10. Mai 2005 Wir arbeiten fieberhaft an unserem Internetauftritt. In ein paar Tagen erscheint der erste Teil unseres Gründertagebuchs in der WirtschaftsWoche. Bis dahin muss alles tipptopp sein. Der Webauftritt ist unser Aushängeschild. Die Botschaften müssen klar und glaubwürdig rüberkommen. Jedes Detail ist wichtig: Sprache, Farben, Design, Animationen, rechtliche Bestimmungen. 12. Mai Jetzt haben wir schon die fünfte Rechnung für Leistungen bekommen, die wir nie in Anspruch genommen haben. Dubiose Firmen stellen uns für das Veröffentlichen des Handelsregistereintrags horrende Summen in Rechnung. Betrüger! Aber wir waren gewarnt: Das Amtsgericht hat uns bereits darauf hingewiesen, dass windige Gesellen die Unkenntnis von Gründern ausnutzen, um mit gefälschten Rechnungen schnelles Geld zu machen. Also ab in den Papierkorb mit dem Zeug. 26. Mai Heute ist das Tagebuch in der WirtschaftsWoche erschienen. Die Klicks auf unserer Homepage steigen von zehn auf 400 pro Tag, wir bekommen viele E-Mails mit Kundenanfragen. In Chatforen wird über unser Startup diskutiert. Am Flughafen sprichtein Passagier Wolfgang auf das Foto im Tagebuch an. Wir merken, wie wichtig Medienarbeit und PR gerade für Gründer sind. 28. Mai Vor ein paar Tagen hatten wir 20 Logistikdienstleister angeschrieben, die die Lagerung und Distribution der Kaffeebohnen übernehmen könnten. Jetzt kommen die Antworten. Besser gesagt, die Fragen: Die Logistiker wollen wissen, wie viel eine Palette wiegt, welche Art von Paletten wir benutzen, wie viele Paletten pro Container wir bestellen, wie viele Produkte auf jeder Palette sind, an welchem Terminal der Container ankommt und und und. Der Fragenkatalog nimmt kein Ende. So viele Details. Viel Arbeit für mich. 31. Mai Eine weitere Hürde: Die Abwicklung der Bestellungen, die Haftung und alle Modalitäten mit unserem Lieferanten müssen schriftlich festgehalten werden. Ich schlage einen internationalen Lieferantenvertrag vor. Um Anwaltskosten zu sparen, bitte ich den Lieferanten, einen Vertrag aufzusetzen und ihn uns zu schicken. Er sagt sofort zu. Ich frage mich, warum?
2. Juni Zwei Wirtschaftsinformatik-Studenten aus Dresden bieten an, ein so genanntes Customer-Relationship-Management-System aufzubauen. Bestellungen, Kundeninformationen und Handelsvertreter sollen in einer Datenbank zentral erfasst werden. Sie finden unser Projekt so spannend, dass sie ihre Arbeit umsonst anbieten. Wir nehmen die beiden dankend an Bord. Die Abstimmung läuft über Telefonkonferenzen. 4. Juni Unsere erste Gesellschafterversammlung. Auf der Tagesordnung stehen: Zukunftsplanung, Strategieanalyse, Risikomanagement, Produktentwicklung, Markteintritt und Vertriebsstrategie, Werbung, Finanzierung, Mitarbeiter, Ressourcenbedarf, Cash-Flow-Planung und und und. Schon beim ersten Punkt haben wir unterschiedliche Ansichten. Wolfgang möchte bald wieder nach Brasilien. Niels hat eine Tochter und braucht finanzielle Sicherheit. Der Druck nimmt zu. Wir müssen das Unternehmen möglichst schnell auf die Beine stellen. Wir krönen den anstrengenden Tag mit einem ausgedehnten Betriebsausflug durch das Berliner Nachtleben. 5. Juni Leicht verkatert starten wir in den nächsten Tag. Heute geht es vor allem um Finanzierung und Cash-Flow-Planung. An eine Fremdfinanzierung ist erst mal nicht zu denken. Die Banken zeigen kein Interesse an risikoreichen Krediten. Wir beschließen, uns weiterhin nur aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Am Nachmittag müssen wir raus, einen Werbefilm schießen. Ein befreundeter Regisseur hat sich bereit erklärt, einen Imagefilm für uns zu drehen. Den Film wollen wir auf Messen vorführen und als DVD unseren Kunden zur Verfügung stellen. Vor dem Berliner Gendarmenmarkt drehen wir einige Szenen. Vor laufender Kamera erklären wir unser Businessmodell und Produkt. Der Tag ist warm und sonnig – wie in Brasilien. 10. Juni Beim Notar werde ich offiziell zum Geschäftsführer bestellt. Kosten: 60 Euro. Danach geht es zur Bank, wegen der Kontovollmachten. Später noch zum Wirtschaftsamt. Wir müssen zusätzlich zu dem Handelsregistereintrag ein Gewerbe anmelden, haben uns die von der IHK gesagt. Wozu wissen wir nicht genau. Kosten: 20 Euro. Wer ein Gewerbe anmeldet, muss auch der IHK jährlich Beiträge überweisen. Schließlich müssen wir uns noch bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Das ist immerhin kostenlos, solange wir keine Angestellten haben.













