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Fresenius-Chef Schneider: "Global erfahrene Mitarbeiter sind schwer zu finden"

von Jens Tönnesmann

Ulf Mark Schneider ist mit 44 Jahren der jüngste Dax-Chef. Der Fresenius-CEO erklärt, wie er selbst Nachwuchskräfte fördert und mit „Zeitzonendemokratie“ für mehr Internationalität beim Gesundheitskonzern sorgen will.

Ulf Schneider, Quelle: dpa/dpaweb
Ulf Schneider, Vorstandsvorsitzender der Fresenius SE Quelle: dpa/dpaweb

Herr Schneider, viele Konzerne rekrutieren ihr Führungspersonal vor allem im eigenen Haus. Ein Fehler?

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Die Globalisierung hat sich seit den Achtziger Jahren enorm beschleunigt: Die Grenzen zu Osteuropa sind gefallen, Länder wie China haben sich geöffnet und viele große Konzerne erzielen heute große Anteile ihres Umsatzes im Ausland. Dennoch dominieren in vielen Vorständen und Aufsichtsräten immer noch die Manager mit ausschließlich nationalem Hintergrund. Dieses krasse Missverhältnis erschwert es den Konzernen, sich auf den Auslandsmärkten zu behaupten.

Sehen Sie keine Gefahr darin, dass global erfahrenen und international ausgebildeten Managern die Nähe zur deutschen Politik und Gesellschaft fehlt?

Natürlich brauchen Konzerne nicht nur global erfahrene Leute, sondern auch solche, die eng mit den Wurzeln und dem direkten Umfeld des Unternehmens verbunden sind. Fresenius zum Beispiel ist zwar in über 100 Ländern zu Hause, aber in Bad Homburg beheimatet. Das Commitment zum Standort Deutschland ist uns sehr wichtig.

Aber Sie haben keine Hauskarriere gemacht, sondern waren lange im Ausland tätig. Hat das Ihren Einstieg bei Fresenius nicht erschwert?

Wenn man als Quereinsteiger von außen kommt, setzt das sicherlich voraus, dass man bereit ist, zu lernen – vor allem, wenn man sofort Verantwortung für Personal und Ergebnisse übernimmt. Aber das war mir bewusst. Außerdem hat Fresenius eine bestens eingespielte Mannschaft, die mir die Bewältigung dieser Lernaufgabe erleichtert hat.

Fiel es Ihnen als Ökonom nicht schwer, die komplexen technischen Prozesse und Entwicklungen in den Labors von Fresenius nachzuvollziehen?

Man sollte niemanden in eine Schublade stecken, nur weil er in jungen Jahren mal dieses oder jenes studiert hat. Viel wichtiger ist, dass man danach neugierig bleibt und weiter lernt. Ich habe mich immer sehr für die Technik unserer Produkte interessiert und sehe das auch als Bringschuld an. Jeder Unternehmer muss seine Produkte aus dem Eff-Eff kennen – egal ob er Kaufmann, Jurist oder Ingenieur ist.

Und umgekehrt: Wie sehr hat Ihnen Ihre internationale Erfahrung genutzt?

Fresenius erzielt die Hälfte des Umsatzes in Nordamerika. Ich habe viel Zeit in den USA verbracht und bin auch US-Bürger. Den amerikanischen Markt so gut zu kennen, hilft mir sehr. Außerdem ist Internationalität wie Fahrradfahren: Wenn man das einmal erlernt hat, vergisst man es nicht mehr. Das eigene Umfeld von außen gesehen zu haben, macht einen sehr viel toleranter und selbstkritischer.

„Zeitzonendemokratie“ achten

Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?

Als ich in den USA gearbeitet habe, musste ich oft früh aufstehen, um an Telefonkonferenzen teilzunehmen, die in Deutschland zu ganz normalen Bürozeiten stattfanden. Diese Ausrichtung auf das Headquarter hat mich geärgert. Vielen deutschen Führungskräften bei US-Konzernen geht es in umgekehrter Richtung ähnlich. Bei Fresenius achten wir deswegen sehr auf die Zeitverschiebung und respektieren wichtige Feiertage im Inland und im Ausland. Ich nenne das „Zeitzonendemokratie“.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.04.2011, 20:08 UhrAnonymer Benutzer: Franklin

    Herr Schneider hat den Job bei Fresenius vom väterlichen Freund Gerd Krick übernommen. - Wie hoch dürften die Chancen gestanden haben, hätte es nicht diese Vitamin-b-connection gegeben? ich hab ne sehr eindeutige Meinung: Erheblich schlechter - in jedem Fall.

  • 13.10.2009, 19:20 UhrAnonymer Benutzer: Das Schwert

    ich finde es richtig das hier im Artikel positiv über Quereinsteiger berichtet wird, denn das sonst Vorherschende lineare Karrieredenken wirkt sehr altbacken. Trotzdem Nervt mich auch in diesem Artikel das business Denglisch ("Comítment zum Standort Deutschland") und die euphemistischen begriffe wie zeitzonen Demokratie, das klingt einfach dümmlich. Das Thema Sprachkenntnisse wird stark überschätzt.Warum sollte ich "total schusssicheres Englisch beherrschen", während in vielen Ländern in Südeuropa und im asiatischen Raum ein fürchterliches englisch geradebrecht wird. ich finde normale Schulenglisch Kenntnisse und dann eine kleine Vokabel erweiterung durch Lesen und gezieltes Fachwörter lernen sollte reichen.

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