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Folge 1: Gründertagebuch: Darauf einen Espresso - Etappensiege, Rückschläge und Bürokratie

von Redaktion: andreas.grosse-halbuer@wiwo.de

Drei Freunde – ein Traum: Sie wollen ein Unternehmen gründen und brasilianischen Espresso in Europa verkaufen. Einer von ihnen, der Wirtschaftsingenieur Ozan Taner, kündigt dafür seinen Job als Berater bei Roland Berger und baut das Startup auf.

Die anderen beiden, die Kaufleute Wolfgang Rüth und Niels G., unterstützen ihn derweil mit ihren Gehältern. Sechs Monate später kommt auch Rüth als Geschäftsführer an Bord der Berliner Moema Espresso Republic GmbH. Niels G. bleibt noch angestellt und möchte deshalb namentlich nicht genannt werden. Für die WirtschaftsWoche führt Taner exklusiv ein Gründertagebuch, schreibt über Etappensiege, Rückschläge und Bürokratie. 15. August 2003 São Paulo, Brasilienbüro von Roland Berger. Ich feiere Abschied von meinen Kollegen. Vier spannende Jahre Beratung liegen hinter mir, Zeit für ein Sabbatical. Ich möchte mir endlich einen Traum erfüllen: eine Reise rund um die Welt. Nur mein Rucksack und ich. Silvester 2003 Tausende Kilometer und viele Erfahrungen später treffe ich mich auf einer brasilianischen Insel mit zwei guten Freunden. Wolfgang arbeitet wie ich in São Paulo, Niels in Kopenhagen. Auch sie haben viele Jahre als Berater auf dem Buckel, auch sie wollen was anderes machen. Am liebsten etwas Eigenes aufbauen. Wir haben in unseren Projekten viele Unternehmen voran- gebracht – warum nutzen wir unser Wissen nicht für ein eigenes Unternehmen? Wir spielen den Gedanken durch: Beratung? Kennen wir schon. Internet? War gestern. Ein Nachtclub? Zu schmierig. Handel? Schon besser. Wir könnten den Wechselkurs von Real und Euro ausnutzen. Außerdem haben wir ein wertvolles Netzwerk in Brasilien und Europa. Wir machen eine Liste mit zwölf guten Ideen. Jeder nimmt sich vier vor und prüft in den nächsten Wochen, was sie taugen. Wir telefonieren per Internet miteinander. Das kostet uns keinen Cent. Wir sind ziemlich enthusiastisch, machen eine Flasche Champagner auf und prosten uns zu: Auf unsere Zukunft als Unternehmer!

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