fall tun“, sagte er sofort, nachdem Cziomer seinen Wunsch geäußert hatte. „Das hilft dir!“

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Cziomers Chef sollte recht behalten. Nach der Elternzeit flutschte es mit der Karriere des Ingenieurs. Bereits einen Monat nach seiner Rückkehr, im Oktober 2011, stieg er vom Projektmanager zum Consultant auf. Weitere zwei Monate später übernahm er zusätzlich Verantwortung als Leiter von Marketingprojekten.

Wichtiger Stellenwert

Auch nach seiner Rückkehr zur Vollzeit behält die Familie einen wichtigen Stellenwert für Cziomer. „Ich merke, wie ich durch die Zeit mit meinem Kind reifer und effizienter werde“, sagt er. „Das bringt sicherlich auch Pluspunkte für meine Karriere.“

Eine Haltung, mit der er bis vor Kurzem noch als Exot gegolten hätte – und bei seinen Vorgesetzten wohl auf Unverständnis gestoßen wäre. Heute aber befindet sich Cziomer in bester Gesellschaft, reitet auf der neuen Welle der Superväter, die derzeit Deutschlands Wirtschaft erfasst.

Klaviervorspiel statt Meeting

Zwar behauptet laut „Europäischem Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit“, für den das Institut der deutschen Wirtschaft Ende 2009 rund 5000 Geschäftsführer oder Personalverantwortliche in sechs Ländern befragt hat, in Deutschland nur rund jedes sechste Unternehmen von sich, Väter zu mehr Familienengagement zu ermuntern – in Großbritannien lag der Anteil bei 61 Prozent, in Schweden bei 55 Prozent, in Frankreich bei 30 Prozent. Und auch in puncto Elternzeit hinken Männer hierzulande hinterher: Nur jeder vierte Vater nutzt den Erziehungsurlaub, bleibt im Schnitt etwas mehr als drei Monate nach der Geburt eines Kindes zu Hause.

Doch auch wenn die Statistik zumindest im europäischen Vergleich eine klare Sprache spricht und das Gros der berufstätigen Mütter über dieses vergleichsweise überschaubare familiäre Engagement der Väter in Deutschland vermutlich nur müde lächelt, wird eine Entwicklung in zahlreichen Unternehmen immer deutlicher: Auf den Firmenfluren und in Führungszirkeln outen sich Manager inzwischen regelmäßig als engagierte Familienväter – und punkten damit für den Aufstieg.

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